Breitbrunn

Die spezielle Herausforderung liegt im Nebenamt

Eckehard Kiesewetter Breitbrunn — Warum ist es so schwer, einen Kandidaten für das Bürgermeisteramt zu finden? Politisch interessierte Breitbrunner nennen vielerlei Gründe. Allen voran liegt es daran,...
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Eckehard Kiesewetter Breitbrunn — Warum ist es so schwer, einen Kandidaten für das Bürgermeisteramt zu finden? Politisch interessierte Breitbrunner nennen vielerlei Gründe.

Allen voran liegt es daran, dass ein nebenberuflicher Bürgermeister in der Lage sein muss, Arbeitsstunden zurückzufahren, auf Abruf bereitzustehen, gegebenenfalls Ehrenamt vor die hauptberuflichen Verpflichtungen zu stellen.Da hieße es, Kompromisse zu schließen und womöglich, die Aussichten auf eine berufliche Karriere zumindest weit hinter zu schieben. Nicht jedes Arbeitsverhältnis lässt dieses Miteinander zu.

Eine Gemeinde zu führen, kostet viel Zeit. Das räumt auch die amtierende Bürgermeisterin ein. Sie ist Ruheständlerin und kann ihr Amt nahezu in Vollzeit ausüben. In Dezember", erzählt Gertrud Bühl, "habe ich bis zum 23. so gut wie keinen Abend frei gehabt." "Ich sehe die Möglichkeit für mich nicht", sagt Cynthia Derra, als CSU-Vorsitzende stets auch als eine mögliche Kandidatin gehandelt. Als Kämmerin der Gemeinde Sennfeld brächte sie nötiges Fachwissen mit, das anderen abgeht.

Undankbare Aufgabe?

Und dann gibt es auch noch eine Bangigkeit vor der undankbaren Aufgabe, denn Bürgermeister sein bedeutet längst nicht nur Repräsentieren und in der Öffentlichkeit Beachtung finden.

"Du kannst da ja eh nicht viel erreichen", sagt einer, der nach eigenen Angaben eher für die Freien sympathisiert. Allein schon weil kein Geld da sei bei all den Abgaben und Pflichtaufgaben. "Da bleibt doch fast gar nichts mehr übrig, worüber im Gemeinderat noch frei entschieden werden kann."

Amtsinhaberin Gertrud Bühl leugnet den Stress nicht, betont aber zugleich den Spaß, den ihr die Vielseitigkeit der Aufgabe, die kreative Herausforderung bereitet hat.

Die brutale Wahrheit

Ihr Amtsvorgänger Günther Geiling, der sich bis heute in der Kreispolitik einsetzt, war zwölf Jahre im Gemeinderat tätig, dann sechs Jahre Zweiter und 18 Jahre Erster Bürgermeister in Breitbrunn. "Das habe ich als eine sehr schöne Aufgabe empfunden, mich für meine Bürger und das Gesellschaftsleben zu engagieren und unsere Gemeinde in eine gute Zukunft zu führen", sagt er heute. Und doch musste er vor zwölf Jahren erfahren, wie unbarmherzig die Wählergunst bzw. -ungunst darüber hinweggeht. Der Lehrer war damals trotz einer respektablen Bilanz mit fast Zwei-Drittel-Mehrheit aus dem Amt gekickt worden.

Die CSU-Vorsitzende Derra findet, dass die Gesellschaft grundsätzlich überdenken müsse, ob das kommunalpolitische Ehrenamt heute noch zeitgemäß sei. Stetig stehe man auch als nebenberuflicher Bürgermeister in der Öffentlichkeit, sei Druck und Kritik ausgesetzt, was die Aufgabe nicht unbedingt attraktiver mache. Sie wünscht sich, dass es mehr Anerkennung und weniger Kritik für diejenigen gibt, die sich für das Gemeinwohl engagieren.

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