Lichtenfels

Ein Edelstein - gefasst in der Altstadt

Katie Mahan, eines der herausragenden Talente der internationalen Klavierszene, reüssierte unter freiem Himmel in Lichtenfels.
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Ein inniger Moment Musik, von Katie Mahan empfunden während Debussys "Clair de lune"  Foto: Markus Häggberg
Ein inniger Moment Musik, von Katie Mahan empfunden während Debussys "Clair de lune" Foto: Markus Häggberg

Katie Mahan hält inne. Gleich wird sie einen Ton anschlagen, aber noch hält sie inne. Wenige Momente vorher wurde sie von Moderator Roberto Bauer angekündigt, mit all ihrem Können und ihren internationalen Auszeichnungen.

Doch in dieser Ankündigung schien einen Moment lang noch etwas anderes mitzuschwingen, etwas augenzwinkernd an Männer Adressiertes, so eine Art Aufforderung, die Künstlerin als ganzheitliche Erscheinung wahrzunehmen. Und so saß sie am Donnerstagabend da, schön und begabt und innehaltend, sich auf den Lichtenfelser Marktplatz und Debussy einlassend. Das Klassik-Open-Air startete kurz nach 20 Uhr in seine dritte Auflage.

Von Klassik bis 20. Jahrhundert, zwar nicht in dieser Reihenfolge, aber in dieser Ausrichtung - so ließe sich der Programminhalt umschreiben. Denn da war Beethoven und diesem Debussy vorgeschaltet, da war vor allem abschließend etwas, das Pianistin Katie Mahan besonders am Herzen lag: Gershwins "Rhapsodie in Blue", von ihr selbst mit Arrangements versehen. Die Amerikanerin glänzt auf weitem Feld, aber ihr eilt besonders in Bezug auf George Gershwin der Ruf voraus, maßgeblich zu sein.

Doch schon was sie im ersten Satz von Claude Debussys "Suite Bergamasque" unter dem Bühnenpavillon auf dem Marktplatz vollführt, drängt das Publikum zu einer Unüblichkeit: Applaus während einer Satzpause. Das folgende Menuett macht die amerikanische Künstlerin mit Domizilen in New York und Salzburg tänzelnd erfahrbar und ihr Umgang mit Tempowechseln scheint von gemäßigtem Naturell bestimmt.

700 Stühle mit weißem Bezug

Einen der schönsten musikalischen Momente des Abends arbeitete sie im dritten Satz heraus, dann, wenn es in "Clair de lune" gilt, die sich in Melodie auflösende Spannung zartfühlend aufzulösen. Wohl nicht umsonst greift auch die Filmindustrie häufig auf dieses Stück Musik zurück. Irgendwie traumhaft war auch der Abend an sich: 700 Stühle mit weißem Bezug waren vor der Bühne aufgestellt worden, hinzu Dutzende Stehtische, die grün zu schimmern begannen, weil eine Stadtmitarbeiterin sie gegen 21.10 Uhr per Fernbedienung einschaltete.

Im Publikum saß auch Benedikta von Dungern aus Bad Staffelstein, in Schloss Oberau selbst gastgebend für Klassikkonzerte. "Ich finde toll, was Lichtenfels auf die Beine gestellt hat", erklärt sie zu dem Abend. Man erlebte Beethovens "Waldsteinsonate" und wie Mahan in Chopins "Aeolischer Harfe" das eigentliche Thema, welches sich in den rollenden Molltönen verbarg, so elegant wie leicht bewältigte.

Doch bei all dem Können gab es auch hie und da Kritik. Der Programmblätter hätten nicht genügend ausgelegen, so eine vielleicht berechtigte. "Es muss nicht immer Klavier sein", vorgebracht von einer Dame mittleren Alters, klang schon eher nach einem Menschen, der einem geschenkten Gaul auch noch ins Maul schaut, immerhin wird über die "Stiftung unser Lichtenfels" ein freier Eintritt ermöglicht, weil Auf- und Abbau und Technik und alles abgedeckt ist.

Doch die überwiegende Zahl der Besucher sollte am Ende stehend Ovationen spenden, dann, als die "Rhapsody in Blue" verklungen war. Tatsächlich bedeutete Mahan dieses Stück viel, sie zog sich auch eigens in der Pause um, um paillettenbesetzt anzudeuten, dass es in die Moderne und ins 20. Jahrhundert gehen wird. Auch ließ sie es sich nicht nehmen, im Scheinwerferlicht am Bühnenrand stehend ihren Bezug zu Gershwin und die Geschichte seiner "Rhapsody" in gutem Deutsch zu umreißen.

Einfach so wollte man die zerbrechlich wirkende Frau, die als eines der herausragenden Talente der internationalen Konzertszene gehandelt wird, nicht von der Bühne gehen lassen. So kam es noch zu einem Plausch zwischen ihr und Roberto Bauer, der sie auf ein Video ansprach, welches sie in Venedig drehte. "Was sagst du denn zu Lichtenfels?", so Bauers Frage, der eine Antwort folgte, die man zwar nicht glauben kann, die ihren Charme aber daraus bezog, dass es dennoch gesagt wurde: "Auch so schön wie Venedig."

Das Lichtenfelser Klassik-Open-Air scheint sich überdies etabliert zu haben; auf der Bühne ein Edelstein und die Fassung für ihn eine hübsche kleine Altstadt.

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