Trieb

Die Mönche aus Langheim prägten Trieb und seine Bewohner einst sehr intensiv

Dem kleinen Ort kam zur Zeit des Klosters Langheim große wirtschaftliche Bedeutung zu. Bezirksheimatpfleger Dr. Günter Dippold führte am Samstag seitens des Geschichtsvereins CHW (Colloquium Historicu...
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Was wenige wissen: Das "Schlösschen" in Trieb besitzt eine geheime Wendeltreppe - erbaut wurde es zu Zeiten des Klosters Langheim. Fotos: Corinna Tübel
Was wenige wissen: Das "Schlösschen" in Trieb besitzt eine geheime Wendeltreppe - erbaut wurde es zu Zeiten des Klosters Langheim. Fotos: Corinna Tübel
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Dem kleinen Ort kam zur Zeit des Klosters Langheim große wirtschaftliche Bedeutung zu. Bezirksheimatpfleger Dr. Günter Dippold führte am Samstag seitens des Geschichtsvereins CHW (Colloquium Historicum Wirsbergense) durch das Klosterdorf und machte etwa am Berghof oder Schlösschen Halt.

Was einst als Geschenk für das nahe Kloster Langheim galt, entpuppte sich bald als Schatz: Trieb mit seiner großen Gutswirtschaft und vielen kleinen zugeordneten kleinbäuerlichen Anwesen war für die Wirtschaft der damaligen Abtei sehr wichtig, sagte Dippold.

Rund 200 Vereinsmitglieder und andere Geschichtsinteressierte waren gekommen. Sie lauschten den Ausführungen zu den Hintergründen über die Karolinenhöhe, die schon im 18. Jahrhundert auf Grund ihrer Lage an der Hauptverkehrsstraße von Lichtenfels Richtung Norden ein Gasthaus beherbergte. "Wie eine Fernfahrerkneipe", schmunzelte Günter Dippold. Auch ein Schmied habe sich dort entlang angesiedelt. Über die später erbaute Schule und Kirche gelangten die Exkursionsteilnehmer in den Berghof, damals, der früher eine "Langheimsche Hofmeisterei" gewesen ist.

Das beeindruckende Gebäude vermittle barockes Flair, weise aber einige Elemente der Renaissance auf, so Dippold. Dort residierte ein klösterlicher Hofmeister, zumeist ein verdienter, ältlicher Mönch, und betreute eine kleine Schar von Knechten und Mägden bei der Viehzucht, in der Schäferei und Fischerei. Die Mönche des Klosters Langheim kamen nur selten nach Trieb, beispielsweise in den sogenannten "Aderlass-Ferien". Zweimal im Jahr für circa vier Tage ließen sich die Mönche zur Ader und erholten sich anschließend dort "von allen Verpflichtungen zum Chorgebet befreit", so die Quellen. Auf dem weitläufigen Areal war überdies eine Brauerei untergebracht, die zwischen November 1740 und April 1741, außerhalb der Wallfahrtssaison, allein 65 Hektoliter Bier nach Vierzehnheiligen lieferte. Nach der Auflösung des Klosters Langheim 1803 und der Säkularisation wurde der große Grundbesitz in vier Höfe zerschlagen. Der heutige Berghof ging über Umwege 1867 an die Familie Bennecke über, deren Nachfahren bis heute das Gut bewohnen.

Das andere Prachtgebäude in Trieb ist das Schlösschen. Gebaut 1723/24, wurde es als repräsentativer Sommersitz der Langheimer Äbte genutzt. Mit seinem zugehörigen Spaziergärtlein, umrahmt von tiefen Wassergräben und mit einer geheimen Wendeltreppe - um vor jedem unvermuteten Überfall geschützt zu sein -, gilt dieses Gebäude bis heute als Vorzeigeobjekt. Oft wechselte das kleine Gut den Besitzer, ehe es 1902 ebenfalls in den Besitz von Walter Bennecke überging.

Auch die Geschichte des Ortes Trieb und die Verbundenheit seiner Bewohner mit dem Kloster sei spürbar geprägt vom Bestreben des Klosters Langheim, reichsunmittelbar zu werden, das heißt, sich aus der Herrschaft der Bamberger Fürstbischöfe zu lösen, sagte Dippold. So wurden für viele Bauwerke der Mönche etwa Coburger Baumeister beauftragt.

Beinahe am Ende stand ein Besuch am Nassanger auf dem Programm, einem Bau, der unter dem Langheimer Abt Gallus Knauer entstanden ist. Ein ringförmiger Grundriss, darauf ein landwirtschaftlicher Großbetrieb mit einem breiten Wassergraben umgeben: " ... sehenswürdig [...], weil dergleichen nirgend angetroffen und für einen besonderen Einfall eines Architecten gehalten wird", zitiert Dippold aus den Quellen.

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