Lichtenfels

Donnerwetter drinnen wie draußen

Der Lebensgefährtin ins Gesicht getreten: 49-Jähriger bekommt vier Monate Haft auf Bewährung.
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Verprügelt hat ein 49-Jähriger seine Lebensgefährtin und bekam dafür seine Quittung vor Gericht. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Verprügelt hat ein 49-Jähriger seine Lebensgefährtin und bekam dafür seine Quittung vor Gericht. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Als es am Dienstag in dem Verfahren um gefährliche Körperverletzung in Richtung Plädoyers ging, zog ein Unwetter auf. Das galt für den gesamten Landkreis. Der Urteilsspruch, den Richter Stefan Jäger fällte, schien im übertragenen Sinne auch ein Donnerwetter zu sein. Just in dem Moment, als im Amtsgericht das Strafmaß ausgesprochen wurde, sollte es draußen donnern und blitzen.
Vier Monate Haft auf Bewährung erwartete einen 49-jährigen Mann aus dem östlichen Landkreis. Die Vorwürfe gegen den bis dato unbescholtenen Maschinisten wogen schwer. Mit beschuhtem Fuß soll er seiner damaligen Lebensgefährtin am 8. September 2017 am späten Abend ins Gesicht getreten haben. Begleitet von massiven. Drohungen, die er auch gegen das Kind der Frau aussprach. Gegen 22.30 Uhr soll sich etwas hochgeschaukelt haben, das auch in dem Satz "Ich bring deinen Bastard um" gegipfelt habe.
Zwei Faustschläge gegen den Kopf mitsamt der Drohung, den Schädel eingeschlagen zu bekommen, so der für die Staatsanwaltschaft sprechende Rechtsreferendar René Waldmann, habe die von der Arbeit heimkehrende Frau erhalten, bevor sie zu Boden sank und noch mit dem beschuhten Fuß ihres Freundes traktiert wurde.


Am Handy "live" dabei

Was ihn so aufgebracht habe, hätte darin gegründet, dass die Frau einen Dritten am Handy die Szene mithören ließ und der Angeklagte dies realisierte. Eben das bestritt der Mann. "Ich werde mich dazu äußern, weil es so nicht abgelaufen ist", erklärte der Endvierziger. Dann führte er aus: "Ich habe ihr gesagt, sie möge ausziehen [...] ich habe nicht mit Füßen auf sie eingetreten." Aber: "Ich habe sie mit dem Fuß von mir runtergekickt." Als Grund für diese Handlung nannte der Mann, dass er zuvor zweimal von der Frau geschlagen worden sei. Ein Großteil der durch das Gericht vorgenommenen Befragung wandte sich der Frage zu, wie alkoholisiert der Mann und sein Opfer gewesen sein mochten.
Die Frau, so der Angeschuldigte, habe schon vor Antritt ihrer Schicht "fünf Stück gehabt". Mit Stück meinte er Biere und er äußerte, dass die Frau auch noch durch den Genuss von Wein reichlich angetrunken gewesen sei. Das erzählte allerdings auch die Frau von ihm und bei ihm war es nachweislich. Mit 1,7 Promille schlug das während der Vernehmung bei der Polizei zu Buche.
Dass es überhaupt zu dem Streit kam, schilderte die Frau als ihr unbegreiflich, denn wenige Augenblicke vorher habe man noch gekniffelt und plötzlich sei die Stimmung gekippt. "Dann haben, aus welchem Grund auch immer, die Sticheleien bei ihm angefangen." Weil der Mann dabei "richtig garstig" geworden sei, habe sie das Telefon mitlaufen lassen.


Alkoholisiert waren beide

Derjenige, der die Szene telefonisch verfolgte, wurde auch in den Zeugenstand gebeten. Der 50-Jährige bestätigte weitgehend die von der Staatsanwaltschaft vorgebrachte Anklage. "Er hat gesagt: Ich bring dich um und deinen Bastard auch." Und als er sich auf Bitte der Frau hin ins Auto setzte und an den Ort des Geschehens fuhr, habe er auch gefragt, ob es wirklich zu einem Tritt gekommen sei. "Er hat bejaht", so der 50-Jährige. Danach gefragt, ob und wie alkoholisiert beide Parteien waren, erklärte er: "Durchaus. Als ich kam, habe ich den Angeklagten betrunken angetroffen. Er war zornig, er war aufbrausend und er hat geschwankt. Die Frau war nicht voll besoffen."
Dass der Frau zugesetzt worden ist, mochten auch die damaligen Verletzungen erklären. Schwellungen, blaue Flecken und eine Einblutung im Auge waren nachweislich. 15 Monate Haft auf Bewährung forderte die Staatsanwaltschaft, inklusive Geldauflage in Höhe von 5600 Euro. Vier Monate Haft erhielt der Mann, inklusive 2000 Euro Geldstrafe und zweijähriger Bewährungszeit.
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