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Die Rauhnächte - vergangenes Brauchtum um angsteinflößende Mächte

siegfried sesselmann Fast vergessen sind die früheren Zeiten, als die Weihnachtszeit vollkommen anders verlief als heute, nämlich als Zeit der Einkehr und S...
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Jedes Jahr um die Weihnachtszeit zieht in Trebgast die Strohberta mit ihrem Gefolge durch den Ort. Foto: Archiv/Dieter Hübner
Jedes Jahr um die Weihnachtszeit zieht in Trebgast die Strohberta mit ihrem Gefolge durch den Ort. Foto: Archiv/Dieter Hübner
siegfried sesselmann

Fast vergessen sind die früheren Zeiten, als die Weihnachtszeit vollkommen anders verlief als heute, nämlich als Zeit der Einkehr und Stille, wenn ab Kathrein am 25. November Heirats- und Tanzverbote galten und die Menschen zu außergewöhnlichen Zeiten die Rorateämter beim Kerzenschein die Kirchen besuchten.
Der heutige Andreastag am 30. November galt von alters her als Losnacht (Los in der Bedeutung von Schicksal), in der man gern die Zukunft befragte. Auch wenn dieser Brauch heidnischen Ursprungs war, war es doch interessant, wenn Verliebte einen Pantoffel rückwärts gegen die Tür warfen. Blickte die Spitze gegen den Eingang, so war bald mit einem Freier zu rechnen.
Der Barbaratag am 4. Dezember ist noch eher in Erinnerung, wenn man Kirsch-, Schlehdorn- oder Fliederzweige in lauwarmes Wasser stellte. Nur dann werden die noch kahlen Äste zum Christfest erblühen und bringen sicherlich Glück in der Liebe und Fruchtbarkeit im Stall und auf dem Feld.
Allen bekannt ist selbstverständlich der Nikolaustag am 6. November, aber dass Frau Holle und die Eisenbertha, die wilde Bertha, als Kinderschreck auftraten, ist in Vergessenheit geraten. Die Dämonengestalt, die "Percht", eine hässliche Alte mit langer, spitzer Vogelnase und wirren Haaren, weitem Kittel, langem Messer und klirrenden Eisenketten schaut vor Weihnachten durchs Fenster, ob die Kinder brav waren. So kam auch am 13. Dezember die heilige Luzia, sowohl gutartig als auch bösartig. Die Luzianacht galt von je her als eine der unheilvollsten Nächte, als Hexen- und Drudennacht allerersten Ranges. Das Wissen, die "Luz" geht um, jagte allen Kindern Angst und Schrecken ein.
Da der Heilige Thomas von den Jüngern Christi derjenige war, der am längsten an seiner Auferstehung zweifelte, legte die Kirche das Fest des Heiligen auf die längste Nacht des Jahres am 21. Dezember, dem kalendermäßigen Winteranfang. Die Thomasnacht führte die Menschen als Vorbote hinein in die geheimnisvolle Zeit der Rauhnächte. Sie gehörte zu jenen Losnächten, in denen Hexen und Kobolde und das wilde Heer höhere Macht hatten. In dieser Nacht feierten die Toten ihre Messe und Mädchen ließen mit Sprüchen Liebesorakel wirken.
Mit Weihnachten am 25. Dezember begann das neue Jahr, aber mit der Reformation und endgültig 1691 wurde der 1. Januar als Neujahrstag festgelegt. Vor 813 war das alte Neujahr der 6. Januar. Die 12 Tage zwischen dem 25. Dezember und dem 6. Januar waren ein Zeitrechnungsausgleich zwischen diesen verschiedenen Jahresanfängen. Kalendermäßig stellten die "Zwölften" auch die 12 Zuschlagstage dar, die den Unterschied zwischen dem alten Mondjahr unserer nordischen Vorfahren von 354 Tagen und dem Sonnenjahr von 366 Tagen ausglichen. Nach germanischer Vorstellung tobte in dieser Zeit der Kampf zwischen Licht und Finsternis, zwischen guten und bösen Geistern, denen der Mensch möglichst ausweichen soll. Niemand ging früher gerne nachts übers Land.
Bei allen Bräuchen waren heidnischer und christlicher Glaube miteinander vermischt. Das Spinnrad stand still, Flicken und Nähen bedeuteten Unglück. An diesen Zwölften ruhten alle Fehden. Jede Tätigkeit, die eine Drehbewegung voraussetzte, war verboten. Kein Bauer drosch Korn, fahren mit dem Schlitten war erlaubt, aber nicht mit dem Wagen. Es wurde kein Brot gebacken, sonst brennt im folgenden Jahr das Haus. Es durfte keine Wäsche gewaschen werden, besonders Bettwäsche, ansonsten wird man im kommenden Jahr aus seinem Haus einen Toten tragen. Man durfte weder die Haare noch die Fingernägel schneiden, sonst erlebt man eine schwere Krankheit. Mit dem Gebetläuten ruhte fast jede Tätigkeit, denn dann begann der dämonische Geisterspuk. Es wurde dann keine Kuh mehr gemolken, niemand schöpfte mehr Wasser, niemand rührte das Kartenspiel im Wirtshaus an. Türen durften nicht offen stehen, weil sonst Hexen und böse Geister ins Haus kommen.
Mit Dreikönig gingen die Zwölften zum "Obersten" zu Ende. Die Liste der Bräuche ist weit länger als hier dargestellt. Von den Bräuchen blieb zum Beispiel das Stärkeantrinken. So sehr hat sich die Weihnachtszeit mit den Jahrhunderten geändert.
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