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LKR Erlangen-Höchstadt

Disziplin unter Baumkronen

Seit Montag haben die Bierkeller unter strengen Abstands- und Hygieneregeln wieder geöffnet. Viele Gäste genießen die zurückgewonnene Freiheit, der große Ansturm blieb aber aus. Kellerwirte sind wegen der Auflagen verunsichert.
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Die Corona-Pandemie bringt auch den Betrieb von Hans-Günter Wirth ins Stocken: Auf dem Felsenkeller Löwenbräu in Neuhaus kommen die Gäste nur sehr langsam wieder zurück.  Foto: Andreas Scheuerer
Die Corona-Pandemie bringt auch den Betrieb von Hans-Günter Wirth ins Stocken: Auf dem Felsenkeller Löwenbräu in Neuhaus kommen die Gäste nur sehr langsam wieder zurück. Foto: Andreas Scheuerer

Andreas Scheuerer Erlangen-Höchstadt — Wegen der Corona-Pandemie hat Hans-Günter Wirth vor kurzem einen weißen Ringordner angelegt. Schließlich seien in den vergangenen Wochen ständig neue Richtlinien für seinen Löwenbräu Keller in Neuhaus hinzugekommen. Um nicht den Überblick zu verlieren, sammelte der Gastronom alle Vorgaben. Dass bislang nur wenige Gäste auf seinen Keller strömen, habe mit den strengen Auflagen zu tun. "Vor allem aber", sagt Hans-Günter Wirth, "haben die Menschen immer noch Angst".

Seit Montagvormittag dürfen die Menschen im Landkreis wieder die sogenannte Außengastronomie aufsuchen - doch der langersehnte Ansturm auf die geliebten Bierkeller blieb in den allermeisten Fällen aus. "Wir haben zwar viele Anrufe von unseren Gästen im Voraus bekommen," sagt Wirth, "gekommen sind vergleichsweise wenige." Er macht den Gästen keinen Vorwurf, schließlich fürchten viele noch eine Ansteckung mit dem Coronavirus. Die Besucherzahl bezeichnet Wirth insgesamt als "noch okay", dennoch fehlen derzeit rund 80 Prozent des Umsatzes. Durch die finanziellen Rücklagen könne er die 25 Mitarbeiter im Betrieb zwar weiterhin beschäftigen, dauerhaft werde man die strengen Regeln aber nicht ohne Hilfen durchstehen, sagt Wirth.

Auch die übrigen Keller im Landkreis verzeichnen ein mäßiges Gästeaufkommen in den ersten Tagen nach der Eröffnung. Im Felsenkeller Oberreichenbach musste Andreas Geyer fast die Hälfte seiner Biertische aus dem Keller räumen, um die Abstandsregeln einhalten zu können. Geyer will sich über die Umstände nicht beschweren, lediglich das Abendgeschäft gehe dem Gastronomen in der Kasse ab, schließlich werde auf dem Keller das Geld hauptsächlich abends verdient. Laut Auflagen dürfen die Keller aber nur bis 20 Uhr offen haben.

"Die Gäste sind zurückhaltend"

Franz Roppelt beschreibt die Atmosphäre auf seinem Bierkeller in Stiebarlimbach als "angenehm", denn es gebe keine großes Gedränge am Ausschank und das hinterlasse viele zufriedene Gäste. Bei ihm müssen sich die Besucher am Ausschank in eine Liste eintragen. Auch in der Alten Mälzerei in Höchstadt müssen die Gäste ihre Daten am Eingang hinterlegen. In den Coronaauflagen für die Außengastronomie ist eine solche Registrierung als Richtlinie vermerkt, um Infektionsketten besser zurückverfolgen zu können. "Die Gäste sind zurückhaltend", sagt Geschäftsführer Hakan Kanbur. Im Schnitt seien nur zwei von 16 Tischen besetzt. Die wenigen Gäste führt Kanbur darauf zurück, dass viele den Biergarten in der Mälzerei nicht kennen. Er habe deshalb schon persönlich am Marktplatz werben müssen.

Grundsätzlich zeigen die Gastronomen für die strengen Auflagen Verständnis. Mundschutz und Abstandsregeln sind laut den bayerischen Regeln für Bewirtung im Freien sowohl für Mitarbeiter als auch für Gäste obligatorisch. Laut Wirth erzähle darüber hinaus aber im Moment jeder etwas anderes, und das habe viele Gastronomen verunsichert. "Ich liege oft nachts wach und denke viel darüber nach, ob ich alles richtig mache. Bei dem Durcheinander kann man sich nie sicher sein", erklärt der Kellerwirt. Schließlich stünden auf einen Verstoß gegen die Regeln hohe Geldstrafen von bis zu 5000 Euro an. Das sei vor allem für viele kleine Gastronomen kaum zu stemmen.

Viele Keller am Vatertag dicht

"Die Gäste halten sich mit viel Disziplin an die Vorgaben", sagt Hans-Günter Wirth. Jeden ständig zu kontrollieren sei aber kaum umsetzbar. Wenn die Polizei einen Gast ohne Maske im Keller antrifft, falle das auf ihn zurück. Er appelliert deshalb an seine Gäste, sich streng an die Regeln zu halten. Unbelehrbare verweise er vom Platz, wenn es sein müsse. Bislang sei das aber noch nicht vorgekommen.

Am Vatertag ließen die meisten Kellerwirte ihren Ausschank zu. Denn viele hatten Angst davor, die Regeln an jenem Tag nicht einhalten zu können. Wirth hat seine Getränke nur to-go verkauft. Das Angebot wurde schon vor der Eröffnung gut von den Gästen angenommen, erzählt er. "Wir sind froh, dass wir so treue Gäste haben, die uns in der Zeit unterstützen."

Er hofft dennoch, dass es bald zu einer weiteren Öffnung kommt, um seinen Betrieb und seine Mitarbeit finanziell nicht zu ruinieren. "Wir werden das schon überleben. Aber es wird uns viel Energie kosten", sagt Hans-Günter Wirth.