Herzogenaurach

Die Kuh des kleinen Mannes

In der Herzogenauracher Partnerregion Cajamarca kümmert sich ein neues Projekt um die Aufzucht von Meerschweinchen. Dieses Tier ist in dem Andenstaat ein wichtiges Lebensmittel und hat einen besonderen Status. Der Freundeskreis empfing jetzt Besuch aus Bambamarca in Herzogenaurach.
Artikel drucken Artikel einbetten
Eine Peruanerin brät Meerschweinchen. Diese Tiere sind in den Anden ein wichtiges Lebensmittel .  Fotos: Bernhard Panzer
Eine Peruanerin brät Meerschweinchen. Diese Tiere sind in den Anden ein wichtiges Lebensmittel . Fotos: Bernhard Panzer
+1 Bild
Bernhard Panzer

Vielfältig sind die Bereiche, in denen die Leute vom Förderkreis Cajamarca ihre peruanischen Freunde in Bambamarca unterstützen. Seit 1990 gibt es immer wieder Spenden für die verschiedenen Hilfsprojekte, unter denen die Aufforstungen in den Bergen gerade einen Schwerpunkt einnehmen. Neu ist ein Vorhaben, das die Aufzucht von Meerschweinchen vorsieht. Diese Tiere gelten in Peru als die "Kuh des kleinen Mannes", wie Hans Meister feststellt, der sich seit vielen Jahren um die Arbeit für Peru kümmert.
Dieser Tage sind zwei engagierte Aktive aus Bambamarca zu Besuch in Herzogenaurach. Neben neuen Kontakten und Gesprächen nehmen sie auch "Zählbares" mit zurück in die Heimat, denn jüngst wurden von "Kultur grenzenlos" 1800 Euro für die Projekte überreicht. Santos Aguilar und Freddy Lozano sind in verantwortlicher Position im Verein "Jose Dammert Belido" tätig, der sich im Sinne des früheren Bischofs Dammert für die verarmte Landbevölkerung Nordperus einsetzt.


Vielerlei Projekte

Mit dem Geld werden, wie Meister berichtet, folgende Projekte unterstützt: Medizinische Versorgung mit Apotheke, Technikerschule, Aufforstung, Straßenkinder, Fortbildungskurse für die Landbevölkerung. Das Geld ist der Erlös aus dem Verkauf von Häppchen und Getränken während der kulturellen Veranstaltungen im Innenhof der Bäckerei Lang in den vergangenen drei Jahren. Die beiden Gäste versicherten, dass jeder Cent direkt am Ziel ankommt und nicht in irgendeiner Verwaltung kleben bleibt. "Das ist ihre Art zu arbeiten", sagte Meister.
Der Förderkreis begann seine Kontakte nach Cajamarca im Jahr 1990 und unterstützte anfangs Projekte in der ländlichen Entwicklung der Diözese, berichtet Hans Meister. Das erstreckt sich von der Cholerabekämpfung über Viehzucht und Trinkwasser bis zur Frauenarbeit und Krankenpflege. Von 1992 bis etwa 2002 entwickelte sich eine dann eine enge Zusammenarbeit mit den Frauengruppen der Provinz Bambamarca, besonders mit deren Vorstandschaft. Meister: "Diese bis zu 95 Ortsgruppen trugen sehr viel bei zur Anerkennung und zunehmenden Gleichberechtigung von Mädchen und Frauen auf dem Land." Heute gebe es nur noch 15 solcher Gruppen.
Zwischen 2002 und 2008 lag der Schwerpunkt der Zusammenarbeit auf Trinkwasseranlagen in kleinen Gemeinden. Die Bewohner übernahmen die Arbeiten, der Förderkreis finanzierte das Material. Ein weiterer Schwerpunkt war der Bau von mehr als 500 Energiesparherden, so genannten Cocinas mejoradas, zwischen 2005 und 2010 in den ländlichen Gemeinden. Hans Meister erklärt das Projekt: "Ein gelernter Ofensetzer bildete acht junge Frauen aus, die mit den interessierten Familien für 50 Euro diese Herde aus Klinkern, Baustahl und Lehmgemisch bauten. Die Herde vermeiden laut Meister durch ihren Rauchabzug (Ofenrohr) nach außen Erkrankungen der Augen und der Atemwege, "sie geben dem Raum eine angenehme Temperatur und verhindern Verbrennungen, denn vorher wurde mit offenem Feuer über drei Steinen gekocht."
Nächstes Vorhaben: Seit 2011 werden jährlich über 100 000 Bäume zu minimalen Kosten von je 17 Cent in Aufforstungsprojekten der Dorfgemeinschaften aufgezogen und gesetzt. Inzwischen entstanden so 400 Hektar Wald, der vor Erosion der steilen Hänge schützt, das Wasser im Boden hält, die Luft reinigt und den Kleinbauern nach 15 bis 20 Jahren ein zusätzliches Einkommen bringt.


Schule und Meerschweinchen

Das zuletzt größte Projekt war der Bau eines Zentrums für Sozialarbeit, Krankenpflege und Ausbildung, in dem ab 2016 eine Technikerschule mit Klassen für Elektriker und PC-Kurse ihren Unterricht begann. Diese Schule soll später auch Kurse für Schreiner, Bauwesen und Landwirtschaft anbieten, berichtet der Herzogenauracher, der einst mehrere Jahre auch als Entwicklungshelfer in dem Gebiet tätig war.
Und dann ist da noch das neue Projekt: die Aufzucht verbesserter Meerschweinchenrassen. Auch das ist ein Vorhaben der Asociación José Dammert Bellido. Die Meerschweinchen, so beschrieb es Hans Meister bei der Übergabe der Spende, haben eine 2000 Jahre alte kulturelle Bedeutung in Peru. "Sie sind fast heilige Tiere." Schon vor der Inkazeit wurden die Nagetiere Zeiten in den Anden Perus, Boliviens und Ecuadors vor allem wegen ihres zarten Fleisches gezüchtet. Hans Meister beschreibt das: "Sie sind das typische Festessen, das man den Gästen anbietet. Auch in der Mythologie und in der Heilkunst spielen sie eine große Rolle. Seit Jahrtausenden dienen sie als Opfertiere für die Mutter Erde und als Medium zur Analyse von Krankheiten."


Ein Projekt für die Kleinbauern

2012 wurden in Peru 12,7 Millionen Meerschweinchen gezählt, davon 2,4 Millionen in der Region Cajamarca. Da sie unkompliziert aufwachsen und von Küchenabfällen leben, gibt es sie fast in jedem Campesinohaushalt. Weil die traditionelle Aufzucht aber nicht sehr rentabel sei, will man das nun verbessern.
Heute lasse sich durchaus Geld damit verdienen, berichtet Hans Meister weiterhin. Beteiligt werden am Projekt Kleinbauern, die zu arm sind und zu wenig Land haben, um sich Kühe anzuschaffen. "So ist das Meerschweinchen die Kuh des kleinen Mannes."


Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren