Kronach

Die Poesie hängt an der Leine

Seit Montag sind in der Galerie im Kronacher Landratsamt dreizeilige Kurzgedichte angehender Gesundheits- und Krankenpfleger zu bewundern. Die kleinen poetischen Kostbarkeiten entstanden in Ingo Cesaros Literaturwerkstatt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Seit Montag sind in der Galerie im Kronacher Landratsamt dreizeilige Kurzgedichte angehender Gesundheits- und Krankenpfleger zu bewundern. Die jungen Leute trugen jeweils eines ihrer Gedichte vor. Foto: Heike Schülein
Seit Montag sind in der Galerie im Kronacher Landratsamt dreizeilige Kurzgedichte angehender Gesundheits- und Krankenpfleger zu bewundern. Die jungen Leute trugen jeweils eines ihrer Gedichte vor. Foto: Heike Schülein

"Der Wind weht umher - eisig zittern die Menschen - Hoffnung stirbt zuletzt" oder "Die Gefahr so nah - meine Angst wird immer mehr - das Glück scheint so fern". Solche und weitere Gedankenwelten in Haiku-Form hängen seit Montag, befestigt mit Wäscheklammern, an Leinen in der Landratsamt-Galerie.

Bei den poetischen Kostbarkeiten handelt es sich um Senryu, eine Art deutsche Form des traditionellen japanischen Kurzgedichts Haiku, das pro Zeile 5, 7 und 5, insgesamt also 17 Silben, aufweist. Mit der stimmungsvollen Ausstellung findet das mehrere Schichten umfassende Literaturprojekt "Mit Literatur über den Berg" unter Anleitung von Ingo Cesaro einen weiteren Höhepunkt.

Die Zeilen voller Wärme und Anteilnahme stammen von 23 Schülern der Berufsfachschule für Krankenpflege in Kronach. Die angehenden Gesundheits- und Krankenpfleger hatten überwiegend melancholische Texte zu Papier gebracht, so beispielsweise "Gipfel im Nebel - Wege ins Verborgene - ins Herz des Lebens" oder "Einen Weg zu geh'n - ihn niemals zu verlassen - ist Schwerstes für uns". Nachdem sie damit einen toten Baum vor dem Krankenhaus durch die Kraft der Poesie neu belebt hatten, erfreut nun eine von ihnen getroffene Auswahl ihrer Gedichte Mitarbeiter und Besucher des Landratsamtes.

"Mit Literatur über den Berg"

Zur Ausstellungseröffnung konnten stellvertretender Landrat Gerhard Wunder und Kreiskulturreferentin Gisela Lang die 22 Schülerinnen und den einen Schüler des Kurses 56 mit ihrer Leiterin Petra Engelhardt sowie Mathias Lau, Leiter der Berufsfachschule, ebenso begrüßen wie den Initiator Ingo Cesaro.

Dessen Dank galt insbesondere den Schülern sowie den Verantwortlichen der Berufsfachschule, die den jungen Leuten seit nunmehr rund 25 Jahren die Teilnahme an dem Sprachprojekt ermöglichen. Sehr wichtig ist dem Schriftsteller dabei, die Ergebnisse nach außen zu tragen: "Die Texte sollen sich außerhalb bewähren."

Neben dem Poesiebaum vor dem Krankenhaus und dem "Weg der Poesie" im Eingangsbereich der Klinik gehe man mit der Ausstellung alljährlich im Landratsamt noch einen Schritt weiter, nämlich in die breite Öffentlichkeit.

Die nachhaltige Literaturwerkstatt hatte für den 56. Kurs an der Berufsfachschule für Krankenpflege stattgefunden. Traditionell stand diese erneut unter dem Motto "Mit Literatur über den Berg", womit man insbesondere auch das Überwinden einer Krankheit in Verbindung bringt. Nach dem - so Cesaro - "ersten Schock", dass sie Gedichte schreiben sollten, hätten die Auszubildenden immer besser in die Spracharbeit hineingefunden und es schließlich genossen, ihre Gedankengänge zu Papier zu bringen. "Es ist wichtig, dass die jungen Leute ihre Gedanken zu ihrem harten Berufsalltag kompensieren und ihnen ein Ventil geben", zeigte er sich sicher. Hierfür eigneten sich die 17 Silben besonders gut, als einfachste und kürzeste Möglichkeit, Erlebnisse und Gedanken, Wünsche und Hoffnungen sowie Sorgen und Ängste auszudrücken. Die meisten dabei entstandenen Gedichte drehten sich dann auch um ihren Berufsalltag, um Nachdenkliches und Trauriges. Abschließend hoffte er, die Literaturwerkstatt möge ihnen im Gedächtnis bleiben.

Unvergessliche 17 Silben

Davon zeigte sich die Kreiskulturreferentin überzeugt: "Die 17 Silben werdet ihr niemals mehr vergessen im Leben." Sie ermunterte die Auszubildenden, auch in Zukunft bei Durchhängern im Leben oder auch in glücklichen Momenten ihre Gedanken in Haiku-Form festzuhalten. Für ihre täglich geleistete Arbeit für ihre Mitmenschen zollte sie ihnen großen Respekt: "Ich bewundere das sehr. Ihr vollbringt eine große Leistung."

Die Ausstellung sei ihr Jahr für Jahr eine große Freude, sehe sie doch stets mit Entzücken, wie Besucher und Mitarbeiter die Texte voller Interesse lesen und dabei auch hin und wieder ihre Köpfe verrenken.

Mathias Lau freute sich über den Fortbestand der Literaturwerkstatt. Traditionell hatte er anlässlich der Ausstellungseröffnung, der auch viele ehemalige Aussteller beiwohnten, selbst ein Haiku gedichtet, und zwar über den Ideengeber Cesaro: "Meister der Worte - Führer in neue Welten - seit vielen Jahren".

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren