Obertrubach

Die Lichter-Produktion läuft

Für die Illumination des Festzuges der Ewigen Anbetung produzieren die Obertrubacher rund 7000 Wachslichter.
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Das Wachs dringt durch die Holzspäne und füllt die Dosen komplett aus, ein Kerzen-Produktionsverfahren made in Obertrubach. Fotos: Franz Galster
Das Wachs dringt durch die Holzspäne und füllt die Dosen komplett aus, ein Kerzen-Produktionsverfahren made in Obertrubach. Fotos: Franz Galster
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Ganz unauffällig, aber emsig, wurde in einer aufgelassenen Werkstatt am Ausgang von Obertrubach Richtung Bärnfels zwischen den Feiertagen gewerkelt. Es sind wieder einmal die Helden, die hinter den Kulissen die Arbeit für einen großen Augenblick leisten.

Es gilt, Wachslichter zu gießen für die bevorstehende Lichterprozession zum Ausklang der Ewigen Anbetung in Obertrubach. Sie endet am 3. Januar mit der letzten Betstunde um 16 Uhr.

Um 15.45 ziehen die Vereine mit Fahnen und Ehrengästen feierlich vom Rathaus in die Pfarrkirche St. Laurentius ein. Um 17 Uhr beginnt dann die abschließende Lichterprozession.

Längst hat sich das große Team von ehrenamtlichen Helfern funktionell auf einen glatten Ablauf des Wachsgießens eingestellt. Über viele Jahre koordinierte Hans Bauer die Arbeiten. Da er dieses Jahr verhindert ist, sprang sein Stellvertreter Günter Wiecszorek ein.

"Über das ganze Jahr", so erzählt Bürgermeister Markus Grüner vor Ort, "machen wir Aufrufe im Mitteilungsblatt, Wachsreste von abgebrannten Kerzen am gemeindlichen Bauhof abzuliefern". Anlieferungen aus der weiteren Umgebung sind dabei sehr willkommen.

Jetzt haben die Akteure eine Art Fertigungsstraße in der Werkstatt aufgebaut, schließlich müssen die Arbeitsvorgänge Hand in Hand gehen. Zunächst zerkleinert eine Gruppe die Kerzenreste in möglichst kleine Teile. Das beschleunigt den Schmelzvorgang in den mit Gas von unten befeuerten Behältern erheblich. Daneben stehen in großen Säcken Hobelspäne bereit, die fleißige Hände in flache leere Wurstdosen einfüllen.

Das flüssige Wachs wird mit großen Eimern in einen weiteren Behälter gegossen. Aus einem Hahn fließt es dann kontrolliert über die Hobelspäne in die Dosen und füllt so alle Leerräume. Diese Methode, von Obertrubachern entwickelt, löst seit etlichen Jahren die früheren Ölfeuer ab und bedeutet eine zeitgemäße, betont umweltfreundliche Variante.

Etwa sieben Helfer treten pro Schicht an drei bis vier Tagen an. Bäckerei und Metzgerei stellen die Brotzeiten. Am Ende des Tages lädt dann jeweils eine der drei Gastwirtschaften im Ort zum Abendessen.

Es ist einmal mehr der schöne Beweis einer funktionierenden Dorfgemeinschaft. Gemeinderat Bernd Reichel deutet vor der Werkstatt auf den malerischen Altarstein, eine der eindrucksvollen Felskulissen, die die Fränkische Schweiz so begehrt machen. "Allein an diesem Steilhang werden um die 1000 Lichter am Ende der ewigen Anbetung entzündet", sagt Reichel.

Es ist einer seiner Lieblingsorte. Um die Berghänge um den Ort Obertrubach zu erleuchten, werden von zahlreichen Helfern insgesamt etwa 7000 Lichter verteilt. Dann wird die Stille der Nacht nicht mehr von Motorenlärm unterbrochen und die Autos müssen für eine Weile draußen bleiben. Weitere christliche Lichtsymbole schmücken den Ort und die Hänge. Pfarrer Werner Wolf trägt dann das Allerheiligste nach der letzten Betstunde durch die Straßen des Dorfes, begleitet von vielen Kerzenlichtern. Es ist jener Moment, wo Obertrubach für eine Stunde in Besinnung und Gebet den Atem anhält.



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