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Die Palmprozession in Haßfurt fällt aus - die Blicke gehen auf ein Bild

"Geht in das Dorf, das vor euch liegt, dort werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Fohlen bei ihr. Bindet sie los und bringt sie zu mir! Und wenn euch jemand zur Rede stellt, dann sagt: Der ...
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Einzug Jesu in Jerusalem: Tafel aus dem Perikopenbuch Kaiser Heinrichs II. und seiner Gemahlin Kunigunde, geschaffen 1002 bis 1012 in der Reichenauer Malschule.  Foto: Bayerische Staatsbibliothek München
Einzug Jesu in Jerusalem: Tafel aus dem Perikopenbuch Kaiser Heinrichs II. und seiner Gemahlin Kunigunde, geschaffen 1002 bis 1012 in der Reichenauer Malschule. Foto: Bayerische Staatsbibliothek München

"Geht in das Dorf, das vor euch liegt, dort werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Fohlen bei ihr. Bindet sie los und bringt sie zu mir! Und wenn euch jemand zur Rede stellt, dann sagt: Der Herr braucht sie, er lässt sie aber bald zurückbringen." So schreibt der Evangelist Matthäus über den Einzug Jesu am Passahfest in Jerusalem. An diesem Festtag gedachten die Israeliten der Befreiung aus Ägypten und des Durchzugs durch das Rote Meer.

In Haßfurt ziehen seit 2013 evangelische und katholische Christen an Palmsonntag gemeinsam durch die Stadt und erinnern mit ihren Gebeten, Gesängen und Palmzweigen an den Einzug Jesu in Jerusalem. Dieses Jahr muss die Palmprozession als Schutzmaßnahme vor dem Coronavirus ausfallen. Doch bleibt die Möglichkeit, dieses Ereignis anhand vieler biblischer Darstellungen nachzuerleben: etwa im Perikopenbuch Heinrichs II. und seiner Gemahlin Kunigunde, einer Prachthandschrift aus der "Reichenauer Malschule" um 1007 bis 1012. Als Perikopenbücher werden die Bücher bezeichnet, die liturgische Texte für den Gottesdienst enthalten.

Der Evangelist Matthäus beschreibt den Einzug hier sehr anschaulich. Die beiden Jünger bringen die Eselin und ihr Junges. So geht nach Matthäus das Schriftwort vom Propheten Sacharja aus dem sechsten Jahrhundert vor Christus in Erfüllung: "Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir ... er ist demütig und reitet auf einem Esel."

Jesus reitet in der Bildmitte auf einer Eselin, an deren Euter ein Fohlen trinkt. Die Szene wird hervorgehoben durch einen goldenen Hintergrund. Grüßend hebt Jesus seine Rechte zu einer Gruppe von Bewohnern Jerusalems hin, die ihn willkommen heißt. Er sitzt nicht auf einem Sattel, sondern auf einem Mantel, wie es im Text heißt. Auf den Weg haben die Bewohner der Stadt ihre Kleider gelegt. Ein Junge ist voller Begeisterung auf einen Baum geklettert und hat einen Palmzweig abgebrochen. Er hält ihn Christus entgegen. Andere Kinder breiten ihr Gewand aus und begrüßen Christus ebenfalls mit einem Palmzweig. Eine Menschengruppe folgt dem in die Stadt einziehenden Christus: darunter wohl zwei Apostel. Sie verbinden sich durch ihr weißes Gewand mit dem in die Stadt kommenden Mann aus Nazareth.

Klar, einfach und eindeutig hat der Künstler dieser Miniatur eine Struktur gegeben, die das Wesentliche des Geschehens erkennen lässt. Große Hände und lange Finger betonen die Mimik der dargestellten Personen.

Wissenschaftler schätzen dieses Perikopenbuch Heinrichs II. mit einem Zyklus von 25 Bildern zum Leben Jesu als einmalig in der mittelalterlichen Buchkunst. Dazu zählen auch die Zier- und Schriftseiten mit den Textseiten der ausgewählten Evangelien.

Die Handschrift war für den Dom in Bamberg bestimmt. Sie war dort als eine der größten Kostbarkeiten des neugegründeten Bistums jahrhundertelang verwahrt. Im Zuge der Säkularisation gelangte sie um 1803 nach München (bayerische Staatsbibliothek). Seit 2010 besitzt Bamberg eine Faksimilie-Ausgabe des wertvollen Originals.

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