Herzogenaurach

Die "Redder" des Dialekts

Der Heimatverein Herzogenaurach will die fränkische Mundart vor dem Aussterben bewahren.
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"A Krätzn" ist keine ansteckende Krankheit, sondern ein geflochtener Henkelkorb.  Foto: Bernhard Panzer
"A Krätzn" ist keine ansteckende Krankheit, sondern ein geflochtener Henkelkorb. Foto: Bernhard Panzer

Klaus-Peter Gäbelein Der Heimatverein Herzogenaurach hat es sich zur Aufgabe gemacht, alte fränkische Ausdrücke zu bewahren und zu erhalten. Zahlreiche Zuhörer und aktive Teilnehmer kamen zur einer ersten Sitzung in den Steinweg.

Es klingt mir noch immer in den Ohren, wenn ich aus Omas Mund zu hören bekam "Grein Maichala grein, stegg dei Bfeifla ein, steggs nei der Wesdendaschn, hosd den ganzn Dooch zer naschn...!" Ich, der "klaa aufgschdellde Mäusdreeg" versank in Weltschmerz, weil ich mir das Knie "aufgschundn" hatte und die Großmutter, die ich übrigens sehr verehrte, tat das ab, als wäre nichts geschehen.

Und im Nachhinein resümiere ich (ein fürchterliches Fremdwort), dass mir die Großmutter mit ihrem weisen Spruch eigentlich Mut machen, mich wieder aufbauen wollte, trotz des blutenden Knies. Aber so sind sie, so sind wir Franken: hart gegen uns selbst, hart im Geben und hart im Nehmen.

Und beim Lesen der ersten Zeilen muss der Außenstehende erkennen: der Franke kennt kaum "harte" Laute: p, t und k werden zu "subberweichen" b, d und g! Ausnahmen lediglich: die Karasch, also hochdeutsch die Garage. Und des "Maichala" ist im fränkischen des "klaane Madla(i)", vielleicht die "Maichared", die Margarete, die noch dazu die Haare unter einem Kopftuch, einem "Maichala", verbirgt. Kopftuchverbot? Darüber gab es früher keine Diskussion, die Schulmädchen trugen es und ebenso die Hausfrauen oder die Bäuerinnen, wenn sie am Feld, also "aufm Agger" oder "in" der Wiese arbeiteten.

Einflüsse aus Frankreich

Sprache wandelt sich, hat sich stets verändert, vor allem als anfangs des 19. Jahrhundert in Deutschland die Staaten zusammenwuchsen und als die Brüder Grimm begannen, alte Begriffe zu sammeln und festzuhalten, als das Lateinische abgelöst wurde und das Französische Eingang fand, auch bei kleinen Leuten. Sie stellten sich in ihre guten Stuben nun ein "Chaiselongue", benutzten bei Regen einen "Parapluie", gingen als Fußgänger auf dem "Trottoir", warteten in Erlangen am Bahnhof auf dem "Perron" (Bahnsteig) geduldig auf den Zug, der sie nach Nürnberg und "retour" bringen sollte, nachdem sie vorher ordnungsgemäß aus ihrem "Portemonnaie" ein "Billett" gekauft hatten.

Nach dem Kirchen-Lateinischen, das den Menschen vor allem Alltags-Ausdrücke geliefert hatte, schwappte die Franzosenwelle auch über Franken hinweg. Und dann brachte der Rundfunk die neuhochdeutsche Schriftsprache mehr und mehr in die deutschen Haushalte und die Tageszeitungen und letztlich trugen die "Schulmeister" gezwungener Maßen ihren Teil dazu bei, dass die Mundart immer mehr ins Hintertreffen geriet, sieht man von der ländlichen Bevölkerung ab, wo bis heute die Mundart einen gewissen Stellenwert behalten hat.

Beim eingangs erwähnten Mundarttreff sprudelte es aus den Anwesenden nur so heraus, und so wurden Ausdrücke und Redensarten gesammelt, die man lange nicht mehr gehört hatte. Die beiden Gesprächsleiter mussten immer wieder Begriffe erklären, die in Vergessenheit geraten sind oder nur lokal begrenzt bekannt sind. Der Unterschied von "aaner Krätzn" zu "aaner Keetzn" war manchem nicht klar. Im Fränkischen ist die "Krätze" keine ansteckende Krankheit, sondern geflochtener Henkelkorb, den man zum Aufklauben von Kartoffeln nutzte, und im Bambergischen geht man abends sogar "nei in sei Grädsn" - gemeint ist damit das Bett. Vielfältig ist auch der Begriff "hutzen". Im Mittelhochdeutschen verstand man darunter "stoßen oder hetzen" wie in manchen Gegenden beim österlichen Spiel des Eierhutzens. Man kann einen anderen Menschen im Gedränge anhutzen (anstoßen), beim Fußballspiel auf den Gegenspieler "draufhutzen", und wer zu schnell unterwegs ist, kann sich leicht "derhutzen".

Reden mit der "Waffl"

"A Baddscher" ist in Franken mancherorts der Schnuller für ein Kleinkind, meistens jedoch die Bezeichnung für einen geistigen Defekt, weswegen man meist in der "Hupfla" landet (Heil- und Pflegeanstalt), und wer "an gscheidn Badscher" hat, der lebt jenseits von Gut und Böse. Man kann Beifall "badschn" und die Hände von Kleinkindern sind die "Badscherla".

Die Gesprächsteilnehmer erfuhren den Unterschied zwischen einem "Presssagg" und einem "Saisagg", erfuhren was "Buddselküh" oder "Moggerla" sind, nämlich Kiefernzapfen, die man zum Anheizen (Anschüren) im Steggerleswald gesammelt hat. "A Lusch" ist in der Regel ein wertloses Blatt beim Kartenspiel, aber auch die Bezeichnung für eine Kuh, die nicht trägt und insgesamt eine böse Beschimpfung für etwas Minderes, Wertloses und als "a klaans Lüschla" bezeichnet man ein durchtriebenes Mädchen. Die "Ludschn" ist dagegen eine Pfütze ("Den hodd's in a Riesen-Ludschn neighaud!").

Vielfältig sind mundartliche Bezeichnungen für den Mund: ist das "a Goschn", "a Waffl" oder gar "a Breiwaffl" und braucht der vielleicht "aane auf seiner Babbn" und hat der "an falschn Kuss grichd, wall der a Bebbn hodd"?

Fazit beim Gesprächsabend: Man muss und wird noch öfters zusammenkommen, um fränkische Ausdrücke in die Erinnerung zurückzurufen, denn Sprachen sind wie Pflanzen: Wenn sie nicht gepflegt werden, sterben sie aus. Die Leser dürfen gerne per E-Mail ihre fränkischen Lieblingswörter und Redewendungen schreiben an heimatverein@herzogenaurach.de. red

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