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Haßfurt

Die Natur braucht Pflege

Der Kreis Haßberge investiert viel Geld in die Landschaftspflege. Schwerpunkte sind Schutzgebiete.
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Alljährlich werden Biotopflächen im Kreisgebiet vom Landkreis Haßberge gepflegt. Die Pflegearbeiten dienen dem Erhalt der heimischen Artenvielfalt und sind laut einer Mitteilung des Landratsamtes in Haßfurt ein Teil der Umsetzung der bayerischen Biodiversitätsstrategie.

Im Jahr 2019 wurden vom Landkreis 148 Landschaftspflegemaßnahmen auf 166 Hektar Biotopflächen in Auftrag gegeben, die von Landwirten, meist Mitgliedern des Maschinenrings Haßberge, ausgeführt wurden. Die Pflegesaison beginnt im Juni und geht bis November. Einzelne Arbeiten ziehen sich bis in den Februar des nächsten Jahres.

"Die Erhaltung und Entwicklung der Kulturlandschaft mit ihrer Vielfalt an Pflanzen und Tierarten durch die Landschaftspflege hat in unserem Landkreis Haßberge einen hohen Stellenwert", betont Landrat Wilhelm Schneider. Im Umfeld der Gemeinden werden durch die Landschaftspflege für die Bevölkerung und den Tourismus attraktive Naherholungsgebiete erhalten.

Für die wandernden Amphibien

Eine spezielle Artenschutzmaßnahme findet bereits im zeitigen Frühjahr statt. Zur Amphibienwanderung werden jährlich an acht Standorten entlang von Straßen im Landkreis auf insgesamt rund drei Kilometern Länge mobile Amphibienschutzzäune von Landwirten errichtet und nach Ende der Wanderung wieder abgebaut. Finanziert werden die Arbeiten über Fördergelder des Freistaates Bayern, die sogenannte Landschaftspflege- und Naturparkrichtlinie (LNPR). Der Landkreis erhält daraus zwischen 70 und 90 Prozent Förderung.

Zusätzlich zu den LNPR-Mitteln stehen der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt noch sogenannte "Ersatzgelder" zur Verfügung. Dies sind Gelder, die für Eingriffe in Natur und Landschaft zu zahlen sind, wenn Eingriffsverursacher keinen Ausgleich in Form von Flächenbereitstellung oder Maßnahmen erbringen können oder wollen.

Insgesamt wurden im Landkreis Haßberge 2019 für rund 380 000 Euro Naturschutzmaßnahmen in Auftrag gegeben und durchgeführt.

Der überwiegende Teil der Landschaftspflegearbeiten findet entlang des Haßbergtraufs, dem südlichen und westlichen Anstieg der Haßberge, zwischen Stettfeld und Nassach statt. Hier reihen sich an den besonnten Süd- und Westhängen blütenreiche Halbtrockenrasen und Wiesenflächen aneinander. Auch Streuobstwiesen, Feuchtwiesen und weitere wertvolle Biotopflächen, verteilt über den gesamten Landkreis Haßberge, werden jährlich gepflegt.

Am Haßbergtrauf

Die Schwerpunkte der Pflegemaßnahmen lagen 2019 im Naturschutzgebiet Ebelsberg zwischen Ebelsbach und Stettfeld, am Haßbergtrauf zwischen Augsfeld und Zeil und an der Wallburg bei Eltmann. Dort wurden Flächen von insgesamt 2,6 Hektar entbuscht, um zusätzliche Offenflächen zu schaffen, die zukünftig regelmäßig gemäht werden sollen. Durch die regelmäßige Mahd werden blütenreiche Halbtrockenrasen entwickelt. Ohne Mahd würde sich ein dicker Altgrasfilz bilden, der das Wachstum und die Blüte der zahlreich vorkommenden Kräuter verhindert. Die Gebüsche würden wieder aufwachsen und sich durchsetzen.

Die Landschaftspflegemaßnahmen finden laut Landratsamt auf ehemals landwirtschaftlich genutzten Flächen statt, die aufgrund ihrer Steilheit, Nässe oder Kleinflächigkeit aufgegeben wurden und nun brachliegen würden. Diese Flächen sind aber von unschätzbarem Wert für die Biodiversität, da sie bei richtiger Pflege und Bewirtschaftung den größten Artenreichtum hervorbringen. Diese blütenreichen Grünlandflächen sind Grundlage für Insektenreichtum, der wiederum die Nahrungsgrundlage für Vögel und zahlreiche andere Tierarten bildet.

Auch im laufenden Jahr

Die Landschaftspflegemaßnahmen für 2020 sind in Vorbereitung. Ein Maßnahmenkatalog wurde an den Maschinenring, das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und an den Bayerischen Bauernverband übermittelt. Im Rahmen einer formlosen Preiseinholung konnten Land- und Forstwirte Angebote für die Erledigung einzelner Maßnahmen abgeben. Dann werden die Förderanträge bei der Regierung von Unterfranken in Würzburg gestellt.

Zahlreiche langjährige Pflegeflächen konnten über verschiedene Beweidungsprojekte und Vermittlung von Mahdflächen wieder in eine naturschutzkonforme Bewirtschaftung durch landwirtschaftliche Betriebe überführt werden. Dafür erhält der landwirtschaftliche Betrieb Fördermittel durch das bayerische Vertragsnaturschutzprogramm. Mittel für Landschaftspflegemaßnahmen werden somit für die Verbesserung neuer, brachliegender Flächen frei. red