Zeil am Main

Die "Latino"-Klänge rissen mit

Das Zeiler Sommerkonzert bescherte dem Publikum in der Tuchangerhalle vergnügliche Stunden. Die Musiker und Sänger überzeugten mit den Vorträgen. Die jungen Aktiven aus der Walther-Rathenau-Schule aus Schweinfurt hatten viel Spaß.
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Nicht nur musikalisch, sondern auch choreographisch ein Hochgenuss waren die Kinder der Walther-Rathenau-Schulen beim Konzert in der Zeiler Tuchangerhalle. Foto: Monika Schraut
Nicht nur musikalisch, sondern auch choreographisch ein Hochgenuss waren die Kinder der Walther-Rathenau-Schulen beim Konzert in der Zeiler Tuchangerhalle. Foto: Monika Schraut

"Mir tun diejenigen leid, die gesagt haben, dass sie bei diesem Wetter nicht vor die Türe gehen", erklärte Bürgermeister Thomas Stadelmann am Ende des grandiosen Konzertes am Samstagabend in der Tuchangerhalle in Zeil. Er zollte dem Leiter und Dirigenten Oliver Kunkel höchsten Respekt für seine musikalische Arbeit und bedankte sich, zusammen mit stehenden Ovationen seitens des Publikums, beim gesamten Ensemble und den Chor-Klassen-Kindern der Walther-Rathenau-Schule aus Schweinfurt. Das jährliche Sommerkonzert war wegen des ungünstigen Wetters vom Finanzamtsgarten in die Sporthalle am Tuchanger verlegt worden.

Es war ein wirkliches Erlebnis, die Vielfalt der lateinamerikanischen Musik unter dem Konzert-Titel "Latino" zu hören. Kurzweilige Ansagen seitens des Dirigenten Oliver Kunkel ersetzten ein gedrucktes Programm und führten das Publikum in das jeweilige Werk ein.

Bevor im zweiten Teil die lateinamerikanische Lebenslust aufflammen sollte, war der erste Teil des Abends den tiefsinnigen und innigeren Stücken gewidmet. Mit einer Eigenkomposition über ein Ave-Maria aus der Renaissance begann der Abend und verzauberte die Zuhörer mit homogenem Chorklang und schönen, weit gesungenen Bögen. Rhythmisch versiert zeigte sich der Chor bei Ariel Ramirez bekannter "Misa criolla", aus der das Gloria und das besinnliche Agnus Dei zusammen mit der glasklaren Solostimme von Serena Hardt (Sopran) und dem bewegenden Bartion von Omar Garrido präsentiert wurden. Mit zum Himmel aufsteigenden Linien, flirrenden Clustern und großen dynamischen Gesten gab das zu Herzen gehende Stück "To the Mothers in Brasil" ein politisches Statement für die Würdigung derer ab, die sich in Brasilien und in der ganzen Welt für mehr Menschlichkeit einsetzen. Verbunden wurden die Hauptstücke mit Kompositionen der Abiturklassen des Rathenau-Gymnasiums, die beachtliche musikalische Ideen zu Gehör brachten. So ließ zum Beispiel die türkischstämmige Abiturientin Zeynep das Akkordeon als einzelne feine Solostimme beginnen und führte ihr Stück am Ende unerwartet hin zu einem wuseligen Trommelmeer, gespielt von fünf Oberstufenschülern an ihren Congas.

Yagmur und Nisa aus der sechsten Klasse freuten sich in der Pause schon auf den zweiten Teil. "Der ist bewegter und cooler." Sie singen sehr gern, und obwohl jeder Zuhörer hinter einer solch hohen schülerischen Chorleistung ein strenges Unterrichtsregiment vermutet, bestätigten die beiden, dass die Stimmbildung, das Arbeiten an Choreographie und Ausdruck ungemein viel Spaß machten. Sie dürfen selber mitentscheiden, welche Gesten zur Musik passen, und stellen fest, dass die Konzentration auf ein Lied einen manchmal richtig mitreißt.

Bravorufe

Das Mitreißende der lateinamerikanischen Musik konnte jeder Besucher im zweiten Konzertteil auf der Bühne erleben. Mit Hits wie "Chan Chan" und "Havana" lockten die Akteure bei so manchem Konzertbesucher ein rhythmisches Mittrommeln hervor, und am Ende gab es begeisterte Bravorufe. Der Chor war im beständigen Dialog mit hochkarätigen Musikern. Am Akkordeon brillierte der Masterabsolvent Kevin Sauer aus Thüringen - vor allem in dem Akkordeonklassiker "Libertango" von Astor Piazzollas.

Auch neue Musiker

Alte, aber hochgeschätzte Bekannte waren für das Publikum Anja Meiler aus Kürnach am Saxophon, Jareem Wilmore am Piano und Serena Hardt in der Percussion. Als Neuentdeckungen für das Ensemble stellte Kunkel den Breitbrunner Justus Böhm am Bass und den Zeiler Klaus Neubert als "Allround-Gitarristen" vor.

Die Instrumentalisten, die Solisten und den Chor führte der engagierte Oliver Kunkel gleichermaßen zu einem hervorragenden Gesamtkunstwerk, dem Bürgermeister Thomas Stadelmann und das gesamte Publikum in Zeil am Ende des Abends höchste Anerkennung zollten.

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