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Coburg

Ein bisschen Haushalt für Kinder

Warum es gut ist, Kinder an die Hausarbeit heranzuführen, und was sie alles erledigen können - Hauswirtschafterin Anna Zielosko rät: Lasst sie auch die schönen Dinge tun!
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Warum sind hauswirtschaftliche Tätigkeiten für Kinder und Jugendliche sinnvoll? Was lernen Kinder dadurch?

Anna Zielosko: Jeder sollte irgendwann mal in der Lage sein, sich selbst zu versorgen. Das sieht man ja jetzt wieder. Kinder lernen im Haushalt einen verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln, wenn sie das Essen selbst zubereiten. Den Rest einer selbst gemachten Lasagne wirft man nicht so schnell weg, wie den einer Supermarktlasagne für 3,99 Euro. Außerdem kann man beim Kochen auf die Zutaten verzichten, die man selbst nicht mag.

Haben Kinder erst einmal ein Hemd gebügelt, landet es vielleicht nicht mehr so schnell unnütz in der Wäsche (weil es nicht zum Outfit gepasst hat) und die Umwelt wird geschont. Nachhaltigkeit und der Umweltgedanke sind für Kinder ein gutes Argument. Kinder erfahren auch, wie schön es ist, selbst etwas vollbracht zu haben, wenn etwas sauber und aufgeräumt ist. Ihr Selbstwert steigt.

Was kann Grundschulkindern von sechs bis elf zugemutet werden? Für was eigenen sie sich, woran haben sie eventuell sogar Spaß?

Zunächst finde ich es wichtig, dass Kinder nicht nur die unangenehmen Dinge machen sollen, wie Müll rausbringen oder aufräumen. Beim Kochen und Backen haben die Kinder meistens viel Spaß. Sie lernen nicht nur, wie man eine Zwiebel richtig schneidet oder wie das Mehl abgewogen wird, sie übernehmen Verantwortung und werden am Ende sehr stolz auf sich sein. Natürlich können Kinder auch den Tisch decken oder die Spülmaschine ein- und ausräumen. Wer sein Waschbecken nach dem Zähneputzen gleich auswischt, muss sich nie über eklige Haare oder Zahnpastaspuren beschweren. Ich habe vier Kinder, und es war für alle eine Selbstverständlichkeit. Spaß haben die Kinder auch am Schuhe-Putzen, Flecken-Entfernen oder am Dekorieren. Sich Zeit dafür nehmen und es ihnen erklären, warum das Sinn macht, und das Ergebnis bewundern, gibt den Kindern das Gefühl, wichtig zu sein und Wichtiges zu tun.

Wo können Jugendliche von zwölf bis 18 mithelfen. Was kann ihnen abverlangt werden? Wie kann man argumentieren, dass die Motivation steigt?

Wenn die Großen schon als Kleine dazu herangeführt wurden, können Jugendliche auch schon mal für die ganze Familie kochen. Im Grunde sollten 16-Jährige im Haushalt alles können. Mit der Motivation ist das so eine Sache. Aber wenn man ihnen klarmacht, dass sie ja irgendwann - vielleicht schon bald - ausziehen oder nach der Schule ein Jahr im Ausland verbringen wollen, verstehen sie es besser. Später für all diese Dienstleistungen bezahlen zu müssen, ist teuer. Außerdem sind Jugendliche, die Ordnung halten und um Sauberkeit bemüht sind, die beliebtesten WG-Mitglieder. Das kann sogar richtig cool sein!

Sollten die Kinder dafür belohnt werden - und wenn wie?

Auf jeden Fall. Das kann das Stück Kuchen sein, den sie selbst gebacken haben. Aber auch ein gemeinsames Spiel oder mal eine zusätzliche Stunde vorm Fernseher. Immerhin hat die Mithilfe ja Zeit gespart und alle haben etwas davon. Deshalb ist es natürlich am schönsten, wenn man die gesparte Zeit gemeinsam nutzt.

Die Fragen stellte Christiane Lehmann.

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