Hutschdorf
Fachklinik

"Die Prägungseffekte auf die Kinder sind extrem hoch"

Der Fachklinik "Haus Immanuel" stattete die SPD-Kreistagsfraktion einen Besuch ab. Die Kreisräte mit Fraktionschef Simon Moritz an der Spitze wollten einen Einblick in die Arbeit der Rehabilitationsei...
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Der Fachklinik "Haus Immanuel" stattete die SPD-Kreistagsfraktion einen Besuch ab. Die Kreisräte mit Fraktionschef Simon Moritz an der Spitze wollten einen Einblick in die Arbeit der Rehabilitationseinrichtung für suchtkranke Frauen gewinnen.

Die 1907 gegründete Klinik ist spezialisiert auf die Behandlung alkohol- und medikamentenabhängiger Frauen mit Sekundärindikation Ess-Störung und Glücksspielsucht. Wie Leter Gotthard Lehner darlegte, hält die Einrichtung heute 60 reguläre Klinikplätze vor und bietet verschiedene medizinische und therapeutische Behandlungen. Darüber hinaus unterhält die Klinik zwölf Unterbringungsplätze für Kinder bis zwölf Jahren bereit, da sich unter den alkohol- oder anderweitig suchtkranken Frauen häufig auch junge Mütter befinden.

Nahe bei der Mutter

Für den in der Regel 15-wöchigen Zeitraum der Therapie ist damit laut Lehner eine Unterbringung der Kinder nahe bei der Mutter gewährleistet. Selbst der ortsnahe Schulbesuch für diesen Zeitraum werde durch die Klinik ermöglicht und organisiert. Der Leiter verhehlte nicht, dass ihm die Betreuung der Kinder sehr am Herzen liegt. Kinder von suchtkranken Müttern seien einem deutlich höheren Risiko ausgesetzt, selbst einmal beispielsweise dem Alkohol zu verfallen. "Die Prägungseffekte sind leider extrem hoch." Dem müsse man aktiv vorbeugen, finanziell sei dies nicht immer leicht: "Unsere Plätze für die Kinder werden nicht in gleichem Maße vom Staat gefördert wie reguläre Betreuungseinrichtungen. Und dies, obwohl wir auch eine enorm wertvolle Gesundheitsprävention leisten." Zum Erhalt der Plätze sei man deshalb auf Spenden angewiesen.

Große Spendensummen, darunter über 200 000 Euro von der Deutschen Fernsehlotterie, konnte die Fachklinik vor rund zwei Jahren für ihren Turnhallenneubau akquirieren. "Das war für uns wirklich wie ein Lottogewinn", so Lehner. Die 2017 eröffnete Turnhalle habe enorme Bedeutung für die Arbeit der Einrichtung: "Sport- und Bewegungstherapie spielen bei uns eine sehr große Rolle."

Von den Kreisräten wünschte sich Lehner eine Verbesserung der ÖPNV-Anbindung. Da man keine "geschlossene Einrichtung" sei, hätten viele Patientinnen den Wunsch, leichter für Erledigungen beispielsweise nach Thurnau zu gelangen. Möglicherweise böte auch die Etablierung der neuen "Campus-Linie" von Bayreuth über Thurnau nach Kulmbach eine Chance zur besseren Anbindung. Dies konnten die SPD-Räte zwar nicht zusagen. Simon Moritz und die örtliche Gemeinderätin Dunja Pfaffenberger versprachen aber, den Wunsch an die zuständigen Stellen im Landratsamt weiterzutragen. red

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