Haßfurt

Die Menschen suchen Halt und Geborgenheit

I n wenigen Tagen enden schon wieder die Sommerferien und man kann nur hoffen und wünschen, dass viele diese Zeit zur Erholung genutzt haben. Ich habe in de...
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I n wenigen Tagen enden schon wieder die Sommerferien und man kann nur hoffen und wünschen, dass viele diese Zeit zur Erholung genutzt haben.
Ich habe in den letzten Tagen auch einen ganz besonderen Urlaub erlebt und gespürt, wie über 250 Menschen tief erfüllt und mit vielen Eindrücken in ihren Alltag zurückkehren werden. Wir waren sechs Tage als Pilger unterwegs zum Kreuzberg und sind gestern reich beschenkt in der Heimat angekommen. Es war auch in diesem Jahr wieder ein ganz besonderes Erlebnis - ein "Traumurlaub" für Leib und Seele.
Die Beweggründe, warum sich immer mehr Menschen auf einen Pilgerweg machen, sind unterschiedlich. Manche sprechen von einer persönlichen Herausforderung und wieder andere machen sich aus tiefen persönlichen und religiösen Gründen auf den Weg. Und da man Schritt für Schritt auch sein Inneres mehr und mehr beleuchtet, kommt man, ob man will oder nicht, mit Gott und seinem Leben in
Berührung.
Die Ursache dieses Erlebens ist die Wallfahrt selbst: Sie ist "Glaube mit den Füßen", gemeinschaftsbetont, naturverbunden und erlebbar mit tiefen religiösen Eindrücken, die oft unter die Haut gehen. Aus vielen positiven und erfreulichen Erfahrungen heraus sehe ich deshalb eine überaus blühende Kirche, eine Kirche, die sich mitten in einem hoffnungsvollen Aufbruch befindet. Meines Erachtens waren die Möglichkeiten und Chancen der Kirche noch nie so groß, Menschen allen Alters und Einstellungen derart im Herzen zu berühren, wie es momentan der Fall ist.
Unser Wallfahrtsthema waren die Worte Jesu: "ICH lebe - damit auch ihr lebt." Wir feiern das Leben - der Herr ist wahrhaft auferstanden! Wieder einmal habe ich in den unterschiedlichsten Gesprächen und aus der Stimmung heraus gespürt, dass Menschen ein großes Verlangen danach haben, in den Ängsten des Alltags nicht alleingelassen zu werden. Sie sehnen sich nach Menschen, die ihnen die Tür zum Herzen öffnen, sie halten Ausschau nach Geborgenheit und innerem Halt, nach Liebe und Frieden - und sie halten Ausschau nach Gott. Nach einem Gott, der sie so annimmt, wie sie sind. Sie haben tiefste Sehnsucht danach, dass das Leben lebenswert ist und bleibt.
Und das ist für mich und für viele Wallfahrer der schönste Urlaub für die Seele: "anders" auftanken, angenommen zu sein, von Gott berührt zu werden, wahres Leben zu erfahren und gestärkt in den Alltag zurückzugehen.
Und das ist eine Kirche, wo Menschen sich einfach wohlfühlen und eine frohmachende Botschaft mit nach Hause nehmen - wo sie spüren, wir gehen mit einem Gott, der immer bei uns ist.
Genau aus dem Grund sind solche Stunden für viele und auch für mich eine ganz besondere Art der Erholung, die extrem guttun.

(Manfred Griebel ist Diakon und Krankenhausseelsorger in der katholischen Pfarrei Sankt Kilian Haßfurt.)
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