Kloster Banz
Konzert

Die "Weißen Lilien" demonstrierten geballte weibliche Dominanz

Der Humor war so derb wie die Musik anspruchsvoll: Mit einer fein austarierten Mischung aus Kabarett und Konzert begeisterten "Lizzy und die weißen Lilien" im vollbesetzten Kaisersaal in Kloster Banz....
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Der Salonorchester begeisterte (von links): Svetlana Klimova, Alice Graf, Gaby Athmann, Irene von Fritsch und Lizzy Aumeier  Foto: Andreas Welz
Der Salonorchester begeisterte (von links): Svetlana Klimova, Alice Graf, Gaby Athmann, Irene von Fritsch und Lizzy Aumeier Foto: Andreas Welz

Der Humor war so derb wie die Musik anspruchsvoll: Mit einer fein austarierten Mischung aus Kabarett und Konzert begeisterten "Lizzy und die weißen Lilien" im vollbesetzten Kaisersaal in Kloster Banz. Eingeladen hatte die Kulturinitiative (KIS).

Lizzy Aumeier, die oberpfälzische Kabarett-Wuchtbrumme, hatte diesmal nicht nur ihren Kontrabass, sondern auch ihr Salonorchester, die "Weißen Lilien", dabei. Fünf hochvirtuose Musikerinnen widmen sich den Geheimnissen weiblicher Legenden - "les femmes fatales". Eingebettet in die schönsten Melodien der Salonmusik, erfuhren die Zuhörer Neuigkeiten, Gerüchte und Enthüllungen über Mata Hari, Marie Curie, Marie Antoinette oder Zarah Leander. Ein bezauberndes, einzigartiges Spektakel mit großartiger Musik, Situationskomik und vielen Überraschungen. Nimmt man die Symbolik der weißen Lilie hinzu, die für Reinheit, Weiblichkeit, Gnade und Vergebung steht, ergab sich eine nicht zu überbietende geballte weibliche Dominanz.

Zunächst ging es weniger ums Ablästern und Bloßstellen als um Musik. Geboten war Salonmusik der besonders virtuosen Art, Musik der Emotionen und der Poesie. Im Mittelpunkt standen die Operetten von Johann Strauß und seinem Sohn Johann Strauß II. "Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist" aus der Fledermaus oder "Borstenvieh und Schweinespeck" - der Lebenszweck des Schwiegervaters in spe des Zigeunerbarons. Ungeniert plapperte Lizzy dazwischen: "Kennt ihr das?" oder "Schon mal gehört?" Das Repertoire des "Busenquintetts" war so abwechslungs- und facettenreich wie die Klänge, die die Musikerinnen ihren Instrumenten entlockten.

James-Bond-Medley

Ein James-Bond-Medley führte über Serge Gainsbourgs schmachtintensives "Je t'aime" geradewegs in das Salonmusik-Genre mit klassischem Hintergrund. "Die Lerche" einer rumänischen Komponistin erklang in rasant ausgeführten Tönen und Tempi der aus Russland stammenden Violonistin Svetlana Klimova. Und immer wieder Lizzy, die einen Förster in der ersten Reihe aufs Korn nahm: "Du machst die lieben Bambis tot?" Der Waidmann verneinte und die erleichterte Lizzy drehte mit ihm einen Walzer auf der Bühne.

In jeweils eigenen Arrangements mit gelegentlich überraschenden Einsätzen der einzelnen Instrumente kamen die Gäste in den Genuss einer eigenwilligen und humorvollen Umsetzung bekannter Stücke und Melodien. Beim "Radetzky-Marsch" von Johann Strauss Vater erschien der Komponist (Andreas Stock) höchstpersönlich im Frack und dirigierte abwechselnd Musiker und Auditorium. Von Mozart erklang eingangs die "Kleine Nachtmusik" und irgendwann das "Rondo alla Turca". Es folgten ein paar Takte aus "Carmen" von Georges Bizet. Zwischendrin Kaffeehausmusik, Tangoklänge, klassisches Liedgut - immer als perfektes und augenzwinkerndes Zusammenspiel. Nebst Svetlana Klimova bestachen Gaby Athmann (Flöte), Alice Graf (Klavier), Irene von Fritsch (Cello) und Lizzy Aumeier (Kontrabass).



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