Bamberg

Ein Abend mit den Dancers

Tauschreporterin Sabrina Bauer hat ein paar Stunden mit dem Tanzteam von Brose Bamberg trainiert. Auf dem Programm standen neue Choreografien und Dehnübungen - keine leichte Aufgabe für die Bonnerin.
Artikel drucken Artikel einbetten
+2 Bilder
Bamberg  — Die Bässe der Musik dröhnen durch die Baskidhall. Tänzerin Irina Reuß zählt laut den Einsatz der Choreografie an: "Fünf, sechs, sieben, acht." Ich versuche, die zuvor gelernten Tanzschritte passend zum Takt der Musik umzusetzen. Um mich herum wirken die Bewegungen der anderen Tänzerinnen wie eine gleichmäßige Wellenbewegung, aus der ich zeitversetzt hinausrage. Ich habe große Mühe mitzuhalten - aber ich tanze schließlich auch mit Profis.
Einen Abend lang trainiere ich mit dem Dance Team von Brose Bamberg. Keine einfache Aufgabe für eine Bonnerin - schließlich ist die 0:3-Niederlage der Telekom Baskets gegen Bamberg im Play-off-Viertelfinale der Bundesliga noch nicht überwunden. Als Gastreporterin bin ich für ein Probetraining aber herzlich willkommen.
Als ich die Halle betrete, sitzt das Team schon im Halbkreis um Trainerin Melanie Altenfeld versammelt. Zusammen mit Sandra Albrecht leitet sie die wöchentlichen Übungseinheiten und koordiniert die Termine. Bei jedem Heimspiel des Brose-Teams steht für die jungen Tänzerinnen ein mehrstündiger Auftritt an, als Dance Team überbrücken sie die Pausen und unterhalten die Zuschauer. Weil gerade Prüfungsphase ist, sind an diesem Abend weniger Tänzerinnen als sonst da. Altenfeld geht die Planung für den Auftritt beim nächsten Spiel durch: Tänze, Kostüme, Treffpunkt.


Laufrunde zum Aufwärmen

Dann heißt es erst einmal aufwärmen: Wir laufen Runden durch die Halle. Dabei erzählen mir die Studentinnen von ihren Anfängen. Manche sind seit mehreren Jahren dabei, einige erst seit ein paar Monaten. Was alle eint, ist die Leidenschaft fürs Tanzen - egal ob klassischer Show- oder Gardetanz. Als Leichtathletin und Langstreckenläuferin habe ich großen Respekt vor der Leistung des Teams: 30 verschiedene Tänze haben die Brose Bamberg Dancers derzeit im Repertoire.
"Man muss ein gewisses tänzerisches Talent mitbringen, aber auch den nötigen Eifer und Zeit", erklärt Altenfeld. Zweimal pro Woche treffen sich die jungen Frauen im Alter zwischen 16 und 24 Jahre zum Training, jeweils für zwei bis drei Stunden. Die meisten im Team studieren und arbeiten noch nebenbei. Hinzu kommen die wöchentlichen Auftritte bei den Spielen - bis zu drei pro Woche - je nachdem wie oft die Basketballer Heimrecht haben. Drei Stunden vor Spielbeginn sind die Dancers dann vor Ort, um sich vorzubereiten und die finale Aufstellung festzulegen, denn feste Positionen gibt es nicht. Ein zeitaufwendiges Hobby, das Disziplin erfordert.
Nach der Joggingeinheit stehen Dehnübungen auf dem Programm. Jede der Tänzerinnen kommt entspannt in den Spagat. "Ist das eine Grundvoraussetzung?", frage ich Christina, die neben mir ihr Aufwärmprogramm absolviert. Bei ihr sehen die Übungen grazil und mühelos aus. "Nein", beruhigt sie mich. Mit genügend Übung schaffen es auch Neulinge bald. Aber: "Je früher man anfängt, desto einfacher lernt man es."
"Jetzt tanzen sich die Mädels erst warm", erklärt mir Altenfeld. Warmtanzen bedeutet: einmal die komplette Choreografie für das nächste Spiel durchtanzen. Als Neuling schaue ich vom Rand aus zu.


Neuer Tanz in drei Stunden

Bei den Spielen ist es Aufgabe des Dance Teams, das Publikum in den Auszeiten zu unterhalten. Als Cheerleader wollen sie sich allerdings nicht bezeichnen lassen - schließlich stehe das Tänzerische im Vordergrund. Altenfeld scannt jede Bewegung genau: "Ich kritisiere aber nicht zu viel, sonst würde ich sie nur nervös machen." Ab der Hälfte der Trainingszeit übernimmt Reuß die Leitung. Sie hat eine neue Choreografie erarbeitet, die das Team schon beim nächsten Spiel präsentieren will. Zwei Drittel der neuen Showeinlage können die Dancers schon, heute steht der letzte Teil an - auch für mich.
Reuß tanzt die Elemente zunächst ohne Musik vor, zählt den Takt laut mit. Ein Schritt zur Seite, nach unten beugen, wieder hochkommen, aufrichten und das Gewicht zuerst auf die linke Hüfte, dann die rechte Hüfte verlagern. Dazu noch eine Drehung, die Arme zum Oberkörper ziehen, über dem Kopf verschränken und mit einer seitlichen Drehung elegant wieder am Bauch verschränken. Bereits nach dem ersten Durchgang haben die Mädels die Abläufe verinnerlicht. Mir gelingt es zumindest, am Ende in der finalen Position zu stehen. "Okay, jetzt mit Musik", ruft Reuß. Die Bässe erfüllen die Halle, Reuß zählt wieder an, jetzt ist das Tempo deutlich schneller als noch im Probedurchgang.
Aus Unsicherheit schaue ich auf meine Nebentänzerin anstatt in den gegenüberliegenden Spiegel. Während ich noch mit der allgemeinen Koordination kämpfe, feilen die anderen schon an den Feinheiten, wie Haltung oder Armdrehung. Zufrieden ist Reuß mit den Bewegungen noch nicht, Änderungen werden demokratisch im Team entschieden. "Wie wäre es zum Beispiel so", schlägt Mia vor. Hier eine andere Armbewegung, die Drehung schneller. Wir testen die neuen Bewegungen zur Musik. Es passt.


Videos als Lernhilfe

Am Ende des Trainings tanzt Laura die neue Choreographie noch einmal vor - dieses Mal allerdings für die Handykamera. Mithilfe der Videos können die anderen abwesenden Tänzerinnen die Schritte nachholen, um nicht den Anschluss zu verlieren. "Es wird immer geholfen. Die Mädels treffen sich auch privat", ergänzt Altenfeld. Von Allüren oder Konkurrenzkampf ist bei dem zweieinhalbstündigen Training nichts zu spüren. Das wollen auch die beiden Trainerinnen bewusst vermeiden. So gibt es beispielsweise einen Jour fixe, bei dem die jungen Frauen Probleme und Konflikte ansprechen sollen.
"Das Besondere ist, dass wir bei den Spielen von allen Seiten beschaut werden", sagt Altenfeld. Mit den knappen Kostümen bieten die jungen Tänzerinnen auch Angriffsfläche. Gerade in den sozialen Netzwerken erscheinen immer wieder mal negative Kommentare. "Wir nehmen Kritik gerne an, aber keine Beleidigungen", sagt Altenfeld.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren