Die Liebe im alten Rom

Gymnasiasten des CVG luden zu einer Zeitreise in die Antike ein - auch mit mancherlei kulinarischen Überraschungen.
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Anna Eber (links) erzählte als Neaira die Geschichte einer jungen Frau im Römischen Reich, die schon früh an ein Bordell verkauft wurde. Ihre Freundin Julia (Deborah Kemnitzer) steht ihr zur Seite.  Foto: Uschi Prawitz
Anna Eber (links) erzählte als Neaira die Geschichte einer jungen Frau im Römischen Reich, die schon früh an ein Bordell verkauft wurde. Ihre Freundin Julia (Deborah Kemnitzer) steht ihr zur Seite. Foto: Uschi Prawitz
Latein hat ein verstaubtes Image? Nicht am Kulmbacher Caspar-Vischer-Gymnasium. Dort haben es sich die 15 Teilnehmer des P-Seminars Latein unter der Leitung von Anja Braune zur Aufgabe gemacht, rund 50 geladene Gäste auf eine aktive Zeitreise ins antike Rom zu entführen.
In den Räumen der Tanzschule Barbic empfingen die in Togen gekleideten Schüler die neugierigen Gäste, die an festlich gedeckten Tischen Platz nehmen durften, um ein reichhaltiges Mahl nach römischer Inspiration zu genießen. Max Weise, Florian Wermbter, Ben Eber und Christo Lekkas überraschten die Besucher mit einem Dreigängemenü, als Hauptgang gab es einen Wildschweineintopf. "Wir haben zu Hause probegekocht, damit heute auch alles gut klappt", sagte Florian Wermbter, der mit seinen Mitschülern selbst die Rezepte ausgesucht, verfeinert und nachgekocht hatte - ausschließlich mit Gewürzen, die es damals schon gab.
Das P-Seminar wollte möglichst viele Einblicke in den römischen Alltag vermitteln, insbesondere in den Umgang mit der Liebe und den Stellenwert der Frauen. Kurzweilig und aufschlussreich präsentierten die Gymnasiasten spannendes Wissen in Form von schauspielerischen Szenen, etwa über den berühmten Dichter Ovid, den "Bad Boy der Dichtkunst" jener Zeit, wie Gastgeberin Neaira alias Anna Eber ihn bezeichnete.


Doofe Sprüche an den Wänden

"Sein Werk ist anstößig und provokant, doch hören sie selbst", sagte sie und überließ Manuel Pöhlmann die Bühne. Er rezitierte auf amüsante Weise aus Ovids Werk "Ars Amatoria", zu Deutsch "Liebeskunst", und klärte die anwesenden Herren darüber auf, wie man im alten Rom eine Partnerin finden konnte. Die etwa 120 Seiten starke "Ars Amatoria" enthält viele schlüpfrige Sprüche. "Mich hat vor allem interessiert, was die Römer von Liebe und Sexualität hielten, das P-Seminar hat Geschichte lebendig gemacht", so Pöhlmann.
Bei ihren Recherchen sind die Schülerinnen und Schüler auch auf allerlei Überraschungen gestoßen. "Im alten Rom gab es schon Graffitis, doofe Sprüche an die Wände geschrieben, ganz genau wie heutzutage", sagte Anna Eber. Als Neaira verkörperte sie das reale Schicksal eines jungen Mädchens im alten Korinth, das im Alter von zehn Jahren in ein Bordell verkauft wurde. "Es war gesellschaftlich vollkommen akzeptiert, dass Männer sich dort vergnügten, denn die Aufgabe der Frauen zu Hause war es, Kinder zu gebären."


Phallussymbole als Wegweiser

Die junge Neaira, die an ihrem zehnten Geburtstag ihren ersten Freier bediente, stieg in der Hierarchie auf, wurde zur Edelhure und konnte nach Rom fliehen, wo sie ihren Ehemann Stephanus kennenlernte. Rom, das in der Antike zahlreiche Vergnügungsviertel beherbergte, von denen selbst heute noch Spuren zu finden sind.
"In Straßenpflastersteine waren Phallussymbole geritzt, die als Wegweiser dienten", erzählte Anna Eber. Auch mit dem äußeren Erscheinungsbild haben sich die Seminarteilnehmer beschäftigt und Togen teils selbst geschneidert. "Wir haben uns auch nach dem damaligen Vorbild geschminkt", sagte Deborah Kemnitzer, die in dem Schauspiel die Julia mimte. Natürlich nicht mit den ursprünglichen Materialien, denn geschminkt wurden damals die Augen mit Kohlestift, die Wimpern wurden mit Asche dunkel gefärbt, auf das Gesicht wurden Kreide und rotes Puder aufgetragen.
Der römische Abend des P-Seminars war unterhaltsam und ideenreich. "Wir haben viel über die Rolle der Frau in der römischen Gesellschaft erfahren", bilanzierte Schulleiterin Ulrike Endres am Ende der Veranstaltung.
Auch Seminarleiterin Anja Braune zeigte sich von der Leistung der Seminarteilnehmer angetan: "Jeder von euch hat sehr viele Stärken und Talente, es war eine Freude, diesen Abend mit euch zu gestalten."
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