Ebern

Eberns ambitionierte Konzerttage

Die Musiktage Ebern gehen ins zweite Jahr. Wieder stehen Vertonungen von Rückert-Gedichten im Mittelpunkt. Peter Rosenberg und Barbara Gemeinhardt knüpfen musikalische Bande in Rosenbergs rumänische Heimat.
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Sopranistin Martina Schilling und Peter Rosenberg an historischer Stätte, vor dem Haus, in dem einst Friedrich Rückert wohnte. Ganz links die Mauer zu Ossarium und Stadtpfarrkirche, wo die Musiktage wieder stattfinden werden. Foto: Eckehard Kiesewetter
Sopranistin Martina Schilling und Peter Rosenberg an historischer Stätte, vor dem Haus, in dem einst Friedrich Rückert wohnte. Ganz links die Mauer zu Ossarium und Stadtpfarrkirche, wo die Musiktage wieder stattfinden werden. Foto: Eckehard Kiesewetter
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Eckehard Kiesewetter

Ebern —  Peter Rosenberg ist ein Glücksfall für die Musikfreunde in der Region - über mehr als drei Jahrzehnte hinweg als Erster Konzertmeister der Bamberger Symphoniker, beispielsweise aber auch bei erlesenen Konzerten in der Synagoge Memmelsdorf. Seit zwei Jahren treibt den inzwischen 67-Jährigen, der sich nach seinem Abschied bei den Bambergern vor allem der Förderung des Nachwuchses widmet, ein musikalisches Projekt um, das die Stadt in den Haßbergen dauerhaft als renommierten Musikfestspielort etablieren könnte: die Musiktage Ebern.
Die Premiere im vergangenen September hat die Organisatoren angespornt. Gemeinsam mit der leidenschaftlichen Musikliebhaberin Barbara Gemeinhardt als Ansprechpartnerin vor Ort und der Musikschule Ebern als offiziellem Träger hat der Meistergeiger mit rumänischen Wurzeln ein Festival aus der Taufe gehoben, das Friedrich Rückert (1788 bis 1866) in den Mittelpunkt stellt. "Den roten Faden wollen wir halten", sagt der Musiker.


Inspiration für Viele

Nur wenige Schritte vom Finanzamt entfernt, jenem Gebäude, in dem der Vater Rentamtsvorsteher war und in dem der junge Dichter ab 1809 prägende Jahre verlebte, befindet sich die Stadtpfarrkirche St. Laurentius. Dort sollen im September wieder Vertonungen von Werken des gebürtigen Schweinfurters erklingen. "Von Rückert stammen so viele wunderbar geniale Gedichte", schwärmt Rosenberg, "die zahlreiche Komponisten inspiriert haben".
Gustav Mahlers bekannte "Kindertotenlieder" haben Konzertbesucher bei den ersten Musiktagen Ebern im vergangenen Jahr ergriffen. Doch auch Franz Schubert, Robert und Clara Schumann, Richard Strauß, Carl Loewe oder Johannes Brahms haben sich von Rückert-Versen zu großer Musik anregen lassen, um nur die Wichtigsten zu nennen. "Worte, die mit der Musik zu etwas ganz Besonderem verschmelzen", schwärmt Rosenberg. Er kenne außer Rainer Maria Rilke und Friedrich Rückert keinen Dichter, bei dem Sprache derart symbiotisch in Musik fließe.


Sopranistin aus Dankenfeld

Bei den zweiten Musiktagen vom 21. bis 23. September soll erneut Mahler zu Gehör kommen, fünf Lieder nach Rückert-Texten, die der Komponist in den Jahren 1901 und 1902 geschaffen hat. Sie zeigen eine sehr persönliche, berührende Facette Rückerts. Kein Zyklus, sondern eigenständige Stücke, die für Klavier geschrieben und später instrumentiert worden sind. In Ebern sind sie in einer von Rosenberg selbst bearbeiteten Fassung für Frauenstimme und Streichquartett zu hören.
Als Solistin haben die Organisatoren Martina Schilling gewonnen, eine junge Sängerin aus Dankenfeld, die Konzert-, Opern- und Liedgesang studiert und etliche Meisterkurse absolviert hat. Nach einem mehrjährigen Engagement an der Oper Dortmund ist die lyrische Sopranistin heute freiberuflich tätig und international gefragt. Erwartungsvoll blickt sie den Musiktagen Ebern und der Zusammenarbeit mit Rosenberg entgegen, wie sie sagt: "Das wird eine spannende Geschichte!"
Habe im vergangenen Jahr das Streichquartett im Mittelpunkt gestanden, so will der vielfach preisgekrönte Musiker und gefragte Musikpädagoge Rosenberg diesmal vor allem Sextette zur Aufführung bringen, eine relativ selten gespielte Gattung der Kammermusik. Sie wird vertreten sein durch Werke von Johannes Brahms, Richard Strauß, Peter Tschaikowsky und Arnold Schönberg.
Doch nicht nur diese "relativen Raritäten" machen die Konzertreihe in Ebern so interessant. Rosenbergs große Herausforderung besteht in der Einstudierung mit dem "Rückert-Ensemble", für das er in diesem Jahr erstmals junge Musiker aus Klausenburg, der Stadt Cluj-Napoca in seiner Heimat Siebenbürgen, rekrutiert: Streicher und ein Klarinettist aus dem Orchester der dortigen National-Oper. Um mit ihnen und mit den für sie zuvor unbekannten Werken "in Klausur" zu gehen, fliegt der Musikus immer wieder nach Klausenburg. Schwierige Bedingungen, aber die Probenarbeit mit hoch motivierten Talenten aus der europäischen Peripherie bereitet dem Konzertmeister immense Freude. Mit von der Partie ist auch wieder Rosenbergs Sohn Johannes (Violine). Alle sehen der kulturellen Begegnung in den Haßbergen freudig gespannt entgegen.


Kammermusik für Ebern

Der Veranstalter denkt indessen nicht nur an die musikalische Förderung seiner jungen Landsleute. Mit der Musikschule und diversen Konzertangeboten sei die Musik in Ebern zwar recht gut vertreten, aber bei der Klassik herrsche eine gewisse Lücke. "Die Musiktage bringen die Kammermusik zu den Leuten", erklären Barbara Gemeinhardt und Peter Rosenberg unisono.
Wie das bei Premieren so ist: Die Einnahmen aus Kartenverkäufen blieben vergangenes Jahr hinter den Erwartungen zurück, doch der Zuspruch und die Rückkoppelung haben den Veranstaltern Mut gemacht. Immerhin wurden bereits zum Auftakt Interessenten aus der weiteren Region angelockt. Manche waren bei allen drei Konzerten zu Gast und viele haben das Konzept und das Ambiente gelobt. Die Mundpropaganda läuft also.
Zudem sind alle von Gemeinhardt angeheuerten Sponsoren, deren Unterstützung das Projekt erst möglich macht, bei der Stange geblieben.


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