Herzogenaurach

Ein böhmisch-fränkischer Traum

Das Experiment ist gelungen: Samstag zur Mittagszeit Blasmusik live statt Musik vom Band. Eine junge Gruppe namens "Böhmisches Verlangen" begeisterte auch die älteren Gäste. Nächsten Samstag gibt's das noch einmal.
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Es gibt sie erst seit heuer: "Böhmisches Verlangen". Am Samstag spielen sie nochmal.  Fotos: Bernhard Panzer
Es gibt sie erst seit heuer: "Böhmisches Verlangen". Am Samstag spielen sie nochmal. Fotos: Bernhard Panzer
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Bernhard Panzer Kurt Pöche war glücklich. Den Herzogenauracher, der im Egerland geboren wurde, zog es am Samstag zur Mittagszeit auf die Sommerkirchweih, um Klängen aus der alten Heimat zu lauschen. Böhmische Blasmusik war da geboten, von einer Gruppe lauter junger Leute mit dem bezeichnenden Namen "Böhmisches Verlangen" - ein Wortspiel mit Erlangen, der Heimatstadt des Septetts. Pöches Verlangen wurde auch gestillt, denn die Kapelle spielte sein Lieblingslied, die Polka vom böhmischen Traum.

Es war ein musikalisches Experiment, und es ist gelungen. Denn es war das erste Mal, dass samstags zur Mittagszeit eine Liveband spielte. Bisher gab es da immer Musik aus der Konserve, und nach einer Stunde wiederholte sich das Band, so dass jeder schon wusste, welches Lied als nächstes kam. Das sagte Hannes Baier, der Pächter des Heller Kellers. Der junge Mann entschloss sich daraufhin, das zu ändern und an den beiden Samstagen drei Stunden lang eine Blaskapelle spielen zu lassen. Die Wirte der unteren Keller beteiligten sich dann auch spontan an den Kosten, sagt Baier.

Bier, Brotzeit, Blasmusik

Experiment gelungen - den Gästen wurden ein paar harmonische Stunden geboten. Und die Musikauswahl hätte besser nicht sein können. "Was will man mehr?", stellte beispielsweise Siegfried Reinhard fest, und gab auf seine rein rhetorische Frage auch gleich die passende Antwort. Frühschoppen, Karteln, Bier, Brotzeit und obendrein noch Blasmusik - "so muss eine Kerwa sein".

Das fand auch Gerd Brehm, der Vorsitzende des Musikvereins Eltersdorf und selbst Musiker. "Das ist ein schönes Ambiente hier auf den Kellern", sagte er. Gerade zu dieser Uhrzeit, gemütlich und ohne Trubel, genau das passende Umfeld für die Blasmusik. Brehm trieb es aber noch aus einem anderen Grund in den Weihersbach, ist er doch der Vater des Bandleaders Georg Brehm. Der Schlagzeuger hat die Kapelle zusammengestellt. Blasmusik aus Böhmen - "da hat er ein Herz dafür", sagt der Musiker der "Domingos" über seinen Filius. Der 18-Jährige ist übrigens Mitglied im Bundesjugendorchester, zählt also in Deutschland zu den Besten seiner Altersklasse.

Freilich kamen auch andere Liebhaber der Blasmusik in den Weihersbach, so wie Fritz Schorr. Der 84-Jährige aus Niederndorf hat früher gemeinsam mit Fritz Mensching und Thomas Fink, seinem Nachbar, im Bayerischen Rundfunkorchester, dem Nürnberger Tanzorchester, gespielt - die erste Trompete, wie er dem Eltersdorfer erzählte, der ihm einen Platz an seinem Tisch anbot. "Das ist die Musik, die ich suche", sagte Schorr. Unverfälschte Blasmusik ist einfach etwas Besonderes. Das Alter der Musiker spielt da offensichtlich keine Rolle. Das "Böhmische Verlangen" spielt übrigens eine Besetzung mit drei Trompeten, einer Tuba und zwei Tenorhörnern, also reines Blech. Und dazu das Schlagzeug. "Die Klarinetten lassen sie bewusst weg", sagt Gerd Brehm.

Den Dirigenten weggeschnappt

Der Eltersdorfer Musikverein hatte mit seiner Jugendkapelle übrigens am Vorabend gemeinsam mit der Stadtjugendkapelle sowie den Kapellen der FFW Großenseebach und aus Aurachtal in Hannberg musiziert. Und zu den Herzogenaurachern besteht noch eine ganz besondere Verbindung des 52 Jahre alten Musikvereins, wie Brehm augenzwinkernd anmerkt. "Die haben uns damals den Dirigenten weggeschnappt", sagt er. Der Dirigent war kein Geringerer als Fritz Mensching.

Am kommenden Samstag gibt's noch einmal "Böhmisches Verlangen" im Weihersbach. Vielleicht spricht sich das bis dahin rum, so dass noch ein paar mehr Gäste kommen. Samstagmittag ist für gewöhnlich nicht die allerbeste Zeit für einen Kirchweihgang - die einen arbeiten noch, die anderen sind beim Einkaufen, wieder andere erledigen Arbeiten in Haus und Garten. Musikliebhaber könnten sich die drei Stunden aber freischaufeln.

"Denn Blasmusik gehört einfach zu einer Kerwa dazu", wie Kurt Pöche sagt. An den Sonntagen wird das auf der Sommerkirchweih ja ohnehin geboten, und besondere Bigband-Klänge gibt's ja auch noch am Mittwochnachmittag. Es muss nicht immer Partymusik sein. Und erst recht keine stets wiederkehrenden Liederfolge vom Band.

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