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Umwelt

Ebern will seine Zahlen im Energiesektor deutlich optimieren

Im Rahmen des Förderprojekts "Energiecoaching Plus in Unterfranken" kommen 2019 acht unterfränkische Kommunen in den Genuss einer Förderung und intensiven Beratung zur Umsetzung der Energiewende, daru...
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Bei der ersten Veranstaltung des "Energie-Coaching" analysierte man Daten aus der Stadt Ebern und setzte sich zum Ziel, auch dem Bürger Hilfen mit an die Hand zu geben.  Repro: Günther Geiling
Bei der ersten Veranstaltung des "Energie-Coaching" analysierte man Daten aus der Stadt Ebern und setzte sich zum Ziel, auch dem Bürger Hilfen mit an die Hand zu geben. Repro: Günther Geiling

Im Rahmen des Förderprojekts "Energiecoaching Plus in Unterfranken" kommen 2019 acht unterfränkische Kommunen in den Genuss einer Förderung und intensiven Beratung zur Umsetzung der Energiewende, darunter ist auch die Stadt Ebern als einzige Gemeinde des Landkreises. In einem Arbeitskreis fand dazu die erste Sitzung statt, in der ausgelotet wurde, welche Themen man angehen will. Als vordringlich erachtete man es dabei, die Bürger mit einzubeziehen, "denn Energieeinsparung steht und fällt mit dem Bürger".

Bürgermeister Jürgen Hennemann hieß Mitglieder des "Arbeitskreises Energie der lokalen Agenda 21", aber auch aus dem Bauhof, dem Stadtrat und der Verwaltung, Kaminkehrer, Energieberater sowie Vertreter des Gewerbes und des Handwerks willkommen.

Mit der Durchführung des Energiecoachings beauftragte die Regierung von Unterfranken die Energieagentur Unterfranken. Diplom-Ingenieur Karlheinz Paulus wird als zertifizierter Energieberater das Coaching begleiten. Er ging auf den Klimawandel und seine Folgen ein. Den Wohlstand habe man von Anfang auf die fossilen Brennstoffe aufgebaut und 20 Prozent der Erdbevölkerung verbrauchten 80 Prozent der Ressourcen.

Noch nie seien Temperaturwechsel und Erwärmung in einem so kurzen Zeitraum erfolgt. Eigentlich wäre bei uns genug Energie vorhanden, wenn wir sie nur richtig nutzen würden, betonte Paulus.

Der Energieverbrauch verteile sich zu jeweils 28 Prozent auf die Haushalte, die Industrie und den Verkehr sowie zu 16 Prozent auf das Gewerbe. Der Verkehr steige an und zum Glück habe man die Industrie etwas entkoppelt. "Wir haben gutes Wirtschaftswachstum gehabt, aber der Energieverbrauch ist hier gleichgeblieben."

Anders verhalte es sich mit den Privathaushalten, "wo zum Beispiel die Quadratmeter der Fernseher gewachsen sind. Durch die vielen technischen Geräte sinkt der Stromverbrauch erst dann, wenn die Kinder ausziehen."

Energieberater Paulus spannte den Bogen zur Stadt Ebern und dem Nahverkehr, der durch sinkende Schülerzahlen beeinflusst werde. "Der Nahverkehr kommt an seine Grenzen und seine Finanzierbarkeit. Der Verkehr auf dem Land ist ohne Zweifel ein schwieriges Thema."

Er wies darauf hin, dass Ebern im Rahmen des Projekts zehn Beratungstage zur Verfügung stünden. Dabei soll die Gemeinde motiviert werden, weitere Schritte bei der Umsetzung der Energiewende vor Ort anzugehen. Es gehe um einen Kurzcheck von Energieeffizienz und Energiesparmaßnahmen, um den Vergleich von Potenzialen und den Einsatz erneuerbarer Energien, das Aufzeigen von Möglichkeiten und Vorschlägen für die nächsten Schritte.

Als wichtigstes Thema kristallisierten sich dann unter den Teilnehmern die Einbeziehung der Bürger und die Öffentlichkeitsarbeit heraus. Dabei wurde auch ein Solarcheck für private Gebäude ins Gespräch gebracht, "denn in jedem Gebäude gibt es ganz bestimmt Verbesserungsmaßnahmen".

Ein weiteres Ziel war das Energiemanagement für kommunale Gebäude. Dabei dachte man an die Schulen, wo man auch die Schüler einbeziehen müsse. Das gelte für das Abdrehen der Heizung und anderes mehr. In manchen Schulen habe man dazu "Energiedetektive" eingesetzt.

Verbrauch analysiert

Ganz konkret analysierte man anhand eines Daten-Stammblattes für die Stadt Ebern ihren Stromverbrauch, Wärmebedarf und den Einsatz von erneuerbaren Energien. Bürgermeister Jürgen Hennemann erklärte, dass in Ebern derzeit 90 Hektar (einschließlich der beantragten Maßnahme in Fischbach) mit Photovoltaik bebaut sind. Nach einer Vorgabe dürften nur vier Prozent der landwirtschaftlichen Fläche überbaut sein und demnach seien noch zehn Hektar frei für Photovoltaikanlagen, die aber demnächst in Heubach entstehen sollen. Dann habe man alle Flächen eingebracht und das schaffe Klarheit für die Zukunft. Auch das Thema "Aufdach-Anlagen" kam zur Sprache, zumal es hier auch Vorbehalte gebe. In der ehemaligen Kaserne sei jedoch schon nahezu auf jedem Dach eine solche Anlage.

Bei der Suche nach Einsparpotenzialen stieß man auf die Kläranlage und die Straßenbeleuchtung. Den mit Abstand größten Energieverbrauch weisen hier die Kläranlage Ebern mit 418 783 kWh und die Abwasserpumpwerke mit 499 520 kWh auf. Auch bei der Straßenbeleuchtung kämen 494 615 kWh zusammen. Bürgermeister Hennemann sprach hier von "zwei großen Baustellen. Bei der Kläranlage sind wir mit einer Studie schon dran, weil das eine Dauersache ist".

Ähnliches gelte für die Straßenbeleuchtung, bei der man im Rahmen der Revision den Lampenaustausch vollziehe und unter dem Stichwort "Halbnachtschaltung" eine Leuchtstelle von 22 bis 6 Uhr ausschalte. Auch der Übergang auf LED laufe. Sogar eine Komplettabschaltung der Straßenbeleuchtung wurde angesprochen und mögliche Problemen dadurch bei der Verkehrssicherungspflicht.

Stadtrat und Umweltreferent Thomas Limpert fragte nach einem Programm, mit dem der Bürger seine eigenen Dachflächen überprüfen und dabei abchecken könnte, ob sich eine Investition für ihn lohne. Energieberater Paulus sah hier eine Möglichkeit, das über den Landkreis oder auch über die Baunach-Allianz umzusetzen.

Ferner wurden private Heizungen angesprochen, wobei der Kaminkehrermeister das "Energieeffizienz-Label" ins Gespräch brachte.

Ein nächstes Treffen soll Februar/März stattfinden, bei dem man konkretere Punkte angehen und dabei auch die Bürger stärker einbeziehen will. gg

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