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Kulmbach

Die Sprachlosigkeit überwunden - schon seit 15 Jahren

Kulmbach — Beim alljährlichen Sommerfest der Kulmbacher Selbsthilfegruppe für Aphasie gab es in diesem Jahr einen besonderen Grund zum Feiern: Die am 12. Januar 2000 ins Leben geru...
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Logopäde Günter Hild, Pfarrer i. R. Klaus Kuhrau (vorne, von rechts) und Gruppenleiterin Irma Büttner (mit Blumen) freuten sich über das 15-jährige Bestehen der Selbsthilfegruppe Aphasie in Kulmbach und feierten das Jubiläum mit vielen Gästen. Foto: privat
Logopäde Günter Hild, Pfarrer i. R. Klaus Kuhrau (vorne, von rechts) und Gruppenleiterin Irma Büttner (mit Blumen) freuten sich über das 15-jährige Bestehen der Selbsthilfegruppe Aphasie in Kulmbach und feierten das Jubiläum mit vielen Gästen. Foto: privat
Kulmbach — Beim alljährlichen Sommerfest der Kulmbacher Selbsthilfegruppe für Aphasie gab es in diesem Jahr einen besonderen Grund zum Feiern: Die am 12. Januar 2000 ins Leben gerufene Gruppe für Menschen mit dieser besonderen Sprachstörung - sie tritt nach Erkrankungen wie Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma oder Tumoren auf - durfte auf ihr 15-jähriges Bestehen zurückblicken.
Zur Feierstunde im Biergarten des Gasthofs Schramm in Forstlahm waren auch stellvertretende Landrätin Christina Flauder und der ehemalige Pfarrer der Kirchengemeinde Mangersreuth, Klaus Kuhrau, gekommen. Beide begleiten die Entwicklung der Selbsthilfegruppe seit langer Zeit, ebenso wie der als Festgast anwesende Leiter der Aphasie-Selbsthilfegruppe Bayreuth, Horst Bierhals. Aus dessen dortiger Gruppe sich hatte sich vor nunmehr 15 Jahren eine eigenständige Kulmbacher Gruppe herausgebildet. Beide Selbsthilfegruppen stehen noch immer in engem Kontakt und kooperieren miteinander, da sie seit ihrer Gründung vom Kulmbacher Logopäden Günter Hild mit betreut werden.
Hild dankte allen Wegbegleitern der Aphasie-Selbsthilfe für ihr Engagement, insbesondere der derzeitigen Leiterin Irma Büttner aus Kulmbach, die sich intensiv um das Wohl der etwa 30 Betroffenen, deren Angehörigen und um die Belange der Selbsthilfegruppe kümmert.

Beratung und Betreuung

Deren Mitglieder sind zwischen 50 und 80 Jahre alt. Die meisten sind Rentner mit nur kleinen Bezügen, weil sie oft durch die Krankheit nicht so lange arbeiten konnten und in Frührente oder in Erwerbsminderungsrente gehen mussten.
Mit Hilfe von Therapeuten und Fachleuten hat es sich die Selbsthilfegruppe zur Aufgabe gemacht, Menschen mit Sprachstörungen sowie deren Angehörige zu beraten und zu betreuen.
Aphasien können ganz unterschiedliche Ausprägungen haben. Es gibt Menschen mit Aphasie, die lesen können, aber nicht schreiben, und solche, die weder lesen noch schreiben können, aber die Sprache verstehen. Jede Aphasie ist anders, die Sprache geht aber nie ganz verloren. Sie kann - mit viel Geduld und Training - zumindest teilweise zurückerobert werden.
Immer wieder wird in der Öffentlichkeitsarbeit der Aphasikerverbände darauf hingewiesen, dass es sich um eine Sprachstörung handelt, nicht aber um eine Denkstörung. Der Verlust und die Störung der eigenen Muttersprache ist seelisch schwer zu verarbeiten. Viele Patienten werden depressiv und verzweifelt, manchmal auch aggressiv. Für Angehörige und Freunde ist es schwierig, sich an die veränderte Situation anzupassen.

Zeit und Geduld notwendig

Die Kommunikation mit aphasischen Patienten erfordert Zeit, Geduld und Einfühlungsvermögen. Soziale Einsamkeit ist oft die Folge der Aphasie. Dies zu verhindern ist ebenfalls ein Ziel der Selbsthilfegruppe, die sich einmal monatlich - jeweils am zweiten Mittwoch - von 15 bis 17 Uhr im Gemeindezentrum St. Hedwig trifft. Nicht umsonst gilt der Satz: Aphasiker können besser kommunizieren als sprechen.
Und das bewahrheitet sich immer wieder bei den Vorträgen zu Behandlungsmethoden, Aufklärungsaktionen in der Öffentlichkeit und gemeinsamen Unternehmungen. Sie sollen die Betroffenen und ihre Angehörigen aus der durch Sprachlosigkeit entstehenden Isolation führen und die Teilnahme am öffentlichen Leben wieder erleichtern.
Deshalb dankten Günter Hild und Irma Büttner abschließend der Stadt und dem Landkreis Kulmbach, der Adalbert-Raps-Stiftung sowie der Sparkasse Kulmbach-Kronach für die Unterstützung der Arbeit. gh

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