Kulmbach

Die schwarzen Totenkopf-Husaren

Eine neue Sonderausstellung auf der Plassenburg zeigt das altpreußische Husarenregiment H 5. Diese Husaren beeindruckten Freund und Feind durch ihre schwarze Uniform. Ein weißer Totenkopf mit gekreuzten Knochen auf der Stirnseite der Filzmütze wirkte schockierend.
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Auch militärgeschichtlich ist die Sonderausstellung zum altpreußischen Husarenregiment H 5 auf der Plassenburg sehr interessant. Fotos: privat
Auch militärgeschichtlich ist die Sonderausstellung zum altpreußischen Husarenregiment H 5 auf der Plassenburg sehr interessant. Fotos: privat
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In zwei Vitrinen zeigt das Armeemuseum Friedrich der Große, Plassenburg ob Kulmbach, eines der berühmtesten altpreußischen Regimenter des 18. Jahrhunderts. 30 Objekte, die teilweise noch nie in der Öffentlichkeit gezeigt wurden, dokumentieren das äußere Erscheinungsbild einer Reitereinheit, die allein schon durch ihre Kleidung Furcht und Schreck erregte.

Schon kurz nach Regierungsantritt 1740 berichtet Friedrich der Große seinem literarischen Idol Voltaire: "Fürs erste habe ich die Macht des Staates um 16 Bataillone, 5 Schwadronen Husaren und eine Schwadron Gardes du Corps vermehrt." Dazu gehört auch die Neuaufstellung von zwei Eskadrons-Husaren mit schwarzem Dolman und Pelz (Jacke und pelzbesetzte Überjacke), die später in der Stammliste als H 5 aufgeführt werden.

Husaren sind im 18. Jahrhundert der leichten Reiterei zuzuordnen und dienten dem persönlichen Schutz des Herrschers, der Aufklärung, Nachrichtenübermittlung, Störung des Gegners hinter den feindlichen Linien, Vernichtung von feindlichem Nachschub und Verhinderung der Desertion in der eigenen Armee, später aber auch der aktiven Teilnahme an militärischen Großaktionen wie etwa in der Schlacht von Torgau im November 1760.

Schockierende Applikation

Die Husaren von H 5 beeindruckten Freund und Feind durch ihre schwarze Uniform mit kontrastreichen weißen Verschnürungen, was im Europa des 18. Jahrhunderts eine Seltenheit darstellte. Viel mehr aber noch schockierten sie mit dem weißen Totenkopf mit gekreuzten Knochen als Applikation auf der Stirnseite der schwarzen konischen Filzmütze der Gemeinen.

Die Entstehungsgeschichte dieser mortualen Emblematik ist nicht belegt, aber vielfach kolportiert worden: "Zur Uniform des Regiments sei das Tuch benutzt worden, womit der Saal ausgeschlagen war, in welchem die 1740 Leiche des Königs Friedrich Wilhelm I. auf dem Paradebette gelegen habe." Dieser Saal sei mit weiß gestickten Totenköpfen dekoriert gewesen, daher stamme der Totenkopf. In dessen Angedenken übernahm das am 9. August 1741 ins Leben gerufene 5. Husaren-Regiment (am 5. September 1741 im Lager von Göttun bei Brandenburg an der Havel unter Major von Mackenrodt zusammengestellt) eine schwarze Uniform mit Totenkopf an der Kopfbedeckung.

Eine andere Deutung ist diese: Die Mönche des Klosters Leubus hatten 1740 mit den gegnerischen Österreichern paktiert und sollten bestraft werden, indem sie die Kosten zur Errichtung des Regiments als Strafgelder und deren Ausstattung mit Waren des Klosters übernehmen mussten. Im Kloster wurden vorwiegend schwarze Stoffe mit weißen Totenköpfen zur Verwendung als Bahrtücher hergestellt.

