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Ein besonderer Schüler des Casimirianums

So ein richtiger Musterdemokrat war der Coburger Oberstleutnant Georg Alexander Hansen sicher nicht. Das trifft auch nicht auf den Hitlerattentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg und andere Person...
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Ehrengäste bei der Jubiläumsveranstaltung der Casimiriana war auch die Familie Hansen. Von links: Oberstudiendirektor Burkhard Spachmann, Karsten Hansen und dessen Ehefrau Dörte Hansen, Prof. Eckart Conze sowie Frauke Hansen und Hans Herold Wangemann von der Casimiriana Foto: Martin Koch
Ehrengäste bei der Jubiläumsveranstaltung der Casimiriana war auch die Familie Hansen. Von links: Oberstudiendirektor Burkhard Spachmann, Karsten Hansen und dessen Ehefrau Dörte Hansen, Prof. Eckart Conze sowie Frauke Hansen und Hans Herold Wangemann von der Casimiriana Foto: Martin Koch

So ein richtiger Musterdemokrat war der Coburger Oberstleutnant Georg Alexander Hansen sicher nicht. Das trifft auch nicht auf den Hitlerattentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg und andere Personen aus dem "Verschwörerkreis" rund um den gescheiterten Staatsstreich am 20. Juli 1944 zu. Geprägt von einem preußischen Offiziersgeist nationalkonservativer Prägung haben sie wohl anfangs durchaus einige Sympathien mit den Nationalsozialisten und Adolf Hitler gehabt. Sie waren gefrustet vom Ende der Monarchie und von den Konsequenzen des Versailler Vertrages.

Prof. Eckart Conze von der Philippsuniversität widersprach bei einer Veranstaltung im Gymnasium Casimirianum aber auch der Vermutung, dass sich dieser militärische Widerstand aus Kreisen der deutschen Wehrmacht erst unter dem Eindruck der drohenden Niederlage im Zweiten Weltkrieg so richtig manifestiert habe. Conze versuchte zu belegen, dass der inneren Abkehr Hansens vom Nationalsozialismus ein langer Reifungsprozess vorangegangen sei. Es gehe um soldatisches Pflichtbewusstsein und nicht um politische Aktivitäten. "Und wenn die Politik das Schicksal der Nation auf das Spiel setzte, dann hatte der Soldat zu handeln, notfalls auch gegen die Politik", zitierte Conze den Stauffenberg-Biographen Thomas Karlauf.

Ab 1938 arbeitete Hansen für die Spionageabwehr unter Admiral Wilhelm Canaris, mit dem ihn auch ein enges persönliches Verhältnis verbunden habe. Canaris wurde wegen der Verbindungen zu den Widerständlern vom 20. Juli 1944 noch kurz vor Kriegsende im April 1945 im Konzentrationslager Flossenbürg ermordet. Hansen wurde am 8. September im Zuchthaus Berlin Plötzensee ermordet.

Hansen war ab 1914 Schüler des Casimirianums und dann Bundesbruder der 1861 gegründeten Schülerverbindung Casimiriana. Diese hatte auch zu dem Vortrag mit Eckart Conze anlässlich des 100-jährigen Bestehens ihrer Altherrenvereinigung eingeladen. Conze selber war auch Schüler am Casimiranum und Mitglied der Schülerverbindung. Martin Koch

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