Lichtenfels
Podiumsdiskussion

Diskussion zur Stärkung und zum Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft

Es ging am Donnerstag querbeet bei der Podiumsdiskussion mit den Landtagskandidaten in Oberlangheim. Eingeladen hatte das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. "Die Bayerische Agrarpolitik ha...
Artikel drucken Artikel einbetten
Es ging am Donnerstag querbeet bei der Podiumsdiskussion mit den Landtagskandidaten in Oberlangheim. Eingeladen hatte das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.
"Die Bayerische Agrarpolitik hat wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung unserer Bauernhöfe. Damit stehen die Kandidaten für die Landtagswahlen am 14. Oktober als potenzielle Abgeordnete in einer besonderen Verantwortung", so der leitende Landwirtschaftsdirektor.
Der Kreisberatungsausschuss Lichtenfels, als Dachorganisation der landwirtschaftlichen Verbände und Institutionen bereitete daher Podiumsdiskussion mit allen Kandidaten vor.
Ein Raunen ging durch den Saal, als Detlef Rauh (AfD) bekannte, dass er von der Landwirtschaft keine Ahnung hätte und nur etwas dazulernen wolle. Als aber einer der Bauern infrage stellte, dass die Wünsche und Forderungen der gewählten Kandidaten auch "oben" ankommen und umgesetzt werden, empfahl der Weißenbrunnen aus dem Landkreis Kronach: "Dann müssen sie anders wählen." Das brachte seinen Direktkandidaten und Landtagsabgeordneten im Wahlkreis Kronach Lichtenfels, Jürgen Baumgärtner (CSU), auf die Palme: "Blanke Ahnung, aber mitmischen."
Georg Deuerling (FW), der auf Listenplatz elf kandidiert, kritisierte den immensen Aufwand der Bürokratie. Thomas Müller (ÖDP) aus Burgkunstadt war sich mit seinen Kollegen einig: "Der Berufsstand der Bauern muss aufgewertet werden." Er forderte einen Existenzsicherungsvertrag und die Unterstützung für ökologische Betriebe. Ihm schwebten 500 Euro pro Hektar vor, die gestaffelt bis 500 Hektar ausgezahlt werden sollten. Die Förderung sollte an die Arbeitsplätze gekoppelt werden. Man müsse daher stärker zwischen bäuerlicher Landwirtschaft und Agrarfabriken differenzieren. Eine weitere Forderung des Burgkunstadter Apothekers war die Senkung des Flächenverbrauchs. Lob erhielt Kreisbäuerin Marion Warmuth für das Projekt "Landfrauen machen Schule".
Jürgen Baumgärtner plädierte für Investitionssicherheit, zum Beispiel bei Neubauten von Ställen. Er bekannte sich zu dem Zwei-Säulen-System der Förderung für Landwirte. Die erste Säule beinhalte Direktzahlungen an Landwirte sowie die gemeinsamen Marktordnungen für landwirtschaftliche Erzeugnisse. Die zweite Säule ergänze die gemeinsame Agrarpolitik und ziele auf die Entwicklung des ländlichen Raums hin.
Beim Thema Jagd und Wild war er dafür, dass der Wolf, wenn er komme, auch bejagt werden solle. Baumgärtner wandte sich gegen genmanipulierte Produkte und warnte vor ideologischen Scheuklappen beim Naturschutz. Auch Ralf Pohl (SPD) wünschte sich den Erhalt und die Stärkung der bäuerlichen Landwirtschaft. Seine Meinung: Subventionen seien keine Geschenke an die Landwirte.
Ein schnelles Internet und gute Verkehrsanbindungen im ländlichen Raum waren Forderungen des Küpser Kreisrats. In die Dorferneuerung sollte mehr Geld investiert werden. "Wir müssen die Heimat schmackhaft machen", wünschte er sich.
Von den Grünen engagierte sich Edith Memmel aus Mitwitz für Bauernmärkte und verurteilte den enormen Flächenverbrauch für Industrieanlagen oder Supermärkte. Landwirtschaftliche Flächen dürften nicht an die Großindustrie verkauft werden. Den Milchpreis mit 33 Cent pro Liter hielt die Innungsobermeisterin in der Töpfer- und Keramikerinnung Bayern für zu niedrig.
Alle waren sich einig über die missglückte Plakatwerbung für das Tierwohl von der ehemaligen Umweltministerin Barbara Hendricks. Ein ganzer Berufsstand werde undifferenziert an den Pranger gestellt und der Lächerlichkeit preisgegeben. Marion Warmuth bedauerte, dass der bayerische Bauernverband oft keine Chance hätte, sich in der Politik zu etablieren. Die Antwort auf die billigen Lebensmittel der großen Ketten könne nur sein: Kauft regionale Produkte.
Erneut wurde ein möglicher Frankenwald-Nationalpark diskutiert. Jürgen Baumgärtner erläuterte: "Wir wollen den Frankenwald umbauen, so wie er vor 150 Jahren war. Das Projekt schafft Arbeitsplätze und zieht Touristen an." Das stellte Heike Kunzelmann (AfD) infrage.


was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren