Rattelsdorf

Die Recherchen des Krimi-Autors

"Lupinenkind" heißt der neue Krimi von Helmut Vorndran. Er spielt in Bad Staffelstein und Forchheim, in der Vergangenheit und Gegenwart und verbindet ein nicht anerkanntes Wunder mit der Suche nach einem Familienmitglied.
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Wo in Heroldsbach damals Maria erschienen sein soll, steht heute eine katholische Gebetsstätte. Foto: Helmut Vorndran
Wo in Heroldsbach damals Maria erschienen sein soll, steht heute eine katholische Gebetsstätte. Foto: Helmut Vorndran
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Niklas Schmitt "Das ist der Stoff, aus dem Romane sind." So stand es im Frühjahr im FT in einer Geschichte über die Familie Schönbrunn. Rudi Schönbrunn war um 1950 mit drei Jahren von seiner Familie getrennt worden. Erst in diesem Jahr kamen die Geschwister wieder zusammen.

Jetzt muss es heißen, das ist der Stoff, aus dem der neue Krimi "Lupinenkind" von Helmut Vorndran ist. Der in einer alten Mühle in Rattelsdorf lebende Autor und Erfinder der Bamberger Kommissare Haderlein und Lagerfeld ist selbst auf Spurensuche gegangen.

Zwei Geschichten in einem Krimi

Über seine Lebensgefährtin Andrea Hellmuth, deren Mutter die Schwester von Rudi Schönbrunn ist, hörte er von der Geschichte. Gleich machte er sich daran, den verlorenen Bruder ausfindig zu machen - mit Erfolg. Vorndrans aktueller Krimi ist ihm gewidmet.

Das ist die eine Geschichte, die in "Lupinenkind" verarbeitet wird. Doch da gibt es noch eine weitere, heute fast vergessene. Zu ihr kam Vorndran, wie er sagt, wie die Mutter zum Kinde.

Eigentlich wollte er mal einen Krimi in Forchheim spielen lassen und startete im Oktober 2018 seine Recherchen. Dabei stieß er auf die Marienerscheinungen, die zwischen 1949 und 1952 in Heroldsbach im Landkreis Forchheim stattgefunden haben sollen.

Eine schwierige Geschichte

Mit Sicherheit lassen sich die Marienerscheinungen aber nicht belegen. Denn obwohl zehntausende Menschen aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz dabei gewesen waren und ein Professor der Theologie die Erscheinung bestätigte, erkennt die Katholische Kirche das Wunder bis heute nicht an.

"Es geht darum, was da eigentlich damals war", beschreibt Vorndran den Anlass seines Buches. Er betont, dass er nicht werten will, sich aber durchaus gegen die Wertung der Kirche wehrt. Er wollte nicht gegen die Gebetsstätte schreiben, sondern war an der prinzipiellen Einstellung interessiert, wie man mit Menschen umgeht: "Ich stelle mich auf einen neutralen Punkt."

Das heißt aber auch, zu erwähnen, dass die jungen Mädchen, die am 9. Oktober 1949 die Mutter Gottes gesehen haben wollen, vom Bamberger Erzbischof aus der Kirche ausgeschlossen wurden - "weil sie sich nicht untergeordnet haben", wie Vorndran das offizielle Schreiben zitiert.

Vorndran, der sich selbst als durchaus spirituell beschreibt, sagt nur, dass damals dort etwas gewesen ist, und betont: "Es kann jeder glauben, was er will."

Worum es ihm hingegen geht, ist diese Geschichte, die von ähnlicher Bedeutung ist wie die vergleichbaren Erscheinungen in Lourdes und Fatima, in Erinnerung zu rufen, denn er sagt: "Man kann aus der vergangenen Geschichte ganz viel lernen."

Mehr als nur ein Krimi

Gute fünf Monate hat Vorndran recherchiert. Aus den beiden besonderen Ereignissen, die ganz und gar nicht erfunden sind, hat er eine erfundene Krimihandlung gestrickt, die alles verbindet: die Gegenwart, in der ermittelt wird und die Vergangenheit, die Thema ist. "Der Mordfall nimmt zwar einen großen Raum ein, ist aber nicht das Wichtigste", sagt der Autor.

Nur ein wenig überdreht hat er manches, wie er erzählt. So stellt der Roman auch die Frage, was wäre, wenn es damals eskaliert wäre? Was steckt hinter der Erscheinung und dem Umgang mit den Menschen, die daran glauben? Durchaus spannende Fragen, die sich nicht in der historischen Betrachtung erschöpfen.

So ist Vorndran auch wichtig, die Antworten im Buch selbst offen zu lassen und sie dem Leser zu übergeben. "Es ist durchaus ein Ende zum Nachdenken", sagt er, ein Ende, das streng logisch denkende Menschen herausfordert.

Damit hat der Krimi auch eine ausgesprochen positive Seite. Denn Spiritualität ist erstmal nichts Kritikables, sondern etwas, das Menschen weiterbringen kann und auch Fragen an das Leben stellen kann.

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