Ibind

Echt fränkischer Blödsinn

Beim Wirtshauskabarett in Ibind mit den Spaßmachern "häisd'n'däisd ... vom mee" verwandelte sich der Tunnlsaal zeitweise in ein Tollhaus.
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Da sind die Künstler am Werke: Flo, Kornel und Thomas mit Violine, Querflöte und Kontrabass. Fotos: Simon Albrecht
Da sind die Künstler am Werke: Flo, Kornel und Thomas mit Violine, Querflöte und Kontrabass. Fotos: Simon Albrecht
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Das muss man sich schon mal reinziehen: Im voll besetzten Tunnlsaal des Gasthauses Faber-Rädlein singen und schunkeln am Freitag kurz vor Mitternacht und vor dem 1. Adventswochenende die Gäste aus voller Kehle, während in den Nachbarhäusern die Lichterketten und Weihnachtssterne schläfrig vor sich hinfunkeln.

Der Saal glich zeitweise einem Tollhaus - es hatten sich die Musikkabarettisten "häisd'n'däisd ... vom mee" ein Stelldichein gegeben und rissen die Leute mit ihrem fränkischen Blödsinn und ihren tiefschürfenden Liedern mit. Seit zwanzig Jahren sind sie unterwegs, frei übersetzt als "hüben und drüben vom Main", und zum zweiten Mal in Ibind, diesmal mit ihrem Programm "Des is zum Heuln".

A cappella und instrumental

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Ob im A-cappella-Stil oder mit verschiedenen Instrumenten bewaffnet ziehen sie drei Stunden lang vom Leder, was das Zeug hält. Dabei hält Stefan Ebert als Klarinettenspieler und Moderator die Zügel in der Hand, philosophiert und klaut Worten ihren Sinn, mischt sich oft unters Publikum und lässt sogar auf der Glatze eines Gastes eine Prise Schnupftabak von einem anderen Gast reinziehen. Der Burgpreppacher Bürgermeister Hermann Niediek bekam ebenfalls sein Fett ab: Als Bauarbeiter mit Helm wurde er in einem Lied mit Kunststoffrohren traktiert.

Gib her, das Instrument!

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"Des alles dad i du, wenn i der Papst wär" singen sie, und im nächsten Lied "Hans, blei doo" führt Flo vor, wie man in einem Lied vier Trompeten nacheinander einsetzt. Dafür gab's Szenenapplaus.

Überhaupt die Virtuosität: In Windeseile wechseln die sechs Musikanten die Instrumente durch - mal hat Posaunist Michel das Akkordeon in der Hand, während Akkordeonspieler Theo die Ukulele streichelt. Oder Gitarrist Kornel erweist sich als einfühlsamer Querflötenspieler und Tubist Thomas kann's auch mit dem Kontrabass. Wäschestampfer, Xylophon, Waldhörner, Violine, Cajón, Saxophon, Flügelhorn, Waschbrett ergänzen das musikalische Equipment.

Wie man von einem Wahlhelfer zu einem Walhelfer werden kann oder wie ein Wahlhelfer hilft, die richtige Partei anzukreuzen - das war Kalauer und Gaudi ohne Ende; denn "so hammer manche Wahl gewunna, des war gar ned schwer".

Hauptsache, gelacht wird, egal wie! Frage: "Wenn eine Frau mit ihrem Ex schläft - reitet sie dann auf der Vergangenheit rum?" Und ob "früh dran" immer das Beste ist? - Nein: "Männer sind lieber Spätheimkehrer als zu früh dran". Sozialkritisch und politisch sind sie durchaus auch, und fragen zum Beispiel, warum der Bundestag eine Kuppel hat? "Hat mer denn scho an Zirkus mit an Flachdach gsehn?"

Viele Stile

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Die sechs Musikanten beherrschen viele Stile. Neben Polka setzen sie ihren Liedern den Blues auf, Swing und Reggae fehlen ebenso wenig wie Galopp oder Rap.

Und ein Rap war die zweite Zugabe, das Lied vom "Baure-Mädle", ehe der aufgewühlte Saal noch die dritte Zugabe fordert. Und da wurde kräftig geschunkelt beim Lied vom Vuglbärbaam, ehe das Sextett langsam aus dem Saal auszog.

So hatte Gastwirt Uwe Rädlein bei seiner Rede am Anfang nicht zu viel versprochen, dass die sechs Urgesteine des fränkischen Blödsinns den Saal zum Kochen bringen werden. Irgendwie hatte er es geahnt ...

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