Ebern
Jubiläum 

Ehemalige Panzergrenadiere in Ebern

Von 1961 an waren die Panzergrenadiere im Ort und belebten über vier Jahrzehnte die kleine unterfränkische Garnisonstadt. Im Jahr 2009 wurde der Standort dann aufgelöst. Die Kameradschaft besteht aber bis heute und feierte nun ihr 25-jähriges Bestehen.
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Im Festzelt feierten die ehemaligen Panzergrenadiere und Gäste das 25-jährige Bestehen der Kameradschaft. Fotos: Helmut Will
Im Festzelt feierten die ehemaligen Panzergrenadiere und Gäste das 25-jährige Bestehen der Kameradschaft. Fotos: Helmut Will
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Ebern — Die Panzergrenadiere schrieben in Ebern Geschichte. 1961 kamen sie von Claustal-Zellerfeld nach Ebern und belebten über vier Jahrzehnte die kleine unterfränkische Garnisonstadt. Elf Kommandeure hatte das Bataillon, der letzte war Oberstleutnant Dieter Hintelmann, der nach der Auflösung im September 2009 "das Licht aus machte", der auch Festredner beim Jubiläumsakt zum 25-jährigen Bestehen der Kameradschaft war und der zum Ehrenmitglied der Kameradschaft ernannt wurde.
Reiner Dehler ist ein Mann der ersten Stunde des Kameraden- und Freundeskreises der ehemaligen Panzergrenadiere 101/103 und wie die Gründungsurkunde vom 31. März 1992 ausweist, auch der erste und bisher einzige Vorsitzende der Kameradschaft. Er hieß am Samstagvormittag bei einer Flaggenparade am Ehrenhain in der ehemaligen Kaserne Gäste und Mitglieder der Kameradschaft willkommen. Die Flaggenparade wurde begleitet von einem Bläsertrio, das unter anderem die Nationalhymne spielte. "Die Kameradschaft ist für viele wie eine Familie", sagte Dehler. Arbeitsplätze, Wohnorte und Lebenspartner könnten wechseln aber gute Kameraden und Freunde blieben. "Der heutige Tag ist eine wunderbare Gelegenheit unsere Kameradschaft zu pflegen", zeigte sich Reiner Dehler überzeugt. 240 Mitglieder zählt die Kameradschaft ehemaliger Panzergrenadiere 101/103. Der "letzte Kommandeur" blickte in seiner Rede auf die Jahre zurück, seitdem das Panzergrenadierbattaillon im Jahr 1961 von Clausthal-Zellerfeld nach Ebern verlegt und im Jahr 1992 mit dem Abschlussappell verabschiedet wurde. Oberst a.D., Dieter Hintelmann, äußerte sich kritisch zur Person der derzeitigen Verteidigungsministerin, Ursula von der Leyen, und stellte in seiner Rede heraus, dass es wichtig sei,Traditionen zu erhalten. In Ebern funktioniere das bei der Kameradschaft mit Rainer Dehler als Vorsitzenden hervorragend. "Ursula von der Leyen hat im Dezember 2013 die Befehls- und Kommandogewalt über die Bundeswehr übernommen und ging voller Tatendrang an ihre Aufgaben. Sie entließ zwei Staatsekretäre, kappte Seilschaften im Ministerium und erweckte den Eindruck, dass mit der organisierten Verantwortungslosigkeit in der Bundeswehr nun Schluss sei", sagte Hintelmann. Er fuhr fort: "Dreieinhalb Jahre später ist von dieser Hoffnung nichts mehr übrig. Sie hat es geschafft, die Truppe gegen sich aufzubringen."


"Viele haben die Nase voll"

Die Ministerin stehe immer noch unter Druck. "Dass sie das Bild des ehemaligen Verteidigungsministers und Bundeskanzlers Helmut Schmidt in Wehrmachtsuniform abhängen und Kasernen umbenennen ließ, stößt bei mir auf völliges Unverständnis", so der ehemalige Eberner Kommandeur. "Viele aktive Soldaten haben die Nase voll", sagte der pensionierte Oberst. Ein ganz so düsteres Bild wie Hintelmann wollte der noch aktive Offizier und Kommandeur, Oberstleutnant Wolfgang Hagedorn, der auch Dienst beim Panzeraufklärungsbataillon 12 in Ebern leistete, nicht zeichnen, auch wenn es viele Änderungen gegeben hätte.
Bürgermeister Jürgen Hennemann freute sich, dass die Kameradschaft der ehemaligen Panzergrenadiere in Ebern mit dem Traditionsmuseum und ihren Aktivitäten die Tradition aufrecht erhalte. "Damit wird erhalten was in Ebern war, was Ebern zu Zeiten der Bundeswehr geprägt hat", freute sich der Bürgermeister. Er stellte die Veränderung in der ehemaligen Balthasar-Neumann-Kaserne vor und dankte in diesem Zusammenhang seinem Vorgänger, Altbürgermeister Robert Herrmann, dass die Konversion so hervorragend gelungen sei und fast alle Gebäude einer neuen Nutzung zugeführt werden konnten. Landrat Wilhelm Schneider konnte nicht kommen, übermittelte jedoch ein Grußwort, indem er ein viertel Jahrhundert wichtige Traditionspflege hervorhob, bei der das ehemals gute Verhältnis von Soldaten und Bevölkerung in Ebern und im Landkreis wach gehalten werde. Pater Rudolf Theiler und Reverend Alan Stockbridge gaben der Veranstaltung einen geistlichen Impuls. Pater Theiler sagte, dass er die Kaserne so, wie sie früher war, nicht mehr kenne. "Was ist eigentlich wichtig für unser Leben?", fragte er. Einiges hätten die Soldaten durch ihren Dienst im Einsatz für den Erhalt des Friedens getan. Wichtig sei immer auch, dass man sich für seine Mitmenschen einsetze. Immer solle man einen Blick dafür haben was für Menschen gut sei.
Der Vorsitzende der Kameradschaft, Reiner Dehler, ernannte im Namen der Kameradschaft der Panzergrenadiere Oberst a.D. Hintelmann zum Ehrenmitglied. Zu Ehrengrenadieren wurden Gründungsmitglieder der Kameradschaft Gerald Kobriger, Harald Theuring, Rainer Ludwig, Wilfried Eggers und Hubertus Fromm ernannt. Diese Auszeichnung steht noch für Hans Kraft, Günter Schrüfer, Alois Reimer, Jürgen Herbst, Paul Habich und Thilo Lauer aus, die an der Veranstaltung nicht teilnahmen. Nach dem Mittagessen, wie könnte es bei ehemaligen Soldaten anders sein, gab es Eintopf, der von einem ehemaligen Feldkoch der Bundeswehr und jetzigem Koch im Gasthaus "Zum Stadl", zubereitet wurde. Ehemalige Spieße gaben den Eintopf aus. Wer mochte, konnte an einem Rundgang durch seine ehemalige Kaserne teilnehmen und das Traditionsmuseum besuchen, welches in Kellerräumen des Gasthauses untergebracht ist. Bevor der Zapfenstreich geblasen wurde, gab es im Laufe des Nachmittages bei Unterhaltungsmusik ausreichend Gelegenheit sich auszutauschen und alte Erinnerungen wach werden zu lassen.


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