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Forchheim
Betrugsmasche 

Dubioses Fax: Über Nacht zum Millionär

Über Nacht zum Millionär durch einen unbekannten Erben? Mit dieser Hoffnung auf das große Geld versenden derzeit angebliche Bankdirektoren Mails und Faxe. Auch die FT-Redaktion hat eines dieser Schreiben erhalten.
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Petra malbrich

Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, von einem unbekannten millionenschweren Verwandten als einziger Erbe bedacht zu sein? Der Stoff, aus dem Romane sind, wurde nun auch für Lockschreiben an unbedarfte Bürger per Fax oder Mail versandt.
Maria Alicia Vivanco heißt die Generaldirektorin der Kutxabank in Bilbao, Spanien, die für Investitionen und Projektfinanzierung im Ausland tätig ist. Bei der letzten Rechnungsprüfung stieß sie auf die gewaltige Summe von 16 Millionen Dollar und einige Hunderttausend mehr. Geld, das - so ihre Nachforschungen - natürlich einem ausländischen Kunden gehört, der zufällig aus dem selben Land kommt, wie der jeweilige Empfänger dieses dubiosen Schreibens. Der Fond ist natürlich überfällig. Doch da der prominente Kunde mit seiner gesamten Familie 2013 bei einem Autounfall ums Leben kam, wurde nach einem Angehörigen geforscht, damit die zur Auszahlung anstehenden Millionen nicht an den Staat fallen.


Wie aus dem Google Übersetzer

"Wir wollen die Fonds der spanischen Regierung nicht verwirken, deshalb kontaktiere ich sie als ein Letzt Ausweg, um mir Gegenwart sie als das ehrliche nächstes der Verwandtschaft dem Verstorbenen zu ermöglichen", heißt es in dem Schreiben, das wie aus dem Google Übersetzer klingt oder durchaus absichtlich so verfasst wurde, wie Polizeichef Jürgen Knauer erklärt. Dann wird dem ausländischen "Erben" ein Geschäft vorgeschlagen: 40 Prozent des Geldes für ihn, 60 Prozent für die Generaldirektorin und ihre Familie. Für das Rechtliche bürgt sie, ein Risiko gebe es nicht, wenn der "Erbe" Stillschweigen besser gesagt "absolute Vertraulichkeit übt und mit keinem Dritten darüber redet, damit der Prozess nicht gefährdet wird.
Um in den Genuss dieses unerwarteten Reichtums zu kommen, muss der "Erbe" nichts anderes tun, als die Kontaktperson anzurufen und auf ein Annahmeschreiben zu warten. "Wie das Prozedere weiter geht, ist von Fall zu Fall verschieden", sagt ein Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken. Nicht nur die ausländische Adresse müsse stark zu denken geben. "40 Prozent von 16 Millionen, das sind Indikatoren, die jedem normaldenkenden Menschen sagen, es ist nichts Seriöses", sagt der Pressesprecher. Schreiben wie die geschilderten, kennt die Polizei in allen Variationen. "Hier wird mit der Gier der Leute gespielt", sagt Jürgen Knauer, Polizeidienststellenleiter in Forchheim. Und mit deren Hoffnung, doch einmal zu den Gewinnern zu gehören.


Schwierige Erklärungsversuche

Fälle wie diese oder ein versprochenes Auto, das irgendwo im Zoll hängt, kommen immer wieder vor. Trotz aller Warnungen und Aufklärungen in sämtlichen Medien über diese Betrugsmaschen kommt es aber auch immer wieder vor, dass die Leute zahlen und somit geschädigt werden. Die Polizei tut sich manchmal schwer, selbst Menschen, die aufgrund solcher Gewinn- oder Geldversprechen mehrmals Geld überwiesen haben, zu erklären, dass definitiv kein Gewinn und keine Erbschaft kommen werden.
Die Ermittlungen in solchen Fällen jedenfalls sind nicht so einfach. Zunächst ist das reine Versenden solcher Schreiben nicht strafrechtlich. Dann geht der Kontakt ins Ausland. "Die Ermittlungen machen nicht an der Grenze halt", sagt der Pressesprecher der Polizei Oberfranken. Doch dann müssen die deutschen Ermittler die ausländischen Behörden und natürlich die Justiz einschalten.
Eine Aufklärungsquote kann nicht genannt werden, eine Statistik darüber wird nicht geführt. Schon alleine wegen der unterschiedlichen Vorgehensweisen der Betrüger. Ob der Ort im Ausland der letzte Punkt ist, bleibt offen.
Dann ist da noch die Dunkelziffer, denn etliche Menschen, die solchen Versprechen auf den Leim gegangen sind, melden sich aus Scham nicht. Dass bei dem Stoff für Kriminalromane das Leben der Menschen in Gefahr ist, verneinen die Polizeibeamten. Jürgen Knauer weiß, dass sich noch angebliche Anwälte oder Staatsanwälte melden können, aber physischer Kontakt zu den Geschädigten wurde bislang nicht aufgenommen. "Im Vordergrund steht die finanzielle Bereicherung", sagt der Sprecher der Polizei Oberfranken.
Beide Beamte raten jedoch eindringlich, solche Schreiben sofort in den Papierkorb zu werfen.

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