Höchstadt a. d. Aisch

Die Lourdes-Grotte war ein lang gehegter Wunsch

Die Planung und Verwirklichung einer Lourdes-Grotte inspirierte Höchstadts Heimatmuseumsleiter und Stadtarchivar Christian Plätzer, in den Annalen der Pfarrei- und Stadtgeschichte zu recherchieren, ob...
Artikel drucken Artikel einbetten
ChristianPlätzer
ChristianPlätzer

Die Planung und Verwirklichung einer Lourdes-Grotte inspirierte Höchstadts Heimatmuseumsleiter und Stadtarchivar Christian Plätzer, in den Annalen der Pfarrei- und Stadtgeschichte zu recherchieren, ob der Enthusiasmus der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert hinsichtlich des südwestfranzösischen Wallfahrtsortes nicht auch in Höchstadt vorzufinden war. Und siehe da: Der Geschichtslehrer am Höchstadter Gymnasium machte verblüffende Entdeckungen, die er einem interessierten Publikum im Pfarrsaal von St. Georg präsentieren konnte.

1887 wollte der damalige Stadtpfarrer Konrad Mauderer, Landtagsabgeordneter und Gründer des Höchstadter Obst- und Gartenbauvereins, angesichts der Ereignisse in Lourdes seit dem Jahr 1858 auf dem Kirchplatz eine Lourdes-Grotte erbauen. Im klassizistischen Stil des Pfarrhauses sollte auf der Südseite der Stadtpfarrkirche, an jenem Platz, an dem sich heute die Ölberggruppe befindet, eine große Anlage entstehen.

Madonnenfigur existierte bereits

Wegen der von den staatlichen und kirchlichen Behörden stilistisch angeordneten Veränderungen, kam es jedoch zu keiner Baumaßnahme. Die Höchstadter Kirchenverwaltung bestand aber auf die Realisierung ihres eigenen Entwurfes und wollte lieber eine separate Kapelle abseits des Kirchplatzes für ihr Vorhaben errichten, als sich den behördlichen Auflagen zu beugen. Eine 1,74 Meter große Madonnenfigur existierte bereits als Spende.

Was mit dieser Figur und dem Plan eines Grottenbaues geschah, lässt sich für Christian Plätzer nicht eindeutig festmachen. Sehr wahrscheinlich stellte man die Lourdes-Madonna in der Stadtpfarrkirche auf, um sie den Gläubigen vor Augen zu stellen. 1913 ließ Stadtpfarrer Johannes Leisner die Stadtpfarrkirche restaurieren und wollte die Madonna wohl aus Platzgründen und aus ästhetischen Erwägungen wieder aus dem Gotteshaus entfernen.

1923 erwog Stadtpfarrer Leisner deshalb, erneut einen Plan für eine Lourdesgrotte einzureichen. Nachdem mittlerweile die Anlage für die historischen, aus dem 15. Jahrhundert stammenden Ölberg-Figuren auf dem Kirchplatz errichtet war und die Figuren von den Kirchenmauern entfernt worden waren, plante Johannes Leisner eine Grotte an der südwestlichen Kirchplatzmauer. Wohl aus finanziellen Gründen scheiterte aber auch die Realisierung dieses Projektes.

Plätzer zeigte etliche Pläne, Zeichnungen und Fotografien, die seine Ausführungen anschaulich dokumentierten. Zudem verwies er auf weitere Lourdes-Grottenbauten in der Umgebung, so in Gremsdorf, Sterpersdorf und Aisch. Diese Baumonumente und religiösen Denkmäler verweisen auf die Ausbreitung des Lourdes-Kultes auch im Aischgrund.

Plätzer zeigte sich als praktizierender Katholik beeindruckt davon, dass nach 132 Jahren im dritten Anlauf ein lang gehegter Wunsch der Vorfahren realisiert werden konnte. "Und dies in einer Zeit, in der der Glaube eher zu schwinden droht und das Interesse am kirchlichen Leben rapide abnimmt."

"Bewegung dient dem Frieden"

Wie sehr die Verbreitung des Lourdes-Gedankens von Gebet, Umkehr und von der Sorge um die Kranken auch zur Völkerverständigung beitrug, ließ der Referent nicht unerwähnt: Als 1955 die letzten Kriegsgefangenen nach dem Zweiten Weltkrieg heimkehrten, bot die St.-Georgspfarrei eine Pfarreifahrt nach Lourdes im Süden des damaligen "Erzfeindes" Frankreich an. Die Wallfahrtsreise war ausgebucht. Plätzer: "Ein Zeichen dafür, dass der Glaube und die Bewegung, die Lourdes auslöste, dem Frieden dienen." LM

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren