Bamberg

Die Stadt im Röntgenblick

In der Unesco-Welterbe-Stadt Bamberg haben Experten für Denkmalpflege naturgemäß viel zu tun. Doch die Wissenschaftler der Universität sind auch weltweit unterwegs. Dabei setzen sie auf Wärmebildkameras und Drohnen.
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Auf einem Computerbildschirm des Kompetenzzentrums Denkmalwissenschaften und Denkmaltechnologien (KDWT) der Universität Bamberg ist ein Foto des Alten Rathauses in Bamberg zu sehen, welches mit einer Thermalkamera aufgenommen wurde. Foto: Nicolas Armer/dpa
Auf einem Computerbildschirm des Kompetenzzentrums Denkmalwissenschaften und Denkmaltechnologien (KDWT) der Universität Bamberg ist ein Foto des Alten Rathauses in Bamberg zu sehen, welches mit einer Thermalkamera aufgenommen wurde. Foto: Nicolas Armer/dpa
Tempelanlagen auf Sri Lanka oder die Kelleranlagen am Bamberger Domberg - Denkmal-Experten der Universität Bamberg sind nicht nur lokal, sondern auch international gefragt. Ihr Wissen bündeln sie seit etwa zwei Jahren auch an einem Ort. Das Kompetenzzentrum Denkmalwissenschaften und Denkmaltechnologien (KDWT) wird aus Mitteln der Nordbayern-Initiative der Staatsregierung finanziert. In einem grundlegend sanierten ehemaligen Fabrikgebäude am Rande der Altstadt können Vertreter verschiedener Disziplinen gemeinsam arbeiten: Geistes-, Ingenieur- und Materialwissenschaftler kooperieren hier über Fachgrenzen hinweg.
Die Wissenschaftler in Bamberg können dabei auf modernste Technik zurückgreifen: Mikroskope, eine Drohne oder auch eine Wärmebildkamera ermöglichen spannende Erkenntnisse. Theorie und Praxis fänden hier im Zentrum zusammen, sagt der wissenschaftliche Mitarbeiter Thomas Wenderoth.


Arbeit am 3D-Modell

Gerade sitzen Studenten vor ihren Computern in einem Kurs von Dozent Max Rahrig. Sie haben mit einem Handscanner im Bamberger Dom Figuren erfasst. Nun folgt die Nachbearbeitung für das 3D-Modell.
Bamberger Wissenschaftlern ist es zu verdanken, dass es nicht nur ein 3D-Modell des Bamberger Kaisergrabs aus dem Dom gibt, sondern auch von der Platte des Friedrichsgrabs im Wiener Stephansdom.
Ein Büro weiter wertet Anna Luib Untersuchungen mit der Wärmebildkamera aus. So konnte man zum Beispiel feststellen, dass das berühmte Brückenrathaus in Bamberg zwar unten massiv gemauert ist, oben aber aus Fachwerk besteht, das äußerlich jedoch nicht zu sehen ist. "Das findet man sonst nicht heraus", sagt Luib. Außer freilich, man zerstöre einen kleinen Teil des Gebäudes. Untersuchungen mit der Wärmebildkamera kämen jedoch ohne Zerstörungen aus. "Die Thermographie ist eine gigantische Fundgrube für uns."
Im Labor arbeitet Martina Pristl an hochauflösenden Mikroskopen. Anhand einer winzigen Mörtelprobe kann sie herausfinden, was drinsteckt: Kalk oder Magnesium gibt Aufschluss darüber, welche Pigmente bei der Bemalung benutzt wurden. Wenn etwa Schwermetall festgestellt wurde, bedeutet das eine Herausforderung bei der Sanierung, denn dann muss die belastete Farbe entfernt werden.
Handwerklicher geht es in der Abteilung von Thomas Essing zu - mit Schleifer und Schraubstock. Hier wird Holz untersucht, genauer gesagt: altes Holz. Essing und sein Team können das Fälljahr des Baumes feststellen und damit wichtige Daten in der Denkmalpflege und -forschung liefern. "Man kann relativ schnell sagen, wie alt die Holzprobe ist", sagt Essing. Dieses Wissen ermögliche Rückschlüsse auf das Alter von Gebäuden und auch, wie viel beispielsweise in einem Dachstuhl im Lauf der Jahre ausgetauscht wurde. Eine Holzprobe und der Abstand der Jahresringe werden dazu unter dem Mikroskop ausgewertet, in einer Datenbank wird nach einer Vergleichskurve gesucht - und so kann man das Fälljahr nachweisen. Seit 1993 sind hier bereits mehr als 70 000 Proben von 7000 Gebäuden zusammengekommen - Essings Team arbeitet mit den Landesämtern für Denkmalpflege in Bayern, Thüringen und Sachsen-Anhalt zusammen.


Unterwegs in Sri Lanka

Und noch einmal zurück zu den Tempeln im fernen Sri Lanka: Für das vom Auswärtigen Amt geförderte Forschungsprojekt waren Experten aus Bamberg im "Ehrwürdigen Tempel der Zahnreliquie" im Hochland von Sri Lanka tätig. Die Anlage ist eines der wichtigsten Kulturgüter und die bedeutendste buddhistische Pilgerstätte des Landes, sie gehört zum Unesco-Weltkulturerbe.
Die Anlage wurde digital erfasst, vermessen und dokumentiert. "Man muss sehr vorsichtig vorgehen und die Denk- und Glaubenstradition vor Ort akzeptieren", schildert Rainer Drewello, Professor für Restaurierungswissenschaft in der Baudenkmalpflege. Nun habe das Kompetenzzentrum sogar einen Folgeauftrag an Land gezogen und dürfe auch andere buddhistische Stätten besuchen und erfassen: Höhlen mit uralten Wandmalereien. Bisher gebe es von dort keine Kartierung und keine Fotografien.
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