Röttenbach

Ein denkwürdiger Abend in Röttenbach

Matthias Egersdörfer begeistert mit seiner Band "Fast zu Fürth" nach anfänglicher Irritation zumindest den Großteil seines Publikums.
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Robert Stephan, Tilo Heider, Matthias Egersdörfer, Lothar Gröschel und Smul Meier bereiteten dem Publikum in Röttenbach einen denkwürdigen Abend.  Foto: Thomas Schöbel
Robert Stephan, Tilo Heider, Matthias Egersdörfer, Lothar Gröschel und Smul Meier bereiteten dem Publikum in Röttenbach einen denkwürdigen Abend. Foto: Thomas Schöbel

Etwas irritierend begann der Freitagabend in der gut gefüllten Lohmühlhalle in Röttenbach. Das Auftaktstück "Bamm" kommt mit der Textzeile "Ich Schwanz, du Möse - Bamm" sehr brachial daher. Nur um danach zu erklären, "und die Macht, die ist unsichtbar".

Man weiß zunächst nicht so recht, was man von diesem Quintett um Frontmann Matthias Egersdörfer - im schneeweißen Anzug - halten soll. Die Verunsicherung im Publikum scheint noch größer zu werden, als Egersdörfer schon nach zwei Stücken ankündigt, dass man sein musikalisches Pulver bereits verschossen habe und er fest davon ausgehe, dass nach der Pause der Saal wohl halb leer sein werde.

Dennoch schafft es Egersdörfer, zusammen mit den hervorragenden Musikern Smul Meier (Gitarre), Lothar Gröschl (Akkordeon), Tilo Heider (Schlagwerk) und Robert Stephan (Gitarre, Saxophon), das Publikum auf eine wilde Achterbahnfahrt durch den manchmal etwas undurchsichtigen Gedanken-Kosmos seiner Texte mitzunehmen. Dabei macht er vor kaum einem Genre Halt: Wild mixt er Rock'n'Roll mit Schlager, Free-Jazz mit Brass. Ein Paradebeispiel dafür ist das Stück "Jesus", das zunächst mit der Geschichte eines Tempelbaus beginnt, um dann abzugleiten in Ausführungen zum Brötchen holen und zur Gestaltung des Vorgartens. Dieser an Dadaismus erinnernde Nonsens ist nur schwer zu beschreiben, man muss ihn erlebt haben.

Das Publikum jedenfalls ist trotz anfänglicher Irritation bis auf wenige Ausnahmen begeistert. Und dass es bereits im ersten Teil des Programms die Textzeile "Die Existenz in Trümmern" mitsingt, quittiert der "bucklige weiße Klotz", wie sich Egersdörfer selbst bezeichnet, mit einem leicht diabolischen Grinsen. Es scheint ihm so sehr zu gefallen, dass er von dem Abend als "Urlaub in Röttenbach" spricht. Eine durchaus ungewohnte Eloge des sonst eher publikumsbeschimpfenden Cholerikers.

Und die Gastfreundschaft hörte nicht beim freundlichen Applaus auf. Kurz nach der Pause überreichte der Hemhofener Maler Mathias Eschment der überraschten Band ein Bild, durch das er sich von der Konzertankündigung inspiriert fühlte.

"Fast zu Fürth" bedanken sich auf ihre Weise mit weiteren laut und derb daherkommenden Ausbrüchen, aber auch mit rezitativen Stücken wie "La Meer". Gerade diese Titel, bei denen Egersdörfer als Geschichtenerzähler recht nah an seinem Kabarettprogramm ist, gefallen dem Publikum am besten.

Auf den lang anhaltenden Applaus folgen einige Zugaben. Bei dem fast an Rockabilly erinnernden "Therapeutisch feiern" und dem herrlich schrägen Spice-Girls-Cover "Sag was" springt und tanzt Egersdörfer dann nicht mehr wie ein "Buckliger", sondern eher wie ein weißer Derwisch über die Bühne.

Im Anschluss zeigt er sich sichtlich begeistert von dem Abend. Es sei immer wieder schön, mit den alten Freunden auf der Bühne zu stehen, verrät er. Auch sei es nicht mehr so, dass "Fast zu Fürth" die Säle leerspielen. "Dass die Leute diesen verrückten Unsinn mögen, ist vielleicht auch Ausdruck der verrückten Zeiten, in denen wir leben", wird er philosophisch.

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