Herzogenaurach

Drohungen des Storchenvaters

Schwere Vorwürfe des Erlanger Storchenvaters Michael Zimmermann gegenüber der evangelischen Kirche Herzogenaurach. Diese handele so satanisch, dass er der Pfarrerin Nägel vor deren Haustüre wünscht.
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Auf dem Turm der evangelischen Kirche in Herzogenaurach ist ein Storchenpaar. Doch mit dem Nachwuchs scheint es an dieser Stelle nicht zu klappen. Foto: Heinz Czellnik
Auf dem Turm der evangelischen Kirche in Herzogenaurach ist ein Storchenpaar. Doch mit dem Nachwuchs scheint es an dieser Stelle nicht zu klappen. Foto: Heinz Czellnik
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Michael Busch Mit Bibelworten startet der sogenannte Erlanger Storchenvater Michael Zimmermann seine Ausführungen: "Der Schöpfer will die sündige Welt vernichten! Nur Noah fand Gnade bei dem Herrn, denn er war ein frommer Mann!" Noah habe den Auftrag bekommen, die Tiere dieser Welt paarweise zu retten.

Dann aber wird er sehr weltlich in seinem Schreiben an die Redaktion: "Die Pfarrerin führt einen jahrelangen Krieg gegen die zwei Gottesboten, zuletzt mit satanischen Mitteln: Der Turm bekam eine Dornenkrone aus spitzen Metallnägeln, dass die Gottesboten nicht mehr landen können." Zimmermann meint, dass die Vertreter der evangelischen Kirche Verletzung und Tod der Tiere "offenbar billigend in Kauf" nehmen.

Tauben vergrämen

Ein erster Blick auf den Kirchturm zeigt allerdings ein etwas anderes und weniger dramatisches Bild. Zwei Störche sind beim Nestbau und haben es sich inmitten der scheinbar gekappten Kirchturmspitze bequem gemacht. Tatsache: An den Rändern gibt es tatsächlich einen "Vergrämungsstreifen". Der ist allerdings für die Tauben und Raben gedacht. Denn die Tauben hinterlassen mit ihrem Kot im Laufe der Zeit deutliche Schäden an der Bausubstanz. Die Raben soll es vertreiben, da diese die Störche angehen und für Unruhe sorgen. Die Störche selber stören sich an dem Besatz nicht, heißt es von weiteren Storchexperten.

"Das Problem liegt ganz woanders", weiß die Pfarrerin Karola Schürrle zu berichten. Seit drei Jahren befindet sich ein Storchenpaar auf dem Dach und lässt sich durch die an den Kanten ausgelegten Verbrämungsstreifen nicht irritieren. "Aber der Nistplatz ist nicht optimal", sagt die Pfarrerin. "Denn in dieser Zeit kam es nie zu einem Gelege und daraus folgenden der Aufzucht von Jungstörchen." Es könnte an der auf dem Dach liegenden Technik liegen, es könnte am beleuchteten Kreuz liegen, es könnte an der Ausgestaltung des steilen Daches liegen.

Zufrieden sei man auch aus Sicht der Kirche mit dem Zustand für die Störche nicht und so habe sich Vertreter der Pfarrei mit Vertretern des Landratsamtes besprochen, um eine Lösung zu finden. "Es gibt zwei Möglichkeiten, die wir diskutieren", sagt Schürrle. "Wir bauen einen entsprechenden Horst, um den Störchen die Möglichkeit eines vernünftigen Nestbaus zu geben." Haken bei dieser Möglichkeit: Dafür muss der Architekt zustimmen, da der Charakter des Kirchturmes doch maßgeblich verändert werde und dieser das Urheberrecht an dieser Kirche besitzt.

Im Sinne der Störche

Die zweite Möglichkeit müsse aber auch in Betracht gezogen werden: "Tatsächlich eine Verbrämung für Störche auszulegen." Denn drei Jahre in Folge hätten gezeigt, dass der Storch zwar kommt, allerdings "umsonst" baut und letztlich gefrustet den Kirchturm wieder verlassen muss.

Schürrle sagt, dass es entsprechende Gespräche mit dem Landratsamt, den zuständigen Ämtern, aber auch dem Vogelschutzbund gegeben habe. "Ich treffe diese Entscheidung auch nicht alleine, diese wird durch den Kirchenvorstand erfolgen." Es werde sehr genau diskutiert, denn bei der Lösung des "Horstbaues" müsse berücksichtigt werden, dass der Zugang zur Technik weiter gewährleistet ist. Weiterhin müsse das Dach sauber gehalten werden, um auftretende Zerstörung durch Unrat oder Kot nicht zuzulassen. "Jetzt sind aber Störche da", betont Schürrle, "und die werden wir nicht stören."

Für den Storchenvater Michael Zimmermann reichen diese Ausführungen wohl nicht. In seinem Schreiben führt er weiter aus: " Ob sich der Schöpfer das bieten lässt? Ich glaube nicht, er wird sie bestrafen! Vielleicht findet sie ihren Wohnungseingang auch mit Nägeln vergrämt vor!?" Irgendwie gar nicht biblisch.

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