Kronach
Brauchtum

Die Konfirmanden mussten einst den Paten um Verzeihung bitten

Kronach — Zur Feier der Konfirmation im Frankenwald gehörte früher das Ritual des "Abbittens". Bei diesem alten Brauch bat der Konfirmand mit Handschlag seinen Paten um Vergebung für alles an ihm bega...
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Ein historische Konfirmationsbild aus dem Jahr 1910 mit Pfarrer Hans Löhe und Kantor Hans Dienstbier, das freundlicherweise Pfarrer Burkhard Sachs und Friedrich Bürger von der Kirchengemeinde Mitwitz zur Verfügung gestellt haben.
Ein historische Konfirmationsbild aus dem Jahr 1910 mit Pfarrer Hans Löhe und Kantor Hans Dienstbier, das freundlicherweise Pfarrer Burkhard Sachs und Friedrich Bürger von der Kirchengemeinde Mitwitz zur Verfügung gestellt haben.
Kronach — Zur Feier der Konfirmation im Frankenwald gehörte früher das Ritual des "Abbittens". Bei diesem alten Brauch bat der Konfirmand mit Handschlag seinen Paten um Vergebung für alles an ihm begangene Unrecht.
Bis in die siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts war die Konfirmation mit der Schulentlassung nahezu identisch, sowohl was den Zeitpunkt als auch die Bedeutung betraf. Das "Kinnebeicht'n", wie es einst im Volksmund hieß, und was man von der Bezeichnung her nur von der Erstkommunion aus katholischen Gefilden her kennt, gilt als herausragendes Ereignis im Leben des jungen Menschen. Denn aus dem Kind wird ein Erwachsener, im kirchlichen Verständnis und besonders im gesellschaftlichen Bereich. Der Pate und die Patin sind bei der Konfirmation neben ihrem Patenkind die wichtigsten Personen. Der Brauch des "Abbittens" bei ihnen ist heute zwar nicht mehr üblich, war aber einst im "Dreiländereck", nordöstlich von Wallenfels, zeitlich und sprachlich genau festgelegt. Ein bis zwei Wochen vor dem Fest hatte der Konfirmand den Paten aufzusuchen und ihn mit Handschlag für alles begangene Unrecht um Verzeihung zu bitten: "Hab ich euch beleidigt, so bitt ich euch um Vergebung". Wohnten die Paten auswärts, genügte eine entsprechend verfasste Botschaft per Post. Selbst Pfarrer und Lehrer wurden in diesen Brauch der "Abbitte" eingeschlossen. Bei ihnen musste im Konfirmationsunterricht der "älteste Konfirmand" als Fürbitter für alle Kameraden vorsprechen.
Beim Ritual des "Abbittens" erhält der Beichter üblicherweise sein Patengeschenk. Ursprünglich war dies ein Gesangbuch mit eingravierter Jahreszahl. Für den Buben gibt es dazu eine Taschenuhr und einen Beutel mit klingenden Münzen, für das Mädchen ein Schmuckstück, nach alter Tradition ein goldenes Kreuz mit einem Halskettchen. Später werden Kleid, Anzug und Schuhe oft als selbstverständliche Zugaben betrachtet.
Den Tag der Konfirmation feiert das ganze Dorf im festlichen geschmückten Ambiente. Die Kirche erwartet ihre Besucher mit frischem Tannengrün am Eingangsportal, Birken entlang des Kirchenschiffes und bunter Blumenpracht am Altar. Kränze und Girlanden zieren Schule und Pfarrhaus. Der Weg der Konfirmanden vom Pfarrhaus zur Kirche ist mit Fichtenzweigen bestreut.
An der Haustür jedes Konfirmanden stehen zwei Bäumchen mit bunten Bändern. Der Konfirmand selbst trägt an seinem Ehrentag einen dunklen Anzug mit "Mäschla" und einem immergrünen Sträußchen aus Myrte oder Buchs und die Konfirmandin ein schwarzes Kleid , erstmals seidene Strümpfe und ein grünes Kränzchen im Haar. Schon die Kleidung zeigte vor allem in früherer Zeit das Erwachsensein an.
Heute ist die Konfirmation zu einem Fest der gesamten Einwohnerschaft geworden. Dies offenbart sich besonders im Brauch des "Kuchenaustragens". Das Verteilen von "Streubela" und "Blöchla" ist mittlerweile zu einem recht lukrativen Geschäft geworden, das der Konfirmand gleich selbst in die Hand nimmt, oft mit dem Hintergedanken, ein zusätzliches "Wegegeld" kassieren zu dürfen.
Der einstmals als unverletzbares Nachbarschaftsgesetz angesehene Brauch, nämlich die au-ßerhalb des Kirchdorfes wohnenden Konfirmanden bei begüterten ortsansässigen Familien zum Mittagessen einzuladen, ist mit zunehmendem Wohlstand völlig verschwunden.
Auch der einstige "Beichtspaziergang", der in sämtliche Haushaltungen außerhalb des Kirchdorfes führte, um beglückwünscht und bewirtet zu werden, würde man heute eher als Bettelei empfinden.


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