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Strullendorf

Doch bald Wohnen im Wald?

Der Gemeinderat Strullendorf prüft Vorschläge für die Zukunft der ehemaligen Walderholungsstätte.
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Die Strullendorfer Walderholungsstätte als Luftbild. Die Aufnahme ist wohl in den 1970er Jahren entstanden. Foto: Gemeinde Strullendorf
Die Strullendorfer Walderholungsstätte als Luftbild. Die Aufnahme ist wohl in den 1970er Jahren entstanden. Foto: Gemeinde Strullendorf

Das Thema "Ehemalige Walderholungsstätte" hat den Strullendorfer Gemeinderat schon häufiger beschäftigt. 1930 wurde die durch die Stadt Bamberg 1920 in Strullendorf gegründete Walderholungsstätte gebaut. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wandelte man es zum NSV-Heim und später zum Wehrmachtslazarett um. Nach dem Krieg kamen wieder Kinder zur Erholung beziehungsweise Waisenkinder nach Strullendorf in die Einrichtung, die von Klosterschwestern geführt wurde. Anschließend nutzte die amerikanische Schule das Gebäude, welches dann nach längerem Leerstand abgerissen wurde.

Keine "Trabantensiedlung"

Das Grundstück befindet sich im Besitz der Gemeinde Strullendorf. Es gab Überlegungen, den Neubau der Strullendorfer Schule dort zu bauen, aber das lehnten die Bürger ab. Forderungen nach Bauplätzen für junge Familien konnten unter anderem deshalb nicht realisiert werden, da die Genehmigungsbehörden keine "Trabantensiedlung" zulassen wollten. Im Augenblick wird das 2,7 Hektar große Gebiet teilweise als Lagerplatz genutzt. Die Natur hat schon begonnen, sich ihren Platz zurückzuerobern.

Die Nachfrage nach bezahlbaren Bauplätzen ist, trotz der zahlreichen Baulücken, in Strullendorf nach wie vor ungebrochen. Daher hatte der Strullendorfer Gemeinderat beschlossen, sich an die Aufstellung eines Bebauungsplanes an dieser Stelle zu machen.

Ein erster Schritt war ein Workshop unter Leitung von Leonhard Valier vom Büro für Städtebau und Bauleitplanung Wittmann, Valier und Partner GbR. Für den Strullendorfer Gemeinderat war dies eine neue Erfahrung, denn sonst ist eher üblich, dass man fertige Pläne vorgelegt bekommt und in der Sitzung über jeden Punkt einzeln entscheiden muss. Ziel des Workshops war es, gemeinsam Entwicklungsziele für das Baugebiet zu erarbeiten, zu konkretisieren und für den zukünftigen Bebauungsplan festzuhalten. Leider war die Resonanz von Seiten der Gemeinderatsmitglieder eher mäßig. Ob es am Termin gelegen hat, darüber lässt sich nur spekulieren.

Bei dem ausführlichen Ortstermin konnten trotzdem gleich wichtige Problemfelder festgehalten werden. So ist zum Beispiel das Gelände nicht eben und die Erschließung des Gebietes muss gut überlegt werden, genauso wie die fußläufige Anbindung an den Kernort.

Daneben stellte sich die Frage der naturschutzrechtlichen Bewertung und eine eventuelle Sondierung durch die Bodenarchäologie.

Teile des Gemeinderats wünschen sich, dass hier ein Pilotprojekt entstehen soll. Insbesondere favorisiert man dabei eine nachhaltige und ökologische Energieversorgung und ein städtebauliches Gesamtkonzept. Wichtig wäre darüber hinaus vielleicht ein möglichst autofreies Baugebiet mit zentralen Stellplätzen. Diskutiert wurde über die Größe und die Art der Bebauung, über Möglichkeiten zum generationsübergreifenden Wohnen und über einen sozialen Wohnungsbau.

Bebaubar wäre eine Fläche von rund 27 000 Quadratmetern, davon gingen noch etwa 25 Prozent für öffentliche Verkehrsflächen weg. Aus haushaltsrechtlichen Gründen sind die Ausgaben der Gemeinde zu refinanzieren, und entsprechend wird sich der Quadratmeterpreis einpendeln. Dazu kommen noch die Erschließungskosten.

Diskussionsbedarf besteht weiterhin über ein wie auch immer geartetes "Einheimischenmodell". Darüber hinaus muss geklärt werden, ob ein zentraler Ort benötigt wird und eventuell eine zusätzliche Kindergartengruppe.

Nur mit Projektträger

Leonhard Valier zeigte sich sehr angetan über die Vorschläge. Für ihn wäre eine Umsetzung jedoch nur mit Hilfe eines Projektträgers realistisch. Als weitere Schritte sind nun die Vorstellung eines möglichen Projektträgers und eine Exkursion zu bereits umgesetzten innovativen Beispielen in der Region angedacht. Dann ist es die Aufgabe des Gesamtgemeinderats zu entscheiden, wie das zukünftige Baugebiet "Ehemalige Walderholungsstätte" aussehen könnte.

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