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Die SPD-Basis wollte den Rücktritt von Andrea Nahles - und noch mehr

"Es war die richtige Entscheidung", kommentiert SPD Kreisvorsitzender Carsten Höllein den Rückzug von Andrea Nahles aus der Parteispitze. Er hatte schon nach dem schlechten Abschneiden der Partei bei ...
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"Es war die richtige Entscheidung", kommentiert SPD Kreisvorsitzender Carsten Höllein den Rückzug von Andrea Nahles aus der Parteispitze. Er hatte schon nach dem schlechten Abschneiden der Partei bei der Europawahl ihren Rücktritt als Vorsitzende gefordert.

Sein hartes Urteil: "Sie war mit ihrem gesamten Auftreten in der Bevölkerung schwer vermittelbar." Carsten Höllein beobachtet einen Wandel in der Art der Wahrnehmung von Parteien durch die Bevölkerung. "Parteiprogramme spielen eine immer kleinere Rolle, heute sind Leute mit Charisma gefordert, das hatte sie nicht." Höllein hatte nach der Bundestagswahl die Große Koalition befürwortet. "Zähneknirschend", wie er heute sagt. Jetzt meint er: "Man muss darüber nachdenken, ob es nicht besser wäre, wenn eine andere Koalition das Land regiert." Schwarz-Grün könnte er sich vorstellen oder eine Jamaika-Koalition aus Union, Grünen und FDP. Der Weg dahin führt für Carsten Höllein nicht unbedingt über Neuwahlen. Koalitionsverhandlungen wären nach einem Bruch der GroKo auch so möglich.

Gegen Schnellschüsse

Neustadts Oberbürgermeister Frank Rebhan trägt seit vielen Jahren Verantwortung für die SPD in der Kommunalpolitik. Für ihn war Andrea Nahles "nicht nur medial verbrannt", ihre Entscheidung daher "zwingend notwendig". Sie verdiene für diesen Schritt aber auch Respekt. Mit Blick auf die Zukunft sagt Frank Rebhan: "Ich hoffe, dass die Verantwortlichen jetzt keine Schnellschüsse machen, und dass sie bei der Frage der Nachfolge nicht unter sich selbst suchen." Die GroKo ist für ihn nicht zwingend eine Dauerlösung.

Weiter in Verantwortung bleiben

Tobias Ehrlicher steht für einen jungen Sozialdemokraten, der es als Mittzwanziger schaffte, die Bürger zu überzeugen und ihn zum Bürgermeister von Bad Rodach zu wählen. Für ihn ist der Rücktritt von Andrea Nahles eine konsequente und richtige Entscheidung, aber: "Es sollte nicht bei ihr alleine bleiben, der eine oder andere an der Parteispitze sollte sich überlegen, ihr zu folgen." Nur so, ist Tobias Ehrlicher überzeugt, könne die Partei einen Neuanfang schaffen. Dazu gehört für ihn vor allem, sich wieder klar zu profilieren. "Man weiß ja gar nicht mehr, wofür die SPD eigentlich wirklich steht", sagte er, ohne jedoch die Große Koalition infrage zu stellen: "Ich war von Anfang an für die GroKo, die SPD hat schon immer Verantwortung für das Land übernommen, wenn sie gefordert war." Das Land brauche jetzt keinen Wechsel, sondern eine stabile Regierung, die sich den aktuellen Herausforderungen stellt, von denen es genug gebe.

Stimmen im Netz

Für rege Diskussionen und zahlreiche Kommentare ist das Thema auf Facebook gut.

So schreibt dort etwa der SPD-Landtagsabgeordnete Michael Busch: "Nahezu alle der engen Genossinnen und Genossen aus dem Bundesvorstand und viele Funktionsträger bedauern jetzt den Rücktritt von Andrea Nahles. Ich sage: Es wird Zeit! Endlich hat sie es erkannt. Hier an der Basis hat man das längst erwartet! Jetzt nehmt euch bitte die Zeit, um besonnen nach einem/r Nachfolger/in zu suchen. Ich wünsche mir jemanden wie Uli Maly!"

Besonders aktiv im Netz und stets kritisch mit der eigenen Partei ist Wolfram Salzer, Mitglied des Neustadter Stadtrates. Für ihn ist die SPD "ein unsortierter Gemischtwarenladen". Er geht hart mit der Parteispitze ins Gericht: "Dass sich politische C-Promis wie jetzt noch Maas, Scholz, Schwesig & Co. an die Macht, und das heißt GroKo, klammern, um nicht in die persönliche Bedeutungslosigkeit zu fallen. Dieser persönliche Vorteil ist für sie wichtig, die SPD als Partei nicht mehr als Mittel zu diesem Zweck. Sie müssen allesamt ihren Hut nehmen."

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