Bamberg

Die Möglichkeiten einer Baustelle

Die Kanal- und Leitungsarbeiten in der Sutte verlaufen schneller als geplant. Aber die Baustelle ist nach Auffassung mehrerer Anwohner nicht das Problem. Sie wünschen sich eine verkehrsberuhigte Zone - oder gar eine komplette Sperrung.
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Trotz Geschwindigkeitsbegrenzung auf 10 km/h: Die Sutte ist im Kinderstadtplan als besonders gefährlich gekennzeichnet.  Quelle: Stadt Bamberg
Trotz Geschwindigkeitsbegrenzung auf 10 km/h: Die Sutte ist im Kinderstadtplan als besonders gefährlich gekennzeichnet. Quelle: Stadt Bamberg
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Die sommerliche Trockenheit hatte auch ihr Gutes: "Es gab so gut wie keine Bauunterbrechung in der Sutte", erklärte Baureferatsleiter Thomas Beese in der jüngsten Sitzung des Bamberger Bausenats. Auch die konzentrierte Arbeitsweise der Baufirma, die die Kanal- und Leitungsarbeiten durchführt, habe dafür gesorgt, dass es schneller ging als geplant. Unterhalb der Treppenanlage werden die Arbeiten voraussichtlich noch im Oktober fertig. Die Verlegung des Abwasserkanals und der Versorgungsleitungen zwischen Sutte und Maternenstraße soll bis Weihnachten abgeschlossen werden. Wegen der Abschaffung der Straßenausbaubeitragssatzung (Strabs) habe es zudem keine Probleme mit den Anwohnern gegeben. "Es gibt keine Beschwerden der Bürger", bestätigte Ursula Sowa (GAL) im Bausenat. Alles bestens also?

Eine Straße für Alle

"Die Firma arbeitet sehr gut, mit der Baustelle sind wir zufrieden", sagt auch Anwohner Michael Vogel. "Aber die ist nicht das Problem - im Gegenteil." Denn während der Bauarbeiten herrsche zumindest von Freitag bis Sonntag Ruhe und Frieden. "Die Kinder können auf der Straße Fußball spielen", erzählt Vogel. "Wir können bei offenem Fenster frühstücken", ergänzt seine Ehefrau. "Das ist nicht möglich, wenn der Verkehr hier durchgeht."

Am Durchgangsverkehr stört die Vogels zum einen der Lärm. Zum anderen sei es für Radfahrer und Fußgänger zu gefährlich. Denn trotz der Beschränkung: "Hier fährt niemand 10 km/h", sagt Michael Vogel. Zudem dürften Radfahrer zwar der Beschilderung nach entgegen der Einbahnstraßenrichtung fahren, Autofahrer wüssten das aber meist nicht, wodurch eine aggressive Stimmung zwischen den Verkehrsteilnehmern entstünde. "Dass jetzt für drei Jahre gesperrt ist, zeigt doch, dass es trotzdem funktioniert. Daraus ergibt sich eine einmalige Chance. Die Straße muss sowieso neu gemacht werden."

Vogel wünscht sich einen niveaugleichen Ausbau als verkehrsberuhigten Bereich, etwa als Schulstraße. Im Sinne eines "Shared Space", wie er langfristig in der Langen Straße geplant ist. Stattdessen befürchtet Vogel, dass es nach Abschluss der Bauarbeiten noch schlimmer wird als zuvor. Denn dann beginnen weitere Arbeiten, zunächst am Michaelsberg, dann in der Karolinenstraße auf Höhe der Hofapotheke. "Dadurch fahren dann noch mehr Menschen durch die Sutte als vor der Baustelle", befürchtet Vogel.

Bauen hat Priorität

Baureferatsleiter Thomas Beese beruhigt auf Nachfrage: "Die Anzahl der Kraftfahrzeuge ist kein gottgegebenes Gesetz. Wie auch jetzt nicht alle, die durch die Sutte gefahren sind, über den Michaelsberg oder die Karolinenstraße fahren, werden auch dann nicht alle durch die Sutte fahren", meint er. Viele würden sich darauf einstellen, die entsprechenden Sperrungen weiträumiger zu umfahren. Andere würden für kürzere Strecken auf das Auto verzichten.

"Da die Müllabfuhr und die Feuerwehr durch müssen, wird es weiterhin eine Asphaltstrecke in der Sutte geben", sagt Beese. Die Gestaltung der Straße ist bereits beschlossen und verabschiedet. Die Optik wird ähnlich, wie zuvor, nur moderner. "Der Ausbau wird auch weitgehend niveaugleich bleiben", so Beese, "allerdings ist die Höhe der Eingangstüren so unterschiedlich, dass es wieder Treppen und Rampen geben wird."

Ob die Sutte nach Abschluss der Arbeiten zum verkehrsberuhigten Bereich ausgewiesen oder völlig für den privaten Verkehr gesperrt wird, sei für die Bauarbeiten nicht von Belang. "Darüber denkt jetzt keiner nach, wir konzentrieren uns voll aufs Bauen", erklärt Beese. "Die verkehrspolitische Entscheidung ist entkoppelt von der baulichen Maßnahme."

Bei der Entscheidung, wie der Verkehr dort künftig geregelt wird, können sich die Anwohner einbringen. Vogels Nachbar Gregor Linz hält eine Vollsperrung der Sutte für nicht realisierbar, wünscht sich aber ebenfalls einen verkehrsberuhigten Bereich, "indem Autofahrer die Fußgänger auch freiwillig über die Straße lassen", wie er beschreibt. Er will, dass Radfahrer und Spaziegänger in der Verkehrshierarchie generell den Autos gleichgestellt werden.

Wie Vogel kritisiert auch Linz, dass die Tempobeschränkung so gut wie nie eingehalten werde. Das zeige auch der Kinderstadtplan der Stadt Bamberg. Darin ist die Sutte trotz der Beschränkung mit zwei Ausrufezeichen als besonders gefährlich gekennzeichnet.

Von der Sperrung wegen der Baustelle fühle er sich nicht eingeschränkt, "ich fahre sowieso lieber Fahrrad."

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