Herzogenaurach

Duo überzeugt mit Lustspiel

Die erste Aufführung einer Kammeroper im Theater "Tausendkunst" war ein Erfolg.
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Cornelia Schmid und Christian Kaltenhäußer zeigten ihr komödiantisches Talent. Foto: Manfred Welker
Cornelia Schmid und Christian Kaltenhäußer zeigten ihr komödiantisches Talent. Foto: Manfred Welker

Einen weiteren Schritt haben Cornelia Schmid und Christian Kalten-häußer mit ihrem Theater "Tausendkunst" in Herzogenaurach gewagt. Mit der Kammeroper "Pimpinone oder die ungleiche Heirat" von Georg Philipp Telemann begeisterten sie zahlreiche Zuhörer.

Das Libretto für das Lustspiel "Pimpinone oder die ungleiche Heirat" in drei Akten schrieb Johann Philipp Praetorius. Das Thema - ein alter reicher Mann heiratete eine junge Frau und wird von ihr übertölpelt - hatte schon der Komponist Giovanni Battista Pergolesi in "La serva padrona" aufgegriffen oder nach Telemann Gaetano Donizetti in "Don Pasquale".

Die Besetzung der zwei Gesangsprotagonisten für Sopran und Bass bzw. Bariton durch Georg Philipp Telemann kam den beiden Akteuren von "Tausendkunst", Cornelia Schmid und Christian Kaltenhäußer, bei der Auswahl des Stücks für ihre kleine Bühne natürlich sehr entgegen. Der Aufführung waren lange Proben vorausgegangen.

Die hübsche und gewitzte Vespetta stammt aus ärmlichen Verhältnissen und verdingt sich als Kammermädchen. Durch die Heirat mit dem ältlichen, wohlhabenden Bürger Pimpinone hat sie die Aussicht, sich gesellschaftlich zu verbessern. Zu diesem Zweck betört sie Pimpinone, der sie zuvor auf die Probe stellt, bevor er sich mit ihr vermählt. Denn sie soll sich natürlich weiterhin um den Haushalt zu kümmern. Die Brautausstattung beträgt 10 000 Taler.

Nach der Heirat zeigt die frisch angetraute Braut ihr wahres Gesicht, sie lässt den Haushalt schleifen, ist launisch und geht gerne aus. Als Begründung dient ihr, dass mit der Heirat das vorherige Dienstverhältnis beendet ist und sie nun alle Freiheiten genießen darf. Pimpinone kann sich nicht gegen sie durchsetzen, da Vespetta ansonsten droht, sich ihre Mitgift auszahlen zu lassen.

Georg Philipp Telemann (1681-1767), der sich übrigens auch als leidenschaftlicher Gärtner und Blumenliebhaber betätigte, schrieb sein "Intermezzo comico musicale", das ein großer Erfolg wurde, im Jahr 1725.

Gastrolle für Marla Saris

Telemann gilt als Vielschreiber, der in seinen langen Lebensjahren mehr als 3600 Werke hinterließ. Er hatte Jura studiert und machte sich bereits frühzeitig Gedanken über das Recht der Urheberschaft auf seine Werke. Telemann war auch ein geschäftstüchtiger Künstler und wollte sich daher nicht in kirchliche Dienste begeben. Stattdessen bevorzugte er die Freien Reichsstädte, zuletzt wirkte er als Musikdirektor in Hamburg. Andererseits bewarb er sich auch auf die Stelle des Leipziger Thomaskantors, aber vermutlich nur, um eine höhere Bezahlung an seinem Hamburger Wirkungsort zu erreichen. Da die Leipziger den begehrten Telemann nicht bekommen konnten, beriefen sie stattdessen quasi als "Notlösung" Johann Sebastian Bach auf den Posten des Thomaskantors.

In der Neuinszenierung dieser Kammeroper von Regisseur Thomas Herr kommt der Komponist Telemann, gespielt von Marla Saris, selbst zu Wort, er hat sich im Zwiegespräch mit seinen Pflanzen im Garten ein eigenes kleines Universum geschaffen. Damit die Komik noch besser zum Tragen kommt, wurden die Arien aus dem Italienischen ins Deutsche übersetzt.

Mit großer Intensität und einfallsreichen Mitteln zaubert das Ensemble sowohl Telemanns Gewächshaus als auch seine unendliche Erfindungsgabe, Gewitztheit und musikalische Genialität auf die Bühne. Unterstützt wurden Cornelia Schmid und Christian Kaltenhäußer als Gesangssolisten von Herbert Dotzauer am Cembalo und Hubert Kreppel am Cello.

Den Zuhörern hat die Inszenierung der facettenreichen Oper auf der kleinen Bühne in Herzogenauracher sehr gefallen, wie der Applaus bewies. Vor allem das komödiantische Talent von Schmid und Kaltenhäußer sorgte zusätzlich zu ihrem gesanglichen Können für einen vergnüglichen Abend.

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