Gremsdorf
gremsdorf.inFranken.de  Die Studierenden der Augustinus-Fachschule wollen Menschen mit Beeinträchtigung helfen.

Die Suche nach authentischem Kontakt

Im Schuljahr 2019/20 starteten 58 neue Studierende an der Augustinus-Fachschule für Heilerziehungspflege/-hilfe in Gremsdorf ihre berufliche Qualifikation in der Behindertenhilfe. In drei verschiedene...
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58 Menschen im Alter von 17 bis Mitte 50 haben in Gremsdorf eine Ausbildung begonnen. Foto: privat
58 Menschen im Alter von 17 bis Mitte 50 haben in Gremsdorf eine Ausbildung begonnen. Foto: privat

Im Schuljahr 2019/20 starteten 58 neue Studierende an der Augustinus-Fachschule für Heilerziehungspflege/-hilfe in Gremsdorf ihre berufliche Qualifikation in der Behindertenhilfe. In drei verschiedenen Ausbildungsgängen bietet die Fachschule der Barmherzigen Brüder Gremsdorf die Möglichkeit, sich in der Heilerziehungspflege beziehungsweise Heilerziehungspflegehilfe ausbilden zu lassen.

Neu hinzugekommen ist die verkürzte Form, die es Studierenden in Gremsdorf ermöglicht, den Beruf des Heilerziehungspflegers auch in nur zwei Jahren zu erlernen. Mit 17 Teilnehmern konnte dieser Kurs in die erste Runde starten.

In diesem Schuljahr haben sich zudem außergewöhnlich viele langjährige Mitarbeiter der Einrichtung entschieden, nochmals die Schulbank zu drücken und ihre Berufserfahrung durch den Erwerb neuester Fachkenntnisse zu ergänzen. Sie können damit ihren beruflichen Status aufwerten. Dies ist eine Entwicklung, die sowohl der Einrichtung als auch den Studierenden selbst zugutekommt.

"Die Chancen am Arbeitsmarkt könnten besser nicht sein", sagt Andreas Keidel, der Leiter der Fachschule. Die Heilerziehungspflege gehöre ebenso zu den "Mangelberufen" wie die Kranken- und Altenpflege sowie der Erzieherberuf. Dies begründe auch, so der Schulleiter, dass die Bundesagentur für Arbeit inzwischen einen großen Anteil der Studierenden in Gremsdorf mit Bildungsgutscheinen fördert, was vielen überhaupt erst den Zugang zur Fachschule möglich mache.

Wie auch in den letzten Jahren zeigt sich bei den Studierenden eine große Altersspanne sowie Bandbreite an Vorqualifikationen - von 17 bis Mitte 50, vom Mittelschüler zur Abiturientin, vom Holztechniker zur Bankkauffrau. Einheimische aus der Gemeinde Gremsdorf sind ebenso vertreten wie Frauen und Männer aus der näheren und weiteren Umgebung und sogar aus der ganzen Welt, wie beispielsweise aus China, Syrien oder Polen. Menschen verschiedenster beruflicher wie geografischer Herkunft finden sich zusammen, um ein gemeinsames Ziel zu verfolgen. "Die meisten von ihnen verbindet als Motivation die Suche nach bewusstem, authentischem Kontakt zu Menschen und nach dem Erleben von Selbstwirksamkeit im beruflichen Handeln", erklärt Keidel.

Dies sind Gesichtspunkte, die in der freien Wirtschaft oftmals vergeblich gesucht werden, wie vor allem Quereinsteiger berichten. So erklärt die 43-jährige Martina Ruß, gelernte Verkäuferin: "Meine Arbeit in Gremsdorf ist erfüllend." Sie verstehe sich als Wegweiser für die Menschen mit Beeinträchtigung, und sie wisse am Abend, was sie geleistet habe. "Menschen zu helfen macht mich glücklich", bekundet Anja Pier, Schülerin mit ihrer Praxisstelle bei der Lebenshilfe in Würzburg.

Weitere Vorteile des Heilerziehungspflegeberufs sind zum einen eine hervorragende Position am Arbeitsmarkt sowie vielfältige Aufstiegschancen. So entscheiden sich laut Keidel etwa zehn bis 15 Prozent der späteren Absolventen für ein Studium, denn die Behindertenhilfe bietet zahlreiche Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung und Verwirklichung eigener Ziele. Anna Krug

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