Coburg
abschied

Ein besonderer Lehrer verlässt in dieser Woche sein Ernestinum

Mit Martin Ungelenk durch das Schulgebäude zu gehen, ist schön und ein bisschen anstrengend. Da fragt ein Schüler, ob seine E-Mail angekommen ist, die Tür zum Sanitätszimmer muss für eine Schülerin au...
Artikel drucken Artikel einbetten
Martin Ungelenk geht in den Ruhestand. Einerseits freut er sich auf mehr Zeit für die Familie und die Hobbys, andererseits erinnert er sich sehr gern an seine Zeit als Lehrer.  Foto: Helke Renner
Martin Ungelenk geht in den Ruhestand. Einerseits freut er sich auf mehr Zeit für die Familie und die Hobbys, andererseits erinnert er sich sehr gern an seine Zeit als Lehrer. Foto: Helke Renner

Mit Martin Ungelenk durch das Schulgebäude zu gehen, ist schön und ein bisschen anstrengend. Da fragt ein Schüler, ob seine E-Mail angekommen ist, die Tür zum Sanitätszimmer muss für eine Schülerin aufgeschlossen werden, ein junger Kollege möchte sich kurz über ein chemisches Experiment austauschen. In der Pausenhalle wimmelt es gerade von Mädchen und Jungen, die meisten lächeln und grüßen freundlich. Martin Ungelenk ist etwas in Eile, es muss noch so viel erledigt werden, bevor die Sommerferien beginnen.

Gerade hat ihm seine 8b zum Abschied eine selbst gestaltete Schulstunde geschenkt - ein bewegender Moment. Für den Chemie- und Biologielehrer und stellvertretenden Schulleiter sind das nicht nur die letzten Tage des Schuljahres, sondern seines Berufslebens. In 35 Jahren hat er etliche Schülergenerationen unterrichtet - mit großer Freude, wie er betont. Trotzdem sagt er mit Blick auf den bevorstehenden Ruhestand: "Es ist gut so." Jedes Alter habe seine Aufgaben. "Jetzt rückt erst einmal die Familie an die erste Stelle. Dort war sie seit 35 Jahren nicht." Und dann sind da ja auch noch die Hobbys, für die die Zeit oft nicht gereicht hat. "Ich werde mich jetzt erst einmal vollständig aus dem Schulleben ausklinken und umorientieren."

Eventuell werde er sich im Förderverein des Gymnasiums engagieren. Doch darüber denkt er später nach. Dabei wäre das - von außen betrachtet - ein logischer Schritt, denn 45 Jahre seines Lebens sind mit dem Ernestinum verbunden. Martin Ungelenk war einst selbst dort Schüler. "Das war damals eine andere Schule. Wir waren nur Jungs, und einen pädagogischen Ansatz wie heute gab es auch nicht." Dennoch habe er in der Oberstufe Lehrer gehabt, die ihn geprägt und die Liebe zu diesem Beruf geweckt hätten. "Eigentlich wollte ich Chemiker werden", erinnert sich Martin Ungelenk. Stattdessen studierte er in Regensburg Biologie und Chemie und wurde Lehrer - zuerst, unter Berufung in das Beamtenverhältnis auf Probe, am Schiller-Gymnasium in Hof.

1984 wurde er nach Coburg versetzt und kam ans Gymnasium Ernestinum. Was am Lehrerberuf traumhaft ist, kann Martin Ungelenk aufzählen, ohne nachzudenken. "Man muss sich darauf einlassen. Die Wissensvermittlung kann man erlernen. Für die Erziehung hingegen sollte man ein Gespür haben. Das ist wie das Formen von Rohdiamanten, vor allem, wenn Schüler Probleme bereiten." Es sei spannend, die Gruppendynamik in einer Klasse zu lesen und darauf zu reagieren. Das muss Martin Ungelenk gut gelungen sein, denn ehemalige Schüler sagen heute über ihn: "Er war ein besonderer Lehrer."

Nicht ganz so begeistert ist der stellvertretende Schulleiter von der Bürokratie, die die allgemeine Schulverwaltung mit sich bringt und die auch zu seinem Arbeitsalltag gehörte. "Alles soll bis ins Kleinste geregelt sein." Ständig komme Unruhe von außen in das System. Es wäre besser, stattdessen etwas mit den Klassen zu unternehmen.

Schulleiter Bernd Jakob erinnert sich in diesem Zusammenhang an einen Satz von Martin Ungelenk bei ihrer ersten Begegnung 2010: "Ich hab's mehr mit den Menschen als mit den Akten." Dabei habe er auch die Bürokratie gemeistert, stellt der Schulleiter fest.

Nachdem Martin Ungelenk 1986 zum Studienrat und 1992 zum Oberstudienrat ernannt worden war, übernahm er 1997 die Fachbetreuung Chemie. 2005 folgte die Beförderung zum Studiendirektor. Bereits 1985 hatte ihn die Regierung von Oberfranken zum Mitglied des Naturschutzbeirats der Stadt Coburg ernannt. Er war seit 2001 Prüfer bei den Hochbegabtenprüfungen und Fachmitarbeiter für Chemie beim Ministerialbeauftragten für die Gymnasien in Oberfranken und wurde 2008 zum stellvertretenden Schulleiter am Gymnasium Ernestinum berufen. Darüber hinaus arbeitete er maßgeblich an den Konzepten zur Einführung der Gebundenen Ganztagsklasse und der Gestaltung von Projektwochen mit.

Was würde Martin Ungelenk jungen Kollegen, die gerade dabei sind zu lernen, raten? "Entscheidend ist es, authentisch zu sein. Man sollte seine Stärken und Schwächen kennen und auch mal zu Fehlern stehen." Für ihn sei es immer wieder ein großes Erlebnis, ehemalige Schüler zu treffen, die sich gern an ihn erinnern, und zu hören, was aus ihnen geworden ist. Und das wird bleiben, auch wenn Martin Ungelenk im Ruhestand ist.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren