Bad Staffelstein
Brückentheater

Die Lust am Morden

Eine Erklärung, warum es in Verdi-Opern von Morden nur so wimmelt, wäre der Hinweis auf die immer besser werdenden Autos. "Weil es immer weniger Tote auf den Straßen gibt, gibt es diese in den subvent...
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Einen musikalischen Spaß der besonderen Art bescherten Andreas und Gitti Rüsing.  Foto: Gerda Völk
Einen musikalischen Spaß der besonderen Art bescherten Andreas und Gitti Rüsing. Foto: Gerda Völk

Eine Erklärung, warum es in Verdi-Opern von Morden nur so wimmelt, wäre der Hinweis auf die immer besser werdenden Autos. "Weil es immer weniger Tote auf den Straßen gibt, gibt es diese in den subventionierten Opernhäusern", erfahren die Zuhörer im Brückentheater. In "Die Morde des Giuseppe Verdi" streiften Sopranistin Gitti Rüsing und Pianist und Rezitator Andreas Rüsing sehr zur Freude des Publikums die Welt der Oper und Operette immer auf der Suche nach allerhand Kuriositäten.

Und da wird gemordet und munter gestorben was das Zeug hält, allerdings erst nach quälend langwierigen Arien am Ende einer Szene. Die heiteren Geschichten und Anekdoten aus dem Leben und Werken berühmter Komponisten und deren Musik geht auf das gleichnamige Buch von Lutz Backes zurück. Ein literarisch-musikalischer Leckerbissen der besonderen Art, der beim Publikum für Heiterkeit sorgte. Zu jeder einzelnen Oper, die das Duo mit launigen Geschichten vorstellte, wurden auch die Kompositionen präsentiert, durch die das Werk bekannt geworden war. Beispielsweise "La donna è mobile" aus Verdis Oper "Rigoletto" oder der Gefangenenchor aus "Nabucco".

Massengemetzel auf der Bühne

"Die sizilianische Vesper" soll gar in einem Massengemetzel ausgeartet sein. Der Mord an Desdemona auf offener Bühne sei nachweislich mindestens drei Mal "in echt" passiert. Manche Darsteller waren auch im realen Leben ein Liebespaar, die dazugehörigen Kussszenen dürften demzufolge kein Problem gewesen sein. Was aber passierte, wenn die Liebe erloschen war und man trotzdem auf der Bühne die große Liebe mimen sollte?

So einen Fall zeigten Gitti und Andreas Rüsing auf eindrucksvolle Weise im Sketch "Der Zungenkuss". Auch da gibt es am Ende einen ziemlich theatralischen Selbstmord. Wolfgang Amadeus Mozart wurde bekanntlich auf einem Wiener Friedhof beerdigt. Doch lange Zeit war die genaue Position seines Grabes unbekannt. Dies und der Umstand, dass Mozarts bekanntestes Lied "Schlafe mein Prinzchen, schlaf ein" erst fünf Jahre nach dessen Ableben geschrieben wurde, brachte Lutz Backes auf die Idee, dass Mozart vielleicht gar nicht gestorben war. Bekannt ist auch sein Verhalten gegenüber Sängerinnen bei der Probe des hohen F . In dieser Szene brillierte Gitti Rüsing im knappen roten Lackoberteil mit einer bemerkenswerten Bandbreite gerade in den höchsten Tönen und mit einem knackigen Dialekt.

Insgesamt war es ein erfrischender Abend mit zwei Künstlern, die mit gesanglichen Leistungen ebenso wie mit ihren schauspielerischen Fähigkeiten brillierten. gvö

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