Bamberg

Ein Festtag fürs Weltkulturerbe

Nach der Sanierung des repräsentativen Hauses "Zur Goldenen Wappe" am Stephansberg erhält die Architektin Marion Zachert heute den Förderpreis der Weltkulturerbe-Stiftung.
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Das Haus "Zur goldenen Wappe" am Oberen Stephansberg sollte ursprünglich als Altenheim für Dienstboten dienen. Fotos: Klein/Zachert
Das Haus "Zur goldenen Wappe" am Oberen Stephansberg sollte ursprünglich als Altenheim für Dienstboten dienen. Fotos: Klein/Zachert
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Im Oktober 1999 startete die Architektin Marion Zachert nach dem Studium ihre Berufskarriere als Architektin. Zahlreich sind die in den vergangenen 20 Berufsjahren souverän zu Ende gebrachten Projekte. Zuletzt aber stand ab 2018 die mit Abstand spannendste Bauaufgabe noch an. Und gelungen ist Zachert mit der Sanierung des repräsentativen Hauses "Zur goldenen Wappe" ein Meisterstück, das der Welterbestadt am Stephansberg vorzüglich zu Gesicht steht und der Architektin und Bauherrin nun den Förderpreis der Weltkulturerbe-Stiftung eingebracht hat.

Schönheit am Stephansberg

Am heutigen Donnerstag wird dieser Preis von Oberbürgermeister Andreas Starke und Stiftungsreferent Bertram Felix an die Architektin, Bauherrin und Denkmalpflegerin übergeben - zu Recht. Denn so schön war Bamberg am Oberen Stephansberg schon lange nicht mehr, und im Stiftungszweck heißt es ausdrücklich, dass der Preis an Eigentümer von Bauwerken oder an Körperschaften des privaten oder öffentlichen Rechts vergeben wird, die sich in besonderer Weise um die Erhaltung oder Revitalisierung historischer Bausubstanz im Stadtgebiet Bamberg bemühen.

Siena-Rot thront der vormalige Chorherrenhof von St. Stephan an einer Hangkante hoch über der Stadt und ist solcherart ein leuchtendes Beispiel für sensible, wirtschaftliche und architekturästhetische Denkmalpflege der Extraklasse.

Um 1620 wurde das Renaissancegebäude von Fürstbischof Johann Gottfried I. von Aschhausen als Ehehaltenhaus gestiftet. "Altenheim für Dienstboten", so die Bestimmung für sogenannte Ehehalten, war das imposante Gebäude dann aber nie und der schon unter der Bauzeit beinahe pleitegegangene Fürstbischof starb 1623, erlebte die endgültige Fertigstellung des "Dienstbotenschlosses" gegen 1628 also nicht mehr.

Die Chorherren besannen sich dann auch und wollten lieber selbst prächtig wohnen und Hof halten, anstatt die herrschaftlichen Räume dienstbaren Geistern im Austrag zu überlassen.

40 Jahre in Privatbesitz

Seit 1978 ist das Haus "Zur goldenen Wappe" im Privatbesitz der Familie Zachert. Ein erstes Sanierungsunterfangen konnte ab 1985 nicht zu Ende geführt werden und die Denkmalpflege sah zuletzt einen mächtigen Sanierungsstau. Als Marion und Michael Zachert im Jahr 2017 aber endlich in den Gesamtbesitz der Anlage gekommen waren, löste sich dieser Sanierungsstau binnen Jahresfrist auf. Behutsam, aber energisch, planvoll und mit größter Leidenschaft ging Marion Zachert das Projekt an und nach knapp zwölf Monaten ist das Werk nun tatsächlich vollbracht - und zwar unter Einhaltung eines strengen Kostenrahmens, den sich die Planerin selbst auferlegt hatte.

So wurde im Innenhof und vor allem im vormaligen Barockgarten schweres Gerät nur eingesetzt, wo es unumgänglich war. Das nach Nordosten hin steil abfallende Gartenareal konnte mit Maschinen nur über eine eigens dafür errichtete Rampe erreicht werden. Amüsanter Aspekt sei dabei gewesen, so die Bauherrin, dass zahlreiche Passanten die Rampenkonstruktion für einen neuen Freisitz ansahen und die Platzierung unterhalb des nordwestlichen Renaissance-Risalits am Gebäude für einigermaßen deplatziert erachteten.

Hausgarten statt Rampe

Zwischenzeitlich ist die Rampe längst verschwunden und hat einem kleinen Hausgärtchen Platz gemacht. Auch die Außenfassaden mit samt dem namensgebenden goldenen Wappen wurde denkmalgerecht instandgesetzt. Das Haus hat nun wieder eine Haut, die lebt und das Ensemble am Stephansberg belebt.

In den Innenräumen wurden das repräsentative Treppenhaus, Wappen, Türblätter und alle stuckierten Deckenspiegel vorbildlich restauriert. Die Architektin hat ihr Büro im sanierten Gebäude eingerichtet und wohnt mit ihrer Familie natürlich auch selbst in diesem Kleinod.

Und auch ganz "normale Mieter" sind nach der Fertigstellung der Maßnahme in den Genuss einer der spektakulärsten Mietwohnungen gekommen, die man am Bamberger Mietwohnungsmarkt zuletzt wohl finden konnte. Das Schöne und die Freude daran mit anderen zu teilen, auch das gehört zu den Wesenszügen der Architektin.

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