Stadtsteinach

Drogendealer erzielt Teilerfolg - aber die hohe Freiheitsstrafe bleibt

von unserem Mitarbeiter  Stephan Herbert Fuchs Bayreuth/Kulmbach — Die Revision beim Bundesgerichtshof hatte Erfolg, wenn auch nur zu einem kleinen Teil. In der umfangreichen Proze...
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von unserem Mitarbeiter 
Stephan Herbert Fuchs

Bayreuth/Kulmbach — Die Revision beim Bundesgerichtshof hatte Erfolg, wenn auch nur zu einem kleinen Teil.
In der umfangreichen Prozessserie um den "Kulmbacher Haschischring" hatte das Bayreuther Landgericht Anfang des Jahres einen 34-jährigen Arbeiter aus dem ehemaligen Landkreis Stadtsteinach wegen Drogenhandels in zahlreichen Einzelfällen zu sechs Jahren und zwei Monaten Gefängnis sowie zur Unterbringung in einer Entzugsanstalt verurteilt. Das Gericht ordnete damals den Verfall von 80 000 Euro an.
Nun reduzierte die 2. Strafkammer des Bayreuther Landgerichts diesen Betrag in einer Revisionsverhandlung auf 10000 Euro.
Grund dafür: Wenn der Mann nach Verbüßung zumindest eines Teils seiner Freiheitsstrafe und nach geschätzt zwei Jahren Entzugsklinik wieder auf freiem Fuß kommt, würde er mit 80 000 Euro Schulden starten.

Jede Perspektive genommen

"Damit wäre dem Angeklagten jede Zukunftsperspektive genommen", sagte Vorsitzender Richter Werner Kahler. Schließlich sollte bei jeder Strafe auch der Resozialisierungsgedanke eine Rolle spielen.
Das Geld entspricht der Summe, die der Angeklagte mit seinem schwunghaften Drogenhandel im Raum Kulmbach erzielt hat. Wirklich vorhanden ist davon ohnehin nichts mehr. Einen großen Teil davon will der Mann erst gar nicht bekommen haben, mit einem weiteren Teil habe er seine eigene Sucht finanziert, den Rest hane er angeblich "verlebt". Ursprünglich standen sogar 172 000 Euro Umsatz aus Drogengeschäften im Raum.
Der Mann gehörte dem "Kulmbacher Haschischring" an, einem losen Netzwerk, das über viele Jahre hinweg völlig unbehelligt mit sehr großen Mengen an Haschisch gehandelt hatte. Beim Angeklagten ging das Gericht von rund 20 Kilogramm aus, die der Mann verteilt auf vier Jahre von einem Großdealer aus dem Landkreis Bayreuth erworben und an eine ganze Reihe Abnehmer rund um Kulmbach weiterverkauft hatte.
Die Verfallsbeträge waren schon Anfang des Jahres im Urteilsspruch der 1. großen Strafkammer des Bayreuther Landgerichts ein wichtiges Thema.

Spitze des Eisbergs

Verteidiger Christian Barthelmes aus Bamberg hatte schon in seinem damaligen Plädoyer einen Verzicht auf den Verfall des erzielten Umsatzes gefordert. Richter Michael Eckstein hielt in erster Instanz noch dagegen, dass es sich ja auch herumsprechen soll, dass Rauschgifthandel höchst gefährlich ist. Die Verurteilten müssten sich eben nach ihrer Freilassung bemühen, die jeweiligen Summen an den Staat zu zahlen. Nun hat der Verteidiger mit seiner Revision zumindest in diesem Punkt tatsächlich noch einen späten Erfolg erzielt.
Glück hatte der Mann ohnehin, denn vom ursprünglichen Vorwurf von 29 Kilogramm Haschisch waren schon in der ersten Verhandlung nur noch knapp 20 Kilogramm übrig geblieben. Grund dafür ist, dass sich das Gericht damals auf die 15 Fälle konzentrierte, die mit absoluter Sicherheit fest standen. Gleichwohl gingen sämtliche Prozessbeteiligte davon aus, dass es sich lediglich um die Spitze des Eisbergs handelte.
Beliefert worden war der Angeklagte 2006/2007 von einen Mann aus Bindlach und einem Brüderpaar aus dem Landkreis Kulmbach, das er in der Diskothek in Himmelkron kennengelernt hatte.
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