Gößweinstein

Die neue Werbestrategie wirkt

Von 1967 bis 1974 existierte in der Fränkischen Schweiz eine Werbegemeinschaft. Denn der Fremdenverkehr war in die roten Zahlen geraten. Die Region hatte starke Konkurrenz.
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In Rückbesinnung auf die guten alten Zeiten, als der Ort als Kurzentrum berühmt war, warb Gößweinstein 1965 mit einer Schrothkur um Gäste. Repro: löw
In Rückbesinnung auf die guten alten Zeiten, als der Ort als Kurzentrum berühmt war, warb Gößweinstein 1965 mit einer Schrothkur um Gäste. Repro: löw

Die Arbeit des Gebietsausschusses muss auf eine neue Ebene gehoben werden, um den werblichen Anforderungen in der Fränkischen Schweiz gerecht zu werden. Gemeinsames Werben ist effektiver. Diese Erkenntnis setzte sich immer deutlicher durch. Daher fiel während der Arbeitstagung des Gebietsausschusses am 13. November 1967 der Beschluss, eine Werbegemeinschaft zu gründen.

Heinrich Endrös, Verkehrsamtsleiter und damals Zweiter Bürgermeister von Gößweinstein, wurde zum Vorsitzenden gewählt. Er berichtete davon, dass es schon seit fünf Jahren Bestrebungen und erste Ansätze gegeben habe, verstärkt gemeinsame Werbung zu betreiben, die vor allem auf Inseratwerbung in großen Zeitungen abzielt.

Gemeinsam statt allein

Durch gemeinsame Werbung soll erreicht werden, dass die Inserate größer werden können und durch eine gute grafische Gestaltung ins Blickfeld der Leser rücken - so steht es im Gründungsprotokoll der Werbegemeinschaft und weiter: "In den letzten Jahren wurden durch die Schaffung der Ortsprospekte entsprechende Werbemittel zur Verfügung gestellt. Sie reichen jedoch nicht aus, da eine wahllose Streuung erfahrungsgemäß wenig Erfolg bringt." Vielmehr sollte der Leser durch ein gemeinsames Inserat angesprochen und dafür interessiert werden, Prospektmaterial anzufordern.

Konkurrenz Fichtelgebirge

Der Verweis auf die "Konkurrenz" wie dem Fichtelgebirge, wo damals schon 15 000 Mark für Inserate ausgegeben wurden, half schließlich der Gründung auf die Sprünge. In der Gründungsversammlung erklärten sich die Landkreise Ebermannstadt und Pegnitz bereit, jeweils 3000 DM zu geben, der Landkreis und die Stadt Forchheim beteiligten sich mit je 1500 Mark, und die Erholungs- und Luftkurorte, die einen eigenen Prospekt haben, sollten rund 6000 Mark beisteuern.

Als Umlagemaßstab bot sich der Beitrag zum Fremdenverkehrsverband an. Die Gemeinden Egloffstein, Behringersmühle, Gößweinstein, Pottenstein, Muggendorf und Waischenfeld signalisierten ihre Bereitschaft; auch Betzenstein, Streitberg und Gräfenberg wollten sich finanziell beteiligen. Mindestens vier Jahre lang soll der Werbeausschuss bestehen, "um eine kontinuierliche Arbeit sicherzustellen".

Befürwortet wurden bei der Gelegenheit weitere Werbemaßnahmen, so der Druck einer gemeinsamen Kurkarte, mit der Bürgermeister Dippold aus Pottenstein "gute Erfahrungen gemacht" habe.

Außerdem wurde der Druck eines Veranstaltungskalenders besprochen. Eine Betreuung dieser Art gehöre einfach zu einem Erholungsgebiet, meinte Endrös, der weiter feststellte, "dass man vor 50 und 100 Jahren viel mehr Zeit und Geld aufgeboten hat, um den Gast in die Fränkische Schweiz zu holen als heute". Die Fränkische Schweiz habe in Nordbayern eine sehr starke Konkurrenz, meinte Endrös weiter. Leider habe man keine Wintersaison. Umso stärker müsse man sich auf den Sommer konzentrieren.

Panoramakarte

Landrat Dittrich (Pegnitz) als Vorsitzender des Gebietsausschusses kündigte an, dass demnächst eine Panoramakarte mit einer Auflage von 250 000 Exemplaren gedruckt wird, die in allen Sparkassen zwischen Nürnberg und Forchheim in Form eines Werbegeschenkes verteilt werde.

Ausschlaggebend für die Gründung des Werbeausschusses war die Einschätzung des Fremdenverkehrsverbandes Nordbayern, der in seinem Resümee für 1967 meinte: "In die roten Zahlen geraten ist der Fremdenverkehr in der Fränkischen Schweiz. Wir haben aufmerksam die Entwicklung des Fremdenverkehrs seit Jahren verfolgt, und die roten Zahlen sind uns ein Dorn im Auge. Wir müssen mit der Werbung nach innen beginnen, das Misstrauen der Fremdenverkehrsgemeinden gegeneinander ausräumen und alle Bürgermeister an einen Tisch bringen, dann wird der Fremdenverkehr neue Impulse erhalten", sagte der Verkehrsdirektor Konrad Gorlicki.

Riesigen Erfolg verbucht

Im Frühjahr 1969 verbuchte die Werbegemeinschaft einen riesigen Erfolg: Bei einem Preisausschreiben mit 500 Preisen im Wert von 10 000 Mark sind 3600 Anfragen eingegangen. Alle 18 Tourismusgemeinden beteiligten sich daran. Sie spendeten unter anderem 70 Freiaufenthalte, 180 Sachpreise und 250 Trostpreise. Das Preisausschreiben bestand aus einem Werbeprospekt, in dem die Region vorgestellt wurde.

Die Werbegemeinschaft existierte bis 1974. Danach sind ihre Aufgaben auf die Tourismuszentrale Fränkische Schweiz übergegangen.

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