Ebensfeld

Die Sonne dörrt die Felder aus

Es ist heiß, es ist trocken, es fehlt der Regen: Die Landwirte aus dem Landkreis Lichtenfels müssen heuer mit enormen Ertragseinbußen rechnen. Franz Böhmer verliert fast die Hälfte seiner Rapsernte.
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Die Sonnenblumen lassen bei so viel Hitze und Trockenheit die Köpfe hängen - sie sind teilweise braun und verdorrt, genau wie die Ernte einiger Landwirte. Foto: Matthias Einwag
Die Sonnenblumen lassen bei so viel Hitze und Trockenheit die Köpfe hängen - sie sind teilweise braun und verdorrt, genau wie die Ernte einiger Landwirte. Foto: Matthias Einwag
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Sarah Stieranka

Die Wetterstation Itzgrund-Herreth zeichnete für den Juli vier Mal Niederschlag mit fünf Litern pro Quadratmeter in Ebensfeld auf. Die restliche Zeit gab es kaum oder gar keinen Regen. Das bekommen vor allem die Landwirte zu spüren.
"Der Minderbetrag beim Mais liegt bei etwa 30 bis 60 Prozent", schätzt Hans Rebelein, Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), die Verluste derzeit ein. Verkraftbar sind zehn bis 20 Prozent - der ein oder andere Landwirt ist heuer auf Beihilfen angewiesen. "Die Landwirte müssen einen Antrag ausfüllen und nachweisen, dass sie nicht schlecht geerntet haben." Und selbst dann dürfen die Beihilfen nicht als Geldregen für Landwirte angesehen werden, die eine schwache Ernte hinter sich haben. "Dahinter verbergen sich einfach nur zinsgünstigere Darlehen, die die Landwirte zurückzahlen müssen", erklärt Rebelein.
Bernhard Storath, Bürgermeister der Gemeinde Ebensfeld und Bio-Landwirt, wird diese Beihilfen womöglich nicht benötigen. "Bei mir ist es mit dem Ertrag nicht so schlimm. Aber die Qualität der Körner hat gelitten und die Korngröße." Bernhard Storath baut Dinkel, Roggen, Weizen und Kartoffeln an - als Biobauer muss er die Natur hinnehmen wie sie ist, mit ihrer Trockenheit und der enormen Hitze. Doch die geht auch an ihm nicht vorbei. "Das gab es schon lange nicht mehr, dass wir Ende Juli mit dem Ernten fertig sind." Der Ertrag beim Roggen und Weizen sei im Vergleich zum vergangenen Jahr etwa gleich geblieben, der Ertrag bei den Linsen falle aber geringer aus.


Landwirt ist sehr frustriert

Deutlich schlimmer erwischt hat es den konventionellen Landwirt Franz Böhmer aus Ebensfeld-Niederau. "Es ist einfach frustrierend", seufzt er. "Da macht man eine Bodenuntersuchung und schaut, wie man mit der Düngung seinen Ertrag erreichen kann, dann geht man mit dem Mähdrescher raus und dann sowas." Mit sowas meint Böhmer einen Ertragsverlust von 30 bis 40 Prozent beim Weizen. Noch schlimmer fiel die Ernte beim Raps aus - da fehlt dem Landwirt etwa die Hälfte seines Ertrages. Statt 40 Doppelzentnern Raps kamen heuer lediglich 22 Doppelzentner zusammen.


Sommertemperaturen im April

Ebenfalls enorme Ertragseinbußen verzeichnet Böhmer beim Mais. "Es war ein wasserreicher Winter, aber das Frühjahr fiel aus." Stattdessen sommerliche Hitze im März und April. Das geht auch am Mais nicht spurlos vorbei. "Der Mais bildet bei zu viel Hitze und Trockenheit keine Kolben aus." Und die Kolben, die ausgebildet werden, seien klein und beinhalten weniger Körner.
"Normalerweise wird der Mais nicht vor Mitte September geerntet. Aber die Landwirte müssen den notreifen Mais jetzt bereits ernten." Ein weiteres Problem: Der Mais, der jetzt geerntet wird, verfügt vermutlich nicht über genügend Feuchtigkeit. Die wird aber benötigt, um die Saat der Pflanze zu silieren und somit zu konservieren. "Die Trockensubstanz sollte zwischen 28 und 35 Prozent liegen. Ist sie höher, ist der Mais braun und nicht einsilierbar."
Die enormen Verluste der Erträge wirken sich auch auf die Futtervorräte in der Tierhaltung aus. "Es wird zu Futterproblemen im Winter kommen. Natürlich, man kann Futter dazukaufen, aber wo kriege ich was her?", fragt Franz Böhmer.


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