Bad Neustadt an der Saale
Medizin

Digitale Vernetzung zwischen Klinik und Rettungsdienst

Die Stroke-Angel-Idee von 1998, die Rhönklinikum und Rotes Kreuz auf den Weg brachten, ist heute bayern- ja deutschlandweit aus der Notfall- und Schlaganfallversorgung nicht mehr wegzudenken. Professo...
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Beim Angel-Workshop im Rhönklinikum wurde betont, wie wichtig die Vernetzung zwischen Klinik und Rettungswagen ist. Foto: Hanns Friedrich
Beim Angel-Workshop im Rhönklinikum wurde betont, wie wichtig die Vernetzung zwischen Klinik und Rettungswagen ist. Foto: Hanns Friedrich

Die Stroke-Angel-Idee von 1998, die Rhönklinikum und Rotes Kreuz auf den Weg brachten, ist heute bayern- ja deutschlandweit aus der Notfall- und Schlaganfallversorgung nicht mehr wegzudenken. Professor Dr. Bernd Griewing, Vorstand Medizin der Rhön-Klinikum AG, warf bei der Eröffnung eines Angel-Workshop am Wochenende deshalb bewusst einen kurzen Blick in die Vergangenheit.

Mit einfacher Handyausstattung, welche damals von der Neurologischen Klinik den Rettungsdiensten zur Verfügung gestellt wurde, begann alles. Über die Jahrzehnte entwickelten sich die Systeme immer weiter bis zum heutigen Angel-System, das mittlerweile in 130 Kliniken Deutschlands zur festen Ausstattung gehört und auf jedem Bayerischen Rettungswagen zu finden ist. 80 Notärzte, Rettungsdienstmitarbeiter sowie Klinik- und Hausärzten der Region Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen informierten sich beim Workshop am Rhön-Klinikum Campus Bad Neustadt über aktuelle Entwicklungen im Bereich der Notfallmedizin und neue Versorgungskonzepte.

"Eine reibungslose Zusammenarbeit zwischen Notarzt, Rettungsdienst und Klinik ist für eine hochwertige medizinische Versorgung im Notfall unerlässlich", stellte Prof. Griewing fest. Die Angel-Workshops seien von Anfang an eine Plattform des Austauschs gewesen, um die verschiedenen Kooperationen weiter zu vertiefen.

Erfahrungsberichte aus der Praxis

Notwendig nannte er die Erfahrungsberichte aus der Praxis. Im Fokus des diesjährigen Angel-Workshops stand die Zentrale Notaufnahme (ZNA) am Campus Bad Neustadt, die Anfang des Jahres in Betrieb ging. 70 Patienten werden im Durchschnitt pro Tag behandelt. Professor Griewing verwies auf die Logistik, die notwendig war, um die bisherigen vier Notaufnahmen in der einen Zentrale am Campus zusammen zu führen. Dabei habe auch die Zusammenarbeit der Menschen und Teams, die sich finden mussten, eine wesentliche Rolle gespielt.

Dr. Michael Schneider, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, steht ein notfallmedizinisch erfahrenes Oberarztteam und Fachpflegepersonal zur Seite. In der neuen Zentralen Notaufnahme am Rhönklinikum sind zwei Schockräume, Computertomographen, zwei weitere Räumlichkeiten für kleinere operative Eingriffe und mehrere Behandlung- und Untersuchungsräume vorhanden.

In direkter Nähe sind die Herzkatheterlabore. In der Notaufnahme können in einem Überwachungsraum Patienten bis 24 Stunden medizinisch versorgt werden. Im ersten halben Jahr 2019 wurden 60 Prozent Patienten mehr als früher behandelt. Das zeige, dass die Zentrale Notaufnahme am Campus in Bad Neustadt attraktiv ist, man aber auch immer vor Herausforderungen stehe, die man bewältigen muss.

Zentrale Anlaufstelle

In einer offenen Diskussionsrunde analysierten die Teilnehmer, was sich durch die Zusammenlegung der vormals vier verschiedenen Notfallambulanzen in Bad Neustadt verändert hat. "Wir haben mit unserer Notaufnahme eine zentrale Anlaufstelle für alle medizinischen Notfälle geschaffen. Das kommt sowohl den Patienten als auch den Rettungsdiensten zugute", sagte Dr. Hassan Soda, Leitender Arzt der Akutneurologie II und Stroke Unit am Campus Bad Neustadt, sowie Initiator der Veranstaltung. "Nun sind wir bestrebt, die Prozesse innerhalb der ZNA weiter zu optimieren und die Vernetzung zu unseren externen Partnern zu stärken."

Die Digitale- und Telemedizin sprach Prof. Bernd Griewing an. Die Telemedizin sei ein weiterer Modellversuch, bei dem die Rettungsdienste und die Klinik zusammen wirken. Dabei vernetzen sich Rettungsdienst und Klinikpersonal digital, um direkt zu kommunizieren.

Das technisch ausgereifte Angel-System werde aber immer noch weiter entwickelt. Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen nannte der Professor eine weitere Modellregion im Bereich der Videoübertragungen vor Ort oder aus dem Rettungswagen. Weitere Verbesserungen werden angestrebt. In einer zweiten Diskussionsrunde ging es um die Vor- und Nachteile, die die fortschreitende Digitalisierung mit sich bringt. Besprochen wurde, wie das medizinische Personal mit telemedizinischen und anderen digitalen Anwendungen zurechtkommt oder wie die technische Installation der Tools funktioniert.

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