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Bamberg

Duschen im Dienst der Forschung

Die Joseph-Stiftung unterstützt die Universität Bamberg bei der deutschlandweit größten Energieeffizienzstudie zum Thema Duschen. Der Doktorand Sebastian Günther gehört zum Forschungsteam.
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Sebastian Günther zeigt das am Duschkopf montierte Messgerät "Amphiro". Foto: Thomas Heuchling
Sebastian Günther zeigt das am Duschkopf montierte Messgerät "Amphiro". Foto: Thomas Heuchling
Sebastian Günther hat in den vergangenen Wochen im Namen der Wissenschaft an Hunderte Türen geklopft. Der 26-jährige Doktorand der Uni Bamberg ist Teil eines fünfköpfigen Forschungsteams unter Leitung von Prof. Thorsten Staake, welches herausfinden will, ob Menschen bereit sind, Energie und Wasser zu sparen, auch wenn sie davon monetär nicht direkt profitieren. Als Versuchslabor dienen den Forschern die beiden Bamberger Studentenwohnheime der Joseph-Stiftung "St. Anno" mit 134 Wohnheimplätzen, "Obere Mühlen" mit 108 Zimmern sowie das Wohnheim des Studentenwerks Würzburg in der Pestalozzistraße.
Die Joseph-Stiftung unterstützt die Universität bei der nach eigenen Angaben deutschlandweit größten Energieeffizienzstudie zum Thema Duschen. Rund 400 Studenten nehmen an der mehrmonatigen Studie teil. Dabei wird ein kleines Messgerät zwischen Brause und Duschschlauch montiert. Ein Ziel ist es herauszufinden, ob Menschen bereit sind, Energie und Wasser zu sparen, auch wenn sie davon - wie etwa Studenten, die einen Pauschalbetrag für diese Kosten zahlen - monetär nicht direkt profitieren.
"Eine Minute Duschen verbraucht so viel Energie wie die komplette Beleuchtung eines durchschnittlichen Haushalts pro Tag. Hinzu kommt noch der Wasserverbrauch. Im Durchschnitt werden bei einem Duschvorgang hierzulande 2,3 Kilowattstunden Energie und 44 Liter Wasser verbraucht", sagt Günther.
"Das Thema Nachhaltigkeit und damit auch der schonende Umgang mit Ressourcen ist ein wichtiger Bestandteil unserer Unternehmensstrategie. Zudem ist die Joseph-Stiftung daran interessiert, herauszufinden wie man Menschen bei einem ökologischen Verhalten unterstützen kann. Und wir unterstützen Forschung und Innovation, daher sind wir gerne bereit, der Uni Praxisanwendungen zu ermöglichen. Wir sind gespannt auf die Forschungsergebnisse", sagt Michaela Meyer, Bereichsleiterin Bestandsentwicklung bei der Joseph-Stiftung.
Ein wichtiger Aspekt der Studie sei auch der zunehmende Trend zum Messen verschiedener Aktivitäten im Alltag, dem sogenannten Tracken. Viele Menschen haben einen Fitness-Tracker oder eine Smartwatch, die verschiedene persönliche Daten erfasse. Also sei die Bereitschaft schon da, sich und auch sein Handeln zu verbessern, so Günther. "Diesen Ansatz wollen wir mit unserem Messgerät, dem ,Amphiro' auf das Duschen übertragen." Das unscheinbare und sehr leichte Gerät, in etwa so groß wie ein Brillenetui, wird zwischen Brause und Duschschlauch montiert.


Im Dienste der Wissenschaft

Bevor jemand aus dem Forschungsteam "Klinken putzen" geht, wurden die Studenten per Brief über die Studie informiert. Wer nicht mitmachen will, der konnte dies bereits per E-Mail mitteilen. "Eine Teilnahme ist freiwillig und die Daten werden ausschließlich für das Forschungsprojekt verwendet", sichert Sebastian Günther zu. Wer potenziell bereit ist, sieht Günther in einer App auf seinem Smartphone. Sie ist ein wichtiges Instrument für die Wissenschaftler, denn dort laufen alle Daten zusammen.
"Der komplette Vorgang mit Einbau dauert nur wenige Minuten", sagt Günther und klopft an die erste Tür im Wohnheim "Obere Mühlen". Niemand öffnet. Das sei er gewohnt, sagt der Doktorand. Nach einigen Fehlversuchen trifft Günther zwei Studentinnen in der Teeküche. Beide sind nach einer kurzen Erklärung bereit, das Gerät installieren zu lassen. Sie müssen zusätzlich noch einen Fragebogen ausfüllen und schon sind sie Teil des Forschungsprojektes.
"Ich bin selbst Studentin und komme vielleicht auch einmal in die Situation, dass ich auf die Bereitschaft anderer angewiesen bin, um ein Forschungsprojekt durchzuführen. Deshalb habe ich Verständnis für das Anliegen meiner Kommilitonen und mache mit", erklärt Studentin Marie Pieper ihre Bereitschaft zur Teilnahme. Damit ist sie nicht allein: "Zwei Drittel der Studenten machen mit. Wir sind über die gute Resonanz selbst überrascht", ergänzt Günther.


370 Teilnehmer anvisiert

Er nimmt eine Rohrzange und ein "Amphiro" aus seinem Rucksack und beginnt mit dem Einbau. "Meistens lassen sich die Verbindungen per Hand abdrehen", sagt er. Nachdem das Gerät eingebaut ist, macht er die Dusche kurz an. Wie gewohnt kommt Wasser aus der Brause und die Messeinheit zeigt die Wassertemperatur an. ",Amphiro' benötigt keine Batterien. Das durchfließende Wasser aktiviert einen kleinen Generator, der die Energie bereitstellt", erklärt der Wirtschaftsinformatiker. Entwickelt hat das Gerät Studienleiter Staake noch an der ETH Zürich.
Auch der zweite Einbau ist erfolgreich. "Unser Ziel sind rund 370 Teilnehmer, die dann bis Ende September an der Studie teilnehmen", sagt Günther und ergänzt: "Wir haben bereits über 350 Geräte installiert." Wie bei jeder Studie, kann und will Sebastian Günther zum jetzigen Zeitpunkt über den Versuchsaufbau und den Ablauf der Studie nicht zu viel verraten, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. "Es werden unter anderem die Durchflussmenge und die Temperatur gemessen und daraus der Energieverbrauch für Warmwasser errechnet", erklärt er. Außerdem würden psychologische Aspekte eine Rolle spielen, so der Wissenschaftler.
Die Ergebnisse der aktuellen Studie fließen unter anderem in zwei Doktorarbeiten, darunter auch die von Sebastian Günther, ein. Und am Ende heißt es wieder Klopfen für die Wissenschaft, denn schließlich müssen alle Geräte wieder ausgebaut werden. heu

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