Kronach
Jubiläum

Die Wohnungsnot im Frankenwald stand am Anfang einer Erfolgsgeschichte

Karl-Heinz Hofmann Kronach — Die Oberfränkische Baugenossenschaft Kronach (OBG) blickt auf eine 100-jährige Erfolgsgeschichte. Am Samstag konnte die Kronacher Baugenossenschaft das Jubiläum im Schütze...
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Vorstände, Aufsichtsräte und Ehrengäste beim Festakt zum 100-jährigen Jubiläum der Oberfränkischen Baugenossenschaft Kronach. Mit im Bild Festredner Stefan Roth (4. v. l.), Landratsstellvertreter Gerhard Wunder (2. v. l.), die Vorstände Alexander Kleylein (6. v. l.), Uwe Döring (8. v. l.) sowie die Aufsichtsräte (von rechts) Reinhard Horn, Klaus Zeller und Thomas Beierwaltes  Foto: K.-H. Hofmann
Vorstände, Aufsichtsräte und Ehrengäste beim Festakt zum 100-jährigen Jubiläum der Oberfränkischen Baugenossenschaft Kronach. Mit im Bild Festredner Stefan Roth (4. v. l.), Landratsstellvertreter Gerhard Wunder (2. v. l.), die Vorstände Alexander Kleylein (6. v. l.), Uwe Döring (8. v. l.) sowie die Aufsichtsräte (von rechts) Reinhard Horn, Klaus Zeller und Thomas Beierwaltes Foto: K.-H. Hofmann

Karl-Heinz Hofmann Kronach — Die Oberfränkische Baugenossenschaft Kronach (OBG) blickt auf eine 100-jährige Erfolgsgeschichte. Am Samstag konnte die Kronacher Baugenossenschaft das Jubiläum im Schützenhaus Kronach feiern und erntete Anerkennung für die kontinuierlich erfolgreiche unternehmerische Leistung und für innovative Ideen sowie wirtschaftliche Verantwortung für den sozialen Wohnungsbau weit über die Landkreisgrenzen hinaus.

Festredner Stefan Roth (Justiziar und Vorstandsmitglied im Verband Bayerischer Wohnungsunternehmen, VdW) bezeichnete die OBG Kronach als "Diamant in der Krone der bayerischen sozialorientierten Wohnungswirtschaft" und lobte Umsicht und Weitsicht von Vorstand, Aufsichtsrat, Mitarbeitern und Mitgliedern der OBG Kronach, die viele wirtschaftliche Rückschläge und Krisen meisterte. Die Rechtsform der eingetragenen Genossenschaft sei etwas ganz Besonderes. Sie habe den zwei Schreckgespenstern unserer heutigen Gesellschaft widerstanden. Damit meinte er den Sozialismus genauso wie den Neoliberalismus.

Die Genossenschaft definierte er als gelebte Gemeinschaft. Sie sei nicht auf Geldausschüttung aus, sondern sie reinvestiere das Kapital und den Gewinn ihrer Genossen wieder in sozialen Wohnungsbau. Weil jedes Mitglied unabhängig von seiner Kapitaleinlage nur eine Stimme hat, sei die Genossenschaft vor der Dominanz einzelner Mehrheitseigner und vor feindlicher Übernahme geschützt.

In Wort und Bild ließ Alexander Kleylein (Vorstand der OBG Kronach) die Erfolgsgeschichte Revue passieren. Zweck der 1919 gegründeten Genossenschaft sollte es sein, die Wohnungsnot im Frankenwald zu lindern, also Ein- und Zweifamilienhäuser zu errichten. Für viele Menschen war zur damaligen Zeit das Wohnen menschenunwürdig und führte zu Krankheiten und hoher Sterberate. Die fast ausschließliche Tätigkeit für Fabrikarbeiter, Flößer, Korbmacher, Straßenarbeiter, Köhler und Bergleute, also für minderbemittelte Familien, brachte ihr alsbald den Ruf ein, die "Baugenossenschaft der armen Leute" zu sein. Die Tätigkeit der damaligen Bezirksbaugenossenschaft Kronach musste im Jahr 1930, als bereits 582 Häuser mit 779 Wohnungen erstellt waren, auf den gesamten Regierungsbezirk Oberfranken ausgedehnt werden. Es kam daher zur Namensänderung "Oberfränkische Baugenossenschaft".

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in vielen Gemeinden Kleinsiedlungen und Eigenheime errichtet, und dies für breite Schichten in der Bevölkerung, für Arbeiter, Angestellte, Beamte und Selbstständige, ohne Rücksicht auf Konfession und politische Einstellung. Bis Ende 1968 wurden 4604 Häuser mit 7380 Wohnungen gebaut und betreut, davon 5361 Wohnungen in Kleinsiedlungen, Eigenheimen und Heimstätten, 511 Wohnungen in Betreuungsbauten sowie 1507 genossenschaftseigene Wohnungen.

Zum 100-jährigen Jubiläum besitzt und bewirtschaftet die Oberfränkische Baugenossenschaft mehr als 2000 eigene Mietwohnungen. Bis in die 1980er Jahre war auch die Tätigkeit auf dem Eigenheimsektor ein stabiles Geschäftsfeld. Durch aufkommende Konkurrenz und den Wegfall der angestammten finanzschwachen Kundschaft wurde dieses Tätigkeitsfeld immer schwieriger und verlor nach und nach an Bedeutung.

Heute liegt der Fokus auf dem Erhalt und der professionellen Verwaltung des eigenen Wohnungsbestandes. Nachdem in Kronach die Nachfrage nach preiswertem Wohnraum groß ist, wurde das Neubaugeschäft wieder aktiviert sowie auch das Angebot von Mietwohnungen verstärkt. Im Herbst 2015 konnten auf dem Kreuzberg 22 Wohnungen mit hohem Wohnkomfort bezugsfertig erstellt werden. Im Ziegelwinkel entstehen derzeit weitere zwölf Mietwohnungen, in Neustadt bei Coburg sind 27 barrierefreie Wohnungen geplant.

Zum Festakt hieß Aufsichtsratsvorsitzender Reinhard Horn die zahlreichen Gäste und Ehrengäste herzlich willkommen, so Marion Resch-Heckel von der Regierung von Oberfranken, Landratsstellvertreter Gerhard Wunder, den Bürgermeister von Kronach, Wolfgang Beiergrößlein, und die Zweite Bürgermeisterin von Neustadt bei Coburg, Elke Protzmann, die alle in Grußworten ihre Glückwünsche und ihren Respekt für die 100- jährige Erfolgsgeschichte an die Jubilarin ausdrückten.

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