Mitwitz
Artenschutzprojekt

Ein Bündnis will das Rebhuhn vor dem Aussterben retten

Das Rebhuhn kämpft ums Überleben und mit ihm auch viele andere Vogelarten und Insekten. Es steht deshalb als Symbol für gefährdete Arten und ist gleichzeiti...
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Selten gewordener Anblick: ein Rebhuhnpaar Foto: privat
Selten gewordener Anblick: ein Rebhuhnpaar Foto: privat
Das Rebhuhn kämpft ums Überleben und mit ihm auch viele andere Vogelarten und Insekten. Es steht deshalb als Symbol für gefährdete Arten und ist gleichzeitig Sympathieträger für das Projekt "Agrarlandschaft Oberfranken." Auf einer Pressekonferenz im Mitwitzer Wasserschloss stellten Vertreter der Trägergemeinschaft jetzt das BayernNetzNatur-Projekt "Die Agrarlandschaft von morgen - zeitgemäße Lösungen für die Lebensgemeinschaft Rebhuhn" vor. Ziel dieser Maßnahme ist es, innerhalb von fünf Jahren den Schwund der Artenvielfalt im Projektgebiet zu stoppen.
"Das Rebhuhn ist nur ein kleiner Hühnervogel, aber das Bündnis der Menschen, die sich um ihn kümmern, ist groß." Kai Frobel, der Vorsitzende der Ökologischen Bildungsstätte Oberfranken, lobte die gute, konstruktive Stimmung innerhalb der Trägergemeinschaft. "Es gibt ein Bündel von Ansätzen und Maßnahmen, mit dem wir arbeiten können."
Frobel sprach von "dramatischen Bestandseinbrüchen" bei den Rebhühnern und wies darauf hin, dass Insekten als Nahrung für die Jungtiere enorm wichtig seien. Auch Frank Reißenweber, Coburger Kreisgruppenvorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz, wies auf den massiven Rückgang der Rebhühner hin. "Es ist nur noch etwa ein Prozent des ursprünglichen Bestandes vorhanden. Teile von Landschaften sind völlig geräumt. In den Landkreisen Kronach, Coburg und Lichtenfels finden sich noch Restbestände."
Eric Imm, Geschäftsführer der Wildlandstiftung Bayern, meint dazu: "Wenn es dem Rebhuhn gut geht, geht es auch anderen Arten gut." Er möchte gerne die Verbraucher bei ihrer Ehre packen und sieht sie maßgeblich in der Verantwortung: "Wer die Billigvariante beim Kauf von Fleisch und Wurst wählt, der zahlt damit auch ausgeräumte Landschaften."
Zum Projekt nahm auch André Maslo, Geschäftsführer der Ökologischen Bildungsstätte Oberfranken, Stellung. Er freute sich, auf ein breites Bündnis aus Trägergemeinschaft, Behörden, Naturschützern, Landwirten, Jägern und Wissenschaftlern bauen zu können. Und auf die rhetorische Frage, warum man überhaupt ein solches Projekt durchführe, antwortet er: "Der Biodiversitätsverlust geschieht in der Agrarlandschaft schneller und gravierender als in irgend einem anderen Biotoptyp. Die Ackerwildkräuter, Insekten und Vögel haben bis zu 95 Prozent ihrer Population eingebüßt. Der Hauptgrund ist aber der Intensivierungsdruck auf landwirtschaftliche Nutzflächen, der aber nur Spiegel unseres eigenen Konsumverhaltens ist." Eine neunzigprozentige Förderung habe das Projekt bereits erhalten. Dabei entfalle der Löwenanteil (85 Prozent) auf den Bayerischen Naturschutzfonds. Genehmigt worden seien im Herbst 2017 486 000 Euro, bestätigte Maslo. "Zusätzlich steht uns ein eigener Etat zur Verfügung, um neue Biotopmaßnahmen auszuprobieren."
Projektmanagerin Christine Neubauer spricht über die Schritte, die bereits eingeleitet worden sind. Vor allem der Versand von Kartierungsbögen habe gut funktioniert und die Bereitschaft der Jäger zur Zusammenarbeit gezeigt. Jetzt wolle man das Projekt ausführlich bei Landwirten und Jägern vorstellen und eine Akquise und Erfassung mitwirkender Landnutzer durchführen. Bis Ende 2022 soll das Projekt "Agrarlandschaft Oberfranken" laufen. Es umfasst ein Gebiet von etwa 793 Quadratkilometer und erstreckt sich über die Kreise Kronach, Coburg und Lichtenfels.
Wer beim Spazieren gehen zufällig Rebhühner sichten sollte, der darf sich gerne in der Ökologischen Bildungsstätte melden. Telefon: 09266 8252. Allerdings warnt Maslo davor, dass man sich auf keinen Fall gezielt auf die Suche nach Rebhühnern machen sollte, denn dafür seien Experten zuständig.
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