Regiment mit 1000 Berittenen

Da Preußen als nicht sehr reiches Land galt und bei der Erstellung neuer Truppenteile erwiesenermaßen oftmals improvisiert hat und schwarze Stoffe recht einfach zu färben (und daher billiger) waren, sind beide Variationen nicht gänzlich unmöglich, "letztere scheint jedoch der Wahrscheinlichkeit näher zu kommen" (nach Wolfgang Schmid).

Schon 1742 war das Regiment auf die volle Stärke von zehn Eskadrons aufgefüllt worden, was etwa 1000 Berittenen entspricht. Im Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) trug H 5 die Last des Kleinkrieges gegen die übermächtigen russischen leichten Truppen. Im Westen verunsicherten und plünderten kleinere Abteilungen fränkische Gebiete (Vgl. die Kupferstich-Wandkarte links mit dem Feldzug von Prinz Heinrich durch Franken 1757). Zeitgenössische Chroniken der Gegenden von Bamberg und Höchstadt, die von Geld- und Warenerpressungen, Geiselhaft und körperlicher Folter berichten, dokumentieren das Leid der ländlichen Bevölkerung. Und immer wieder werden die Totenkopfhusaren namentlich erwähnt, die 1757 und 1759 in Franken eingefallen waren.

Gemälde der besonderen Art

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht ein besonderes Gemälde: Der Besitzer einer Mühle in Franken scheint 1759 auch unter den Leidtragenden gewesen, aber trotz Plünderung einigermaßen unversehrt davongekommen zu sein. Als Dank hat er sich wohl der Mutter Maria versprochen und ihr ein Votivbild gestiftet. Der Tradition nach soll das Ölgemälde aus einer Wallfahrtskirche aus der Gegend von Höchstadt/Aisch stammen. Es zeigt rechts eine mehrstöckige Getreidemühle, links am Waldesrand eine Kapelle und im Hintergrund die Silhouette einer Stadt, wahrscheinlich Neustadt/Aisch in Mittelfranken, das nachweislich im Siebenjährigen Krieg von Husaren von H 5 heimgesucht worden war. Über allem schwebt eine Pieta, die ihre rettenden Strahlen auf das Mühlengebäude richtet. Links davon der Drachen tötende Heilige Georg, rechts eine Bischofsgestalt, wohl der von Bamberg.

Die Nöte der Zivilbevölkerung

Militärgeschichtlich interessant ist die Plünderungsszenerie durch 13 schwarze Totenkopfhusaren. Während rechts fünf Husaren zu Pferd die Szene überwachen, bedrohen ein Offizier und ein Gemeiner den Müller; am linken Bildrand schleppen zwei Husaren Mehlsäcke weg. Die Müllerin mit ihrem Kind muss vor der Mühle weinend das Geschehen beobachten, in Ungewissheit des kommenden Geschehens. Drei vom Gesinde flüchten sich in den Wald hinter der Kapelle.

Der unbekannte Maler hat zwar in naiver, aber doch sehr eindringlicher Weise die Nöte der damaligen Zivilbevölkerung dargestellt. Am linken unteren Bildrand wird das Geschehen durch die Schrift "Ex VoTo.1759" zeitlich eingeordnet.

Weitere bedeutende Objekte

Drei weitere Objekte sollten Erwähnung finden:

? Persönlicher Husarenoffizierssäbel des Daniel Friedrich von Lossow, Regimentschef der Totenkopfhusaren 1762 - 1783, mit seiner "DFL"-Chiffre auf Griffkappenrücken ? Colorierter Kupferstich von Christian Gottlieb Liebe (1696 - 1753), der eine der frühesten Darstellungen eines Husaren von H 5 zu Pferd zeigt ? Ölgemälde: Reiterkampf zwischen französischen Husaren und preußischen Totenkopfhusaren im Siebenjährigen Krieg, um 1770

Außerdem wurden die Besetzung des westfälischen Klosters Marienfelde durch Tabatieren und Stiche von Daniel Chodowiecki thematisiert. Sie zeigen, wie während des Siebenjährigen Kriegs alkoholisierte Husaren von H 5 die Mönche zwingen, auf das Wohl des religiösen Erzfeindes Friedrich des Großen zu trinken. red

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